Nordisch leben

Ballett ist nicht bloß etwas für Mädchen

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Ballett ist auch eine Sportart für Jungen. Das zeigen die Darsteller des Billy-Elliot-Musicals. Klar-nordisch-Autorin Anna Lisa Oehlmann besuchte sie in Liverpool bei einer Probe.Rasant wirbelt der zwölfjährige Emile Gooding durch die Luft. Er ist ganz konzentriert in seiner Rolle als Billy Elliot. Der Junge hält seine Körperspannung, während ihn sein Tanzpartner Luke Cinque-White schweben lässt. Emile hängt an einem fingerdicken Kunstfaser-Seil von der Decke des Liverpooler Empire Theaters. Er lächelt. „Ich liebe es zu fliegen“, sagt er. Und er liebt es zu tanzen. Und das tut er jeden Tag. Eine letzte Probe, bevor der Junge mit dem 50-köpfigen Ensemble am Abend in der Titelrolle des Billy Elliot Musicals zu sehen ist.

NWZ-Reportage: Der Billy-Elliot-Traum – Ballett als Beruf

Die Geschichte basiert auf dem Film „Billy Elliot – I will dance“ aus dem Jahr 2000.

Zu Besuch im Empire Theatre in Liverpool: Klarnordisch-Bloggerin Anna Lisa Oehlmann

Ballett statt Boxen

Die englische Originalproduktion mit deutschen Übertiteln erzählt die Geschichte des elfjährigen Billy Elliot. Billy wächst in einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater und sein Bruder beteiligen sich am Bergarbeiterstreik. Es ist das Jahr 1984. Billy soll zum Boxunterricht gehen, doch die im Anschluss stattfindenden Ballett-Stunden wecken sein Interesse. Seine Lehrerin erkennt sein Talent. Sein Vater verbietet es ihm, doch der Junge folgt seiner Leidenschaft heimlich weiter.

Wenn Emile zu tanzen beginnt, sind die Zuschauer fasziniert von der Leidenschaft und der Energie, die von dem kleinen Jungen ausgeht. Das verbindet ihn mit seiner Rolle. Von der familiären Situation her kann sich Emile nicht in Billy einfühlen: Dessen Vater unterstützt ihn gerade am Anfang nicht wirklich, und seine Mutter ist bereits gestorben. „Meine Mutter und mein Vater ermutigen mich zu tanzen“, erzählt der Zwölfjährige im NWZ-Interview.

Musik von Sir Elton John

Er sitzt auf einem Hocker in der Piano-Bar des Theaters und schaukelt mit den Füßen, während er alle Fragen beantwortet wie ein Profi. Der Junge stammt aus einem Ort etwa 60 Kilometer entfernt von London. Mit fünf Jahren begann er zu tanzen. Das ist jetzt sieben Jahre her. Dass Ballett für Mädchen ist, will er nicht hören. „Wenn es das ist, was du liebst, mach es einfach“.

Die Musik hat kein Geringerer als Sir Elton John geschrieben. Sie wird von einem neunköpfigen Orchester live gespielt. „Die Charaktere singen, wenn Sprechen nicht genug ist, um auszudrücken, was sie fühlen“, sagt der musikalische Leiter Patrick Hurley.

Große Emotionen

Das Musical lebt durch die jungen Darsteller, von großen Emotionen und großartigen Szenen. „Wenn ihr mich fragt, ist es das beste britische Musical überhaupt. Es geht darum, sein Zuhause zu verlassen, um Vater und Sohn und darum, anders zu sein. Ich denke, dass es jeder kennt, sich mal fehl am Platz zu fühlen“, sagt Produzent Jon Finn, der bereits den Film inszeniert hat. Die Choreografien bestechen durch ausdrucksstarke Bilder und eine Vielzahl von Tänzen.

Mehr als 100 Jungen haben die Rolle seit 2005 gespielt. In Hamburg werden Emile und einige der anderen drei Billy Elliot Darsteller ihre letzte Show in der Rolle geben. Dann will der junge Brite weiter tanzen. „Ich liebe tanzen, und ich würde hart trainieren an einer Tanzschule. Ich würde gern weiter viel tanzen und zum Broadway gehen“, sagt der Junge voller Überzeugung.

mit der Leidenschaft zum Schreiben geboren. Erste Geschichten in der Grundschule verfasst. Damit nicht reich geworden, also: Studium als Mastress in Deutsch und Europäische Ethnologie/Volkskunde abgeschlossen. Großes Interesse, den Leidenschaften der Menschen auf den Grund zu gehen (Porträt). Liebt es, sich in Themen reinzugraben (Reportage) und sich der Kultur zu widmen (Rezensionen).

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