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Oldenburger mischen bei „Fifa“ die höchste Liga auf

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Letzter Spieltag. Alles läuft nach Plan für die Angry Bears. In der 78. Spielminute gehen sie in Führung. Doch drei Minuten vor Ende schießen die Jungs von Bang Theory den Ausgleich. Die Angry Bears werfen alles nach vorn, die Nachspielzeit bricht an. Und: der Ball zappelt im Netz. Alle Dämme brechen, die Freude ist grenzenlos. Der Aufstieg in die höchste deutsche Liga ist geschafft.

Fußball mal anders

Die Angry Bears – das sind derzeit vier Oldenburger, zwei Saarländer, zwei Badener,  ein Wuppertaler, ein Freiburger, ein Offenbacher, ein Düsseldorfer, ein Leipziger sowie ein Münsteraner, die die Fußball-Sportsimulation „Fifa“ im Internet am Computer spielen. Sie sind dabei in der „ProLeague“ – Deutschlands wichtigstes und mittlerweile einziges Ligasystem in der E-Sport-Szene – aktiv.

Hier spielen sie im Bereich „ProClub“ gegen andere Teams. Auf einem digitalen Spielfeld steuern elf reale Spieler ihr digitales Alter Ego. Jeder Spieler hat eine feste Position – so wie im Fußball.

Und wie sehr sich der digitale und der echte Fußball ähneln, wird klar, wenn man Alexander Söker alias „Socke“ zuhört. Der Mitbegründer der Angry Bears spielt in der Innenverteidigung. Neben der individuellen Klasse am Gamepad oder der Tastatur würden nämlich auch Taktik, Spielverständnis sowie mannschaftliche Geschlossenheit entscheiden, erklärt Alexander. Fußballerische Vorkenntnisse seien daher von Vorteil.

Alexander Söker (obere Reihe, Zweiter von rechts) zockt erfolgreich mit seinen Teamkollegen von den Angry Bears

Kein Wunder also, dass die Mehrheit des Teams selber Fußball spielt oder gespielt hat. „Auch die eigene Tagesform ist ein wichtiger Faktor. Wenn einer in der Mannschaft einen schlechten Tag erwischt hat, macht sich das bemerkbar“, sagt er. Zudem sind die Angry Bears gespickt von unterschiedlichen Charakteren. „Es gibt bei uns den stillen, den konzentrierten oder auch den emotionalen Spieler. Ich sehe mich persönlich als den emotionalen Leader“, sagt Alexander lachend.

Aber genau das mache die Faszination aus und käme dem realen Fußball sehr nah. In der E-Sport-Szene stehen ebenfalls Kameradschaft und der Wettkampf im Vordergrund. „Da steckt schon Ehrgeiz dahinter. Wir wollen Spaß haben, aber der Erfolg steht an erster Stelle“, sagt „Socke“. Da der Erfolg nicht von alleine an die Tür klopft, trainieren die Jungs – alle zwischen 21 und 36 Jahren – einmal in der Woche. Kommuniziert wird über Headset. „Es hat fast drei Monate gedauert, bis die Abstimmung in der Taktik gepasst hat“, erklärt Alexander.

2009 gegründet

Zwei Spieltage werden sonntags gespielt. Dazu wird unter der Woche in der Champions und Europa League gespielt. Eine Partie dauert zweimal sechs Minuten. Das Ligasystem ist in fünf Spielklassen á 16 Teams aufgeteilt. Neben drei Auf- und Abstiegsplätzen gibt es einen Relegationsplatz. In der ersten Liga qualifizieren sich die ersten Vier für die Champions-League. Dazu gibt es noch einige Startplätze in der Europa League. Einen Transfermarkt für Spieler gibt es auch. Doch Ablösesummen fließen keine.

Beim Trainingslager im Sauerland standen Spielanalysen, Taktik-Training und Team-Building auf dem Plan.

Die Angry Bears gründeten sich im September 2009. Der gebürtige Oldenburger Alexander und ein damaliger Klassenkamerad schlossen sich mit vier Saarländern zusammen. Zunächst wurde lediglich ein Online-Teamspiel auf Amateurebene gespielt. Mit dem wachsenden Interesse an „Fifa“ wurde „Socke“ schließlich zusammen mit dem Oldenburger Sascha „Streusalz“ Gebken im Zwei-gegen-Zwei-Bereich aktiv.

„Allerdings wurde schnell klar, dass wir uns im ,ProClub‘ engagieren möchten“, erklärt Alex. Ende 2015 stand dann eine schlagkräftige Truppe aus elf Leuten parat. Gestartet wurde in der dritten Liga der „ProLeague“, wo man im Mittelfeld landete. Mit einigen Zugängen wurde das Team stark verbessert. Es folgte schließlich der direkte Aufstieg in die zweite Liga – und nun in Liga eins. Die Angry Bears hatten vor der Saison auch noch ein Trainingslager im Sauerland absolviert. Dort standen Spielanalysen, Taktik-Training und Team-Building auf dem Plan. Das Saison-Ziel war klar: Klassenerhalt.

Und dieses Ziel haben sie erreicht:  In ihrer ersten Erstliga-Saison landeten die Angry Bears auf einem respektablen elften Platz. „Wir sind mit der Saison zufrieden. Wir haben unser Ziel, den Klassenerhalt, geschafft“, sagt Alexander, der es zusammen mit seinem Team – dank deutscher Erfolge im internationalen Geschäft-  sogar bis nach Europa geschafft hat.  „In der laufenden Saison wollen wir nun besser als Rang elf abschneiden und uns diesmal direkt für die Europa League qualifizieren.“

Großer asiatischer Markt

Wie viel Potenzial im E-Sport steckt, zeigt der asiatische Markt. „In China oder Japan gibt es eine Menge an Elite-Spielern, echte Profis, die ganze Arenen füllen“, erzählt Alexander. Ob das auch in Deutschland oder Europa möglich wäre? „Der E-Sport kann auch in unseren Gefilden mehr Beachtung finden. Das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.“ Mit einer offiziellen Vereinsgründung wollen die Angry Bears nun den Grundstein in Sachen Professionalität legen.

Niklas Benter

Ohne Sport geht's bei mir einfach nicht. Seit mehr als zwei Jahrzehnten schwing ich bereits den Hockeyschläger. Auch das Tennis-Racket ist seit frühster Kindheit mein Weggefährte. Egal ob Fußball-WM und EM, Olympia oder der Super Bowl: Ich verpasse keine Großveranstaltung. Sport ist meine Leidenschaft und wird mich hoffentlich noch lange begleiten.

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