Nordisch unterwegs

Tag 1 auf der Re:publica 2018 in Berlin

Google+ Pinterest LinkedIn Tumblr

Das Zentrum der Medienschaffenden, Nerds, Datenjournalisten und des Elektro-Smogs liegt derzeit in Berlin. Das ist uns heute beim ersten Tag auf der Republica klar geworden. Wir haben einige spannende Vorträge gehört, sind tiefer in die Medienwelt abgetaucht und haben Medien-Profis getroffen. Eine kleine Zusammenfassung von Tag 1 der Republica von Mareike Wübben und Claus Hock.

Als ersten Höhepunkt hatten wir uns das Eröffnungspanel ausgesucht. Friedemann Karig, Stefan Niggemeier, Nils Markwarft und Samira El Ouassil diskutierten zum Thema „Die Revolution isst ihre Kinder – alte Linke, neue Rechte und das Internet“.

Dabei ging es auch um Populismus – unter diesem übergeordneten Thema steht die gesamte Republica. Die Referenten kritisierten die Polarisierung von Politikern wie Trump, Markus Söder oder Alexander Dobrindt, Denn das würde nur zu kurzen Empörung führen, häufig aber keinen richtigen Diskurs auslösen. „Aktionismus ist keine politische Aktivität“ – ein Satz, den Mareike unterschreiben kann.

Sie fand den persönlichen Einblick von Samira El Ouassil besonders spannend. Sie war als Spitzenkandidatin von Die Partei nach ihrem Bundestagswahlkampf 2009 Opfer von Anfeindung geworden – und zwar aus vier Gründen, wie sie erklärte: Weil sie eine Frau ist, aufgrund ihres (südländischen) Aussehens, aufgrund der unterstellten politischen Gesinnungen und aufgrund der unterstellten religiösen Zugehörigkeit.

Umschauen auf der Re:publica

Nach diesem ersten Einblick blieb erstmal Freizeit – und eine Akklimatisierung mit der Umgebung. Eins wurde ganz schnell klar: Viele Besucher kleben an ihren Handys und Laptops, es sind dort viele abgefahrene Leute (auch modetechnisch) unterwegs und es ist quasi unmöglich, nicht von einer Kamera oder einem mobilen Endgeräte gefilmt zu werden. Für einen nostalgischen Moment sorgte da der Maulwurf vom WDR, den Mareike herzlich umarmen durfte. Eher futuristisch war es beim Stand vom ZDF. Dort läuft der Prototyp für VR-Brillen mit insgesamt fünf verschiedenen History Szenarien, die ausprobiert werden können. Mareike entschied sich für Nürnberg und bekam eine kurze VR-Geschichtsstunde inklusive Dampflok und Albrecht Dürer. Ab Herbst soll dieses Angebot beim ZDF im Programm laufen.

Augmented Reality als Trend

Inhaltlich lernten wir dann beim rbb Talk lab, wie Journalisten verschiedene Kanäle nutzen können und sollten. Einen Einblick dazu gab Teja Adams, der bei Tagesschau.de als Social-Media-Redakteur aktiv ist. Merke: Augmented Reality wird ein neuer Trend, wir sollte Geschichten nicht mehr nur online Frist sondern mobile first denken und Social Media wird häufig während des Streamens oder Fernsehschauens konsumiert.

Mobile first? Während „Online first“ gerade in Zeitungsverlagen mittlerweile die Devise ist, ist Teja Adams schon einen Schritt weiter: Mobile first. er schaue sich alles – Bilder, Grafiken, Video, Texte usw. – mittlerweile nicht mehr daraufhin an, ob sie für den großen Bildschirm geeignet sind. Sondern, ob sie auf den kleinen Bildschirmen von Smartphones und Tablets den Sehgewohnheiten entsprechen.

Beim Gespräch mit Teja Adams nach dem Vortrag, im Innenhof der Station Berlin, bot sich die Gelegenheit, noch ein paar weitere Tipps abzuholen: „Einfach mal ausprobieren“, war der deutlichste. Zudem: „Achtet nicht nur darauf, dass jeder die Geschichten macht, die er gut kann“, empfahl der „Medienneudenker“ der Tagesschau, sondern: „Achtet auch darauf, dass ihr die richtigen Leute an die verschiedenen Kanäle setzt.“ Tipps, die wir von klarnordisch natürlich gerne beachten wollen.

Journalisten mit Haltung

Höhepunkt des Tages war das Thema „Journalismus im Netz: Zwischen Fakten, Fake, Haltung und Hate“ mit Georg Restle, Dunja Hayali, Kai Gniffke und Silke Burmester. Die Diskussion drehte sich vor allem um Objektivität und Neutralität, die die beiden Frauen der Runde nicht zwangsläufig gegeben sahen – „weil wir uns selbst mitbringen“, wie Burmester formulierte. Durch das Handwerkszeug, dass jeder Journalist an der Hand haben sollte, sollte aber so viel Professionalität gegeben sein, dass Journalisten mit einer gewissen Distanz berichten können. Hayali wolle aber nicht, nur weil sie Journalistin ist,  damit aufhören, für Humanismus, Gleichberechtigung, Freiheit und weitere Werte einzustehen. Genau richtig, wie wir finden. Sie sah jedoch auch die Gefahr, die von Meinungsmache – beispielsweise durch besonders krasse Überschriften – ausgehen kann. Journalismus muss im Dialog und Diskurs Argumente liefern. Und für eine saubere Recherche brauchen Journalisten auch Zeit – ebenfalls eine Einstellung, die wir unterschreiben können. Hier sei derweil aber auch der Kosument gefragt: Denn Leser, Zuhörer und Zuschauer würden häufig erwarten, dass die Journalisten schon kurz nach dem jeweiligen Ereignis alle Informationen hätten – was in der Realität unmöglich ist.

Fluchen mit Sophie Passmann

Zum Abschluss des Tages, zumindest für Claus, gab es noch einen kurzweiligen Vortrag mit Sophie Passmann.  „Weniger Filterblase, mehr Detox.Tee! Was können wir von Influencern lernen?“ Lustig, die meiste Verwendung des Wortes „fucking“ und von daher interessant, wenn auch nicht neu: Influencer sind nicht authentisch, werden aber die Illusion aufrecht erhalten müssen. Influencer zahlen in Coolness, haben eine Menge Arbeit, werden sich aber auf einen härteren Markt einstellen müssen.

Mareike Wübben

Einmal quer durch den Nordwesten - geboren wurde ich in der Friedensstadt Osnabrück, studiert habe ich am Meer in Wilhelmshaven - und zwar Medienwirtschaft und Journalismus - also "irgendwas mit Medien". Aufgewachsen bin ich jedoch im Oldenburger Münsterland - wo ich an den Ahlhorner Fischteichen, an der Talsperre oder im Wald am besten entspanne. Aber auch in Lissabon, an der Ostsee oder auf Mallorca genieße ich Land, Leute, Kultur und das Essen - ich koche aber auch gern :)

Schreibe einen Kommentar