Nordisch leben

Auf den Spuren virtueller Monster

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Ist der Hype um Pokémon-Go schon vorbei? Viele Spieler gehen immer noch auf die Jadg und bezwingen die Virtuellen Monster gemeinsam. Dabei sind die meisten keine Jugendlichen.

Sie sind Krankenpfleger, Studenten, Mediengestalter oder Tierärzte, nur eben mit einem ungewöhnlichen Hobby: Westersteder, die sich fast täglich treffen, um mit Smartphone und Powerbank bewaffnet, virtuelle Monster zu bezwingen – die Pokémon.

Was im Sommer 2016 als Spielehype begann und schnell abebbte, ist für sie noch immer eine Leidenschaft, auch wenn es um sie herum immer weniger Pokémon-Go-Spieler gibt. Überraschend an der Sache: Die aktiven Spieler, zumindest die in Westerstede, sind zum größten Teil keine Jugendlichen. Im Schnitt sind sie über 30. Nach der Arbeit treffen sie sich – als Ausgleich. „Der Älteste ist so um die 60“, erklärt Benni.

Bereits mehr als 4000 Kilometer gelaufen

Das Spiel basiert auf einer japanischen Serie, die Ender 1990er Jahre über die Bildschirme flackerte. Die Handlung? Ash und seine Freunde möchten in den jeweiligen Regionen zum Pokémon-Meister werden. Dafür Reisen Sie umher, auf der Suche nach neuen Monstern und größeren Herausforderung. Bei der Smartphone-Neuauflage schlüpfen Pokémon-Go-Spieler selber in die Rolle der Hauptcharaktere.

In einer Whatsapp-Gruppe sind sie organisiert. Der harte Kern besteht aus rund 20 Spielern und trifft sich fast jeden Tag, manchmal sogar mehrmals, zu sogenannten Raids. Beispielsweise an der Thalenweide oder der St.-Petri-Kirche treten die Spieler dann gemeinsam gegen besonders starke Pokémon an, um sie im besten Fall ihrer Sammlung hinzuzufügen. Das ultimative Ziel ist es, alle virtuellen Fantasiewesen zu fangen. „Ich habe schon 240 Pokémon, bin im 40. Level und nur für das Spiel schon über 4000 Kilometer gelaufen“, sagt Benni.

Übrigens: Im Spiel gibt es drei Teams. Blau, Gelb und Rot. Die meisten Westersteder Pokémon-Jäger seien im Team Blau. „Ich bin im Team Gelb, was hier schon eine Seltenheit ist. Aber das hält uns nicht davon ab, gemeinsam zu spielen“, sagt Alex. Sie versorgen sich gegenseitig mit Informationen und verabreden sich. Durch ihr ungewöhnliches Hobby haben sie neue Leute kennengelernt. Ein Zusammenhalt und ein echtes Team sind entstanden – wie könnte es auch anders sein, wenn man sich täglich sieht.

Auswertige Spieler werden sofort erkannt

Erst Anfang der Jahres ist Christian in die Region gezogen. „Durch Pokémon-Go habe ich schnell Anschluss gefunden und Westerstede erkundet“, sagt er. Das Team sieht auch andere Spieler – Touristen – immer wieder mit ihren Smart­phones durch die Stadt laufen. „So kann man eine Stadt nochmal auf eine ganz andere Weise kennenlernen und sieht Ecken, die einem ohne das Spiel nie auffallen würden“, weiß Alex.

Über einen Akku, der am Handy angestöpselt wird, erkennt man die auswärtigen Jäger. Denn mit einer solchen Powerbank ist fast jeder Spieler ausgestattet – damit der Smartphone-Akku länger hält. Da man sich untereinander gut kennt, fallen Touristen und Urlauber schnell auf ihrer Suche nach Fantasiewesen auf. „Sogar Rentner sind dabei, von denen man das nie erwarten würde“, erzählt Enrico. Durch ihren Neffen sei Sabine an das Spiel geraten: „Ich wollte gucken, was er macht und bin dabei geblieben.“ Beim Jagen der virtuellen Monster könnten sie abschalten. Man sei draußen in der freien Natur – auch wenn sie den Blick beständig auf den Bildschirm richteten. Für sie und ihre Mitstreiter ist klar: Sie werden in  weiterjagen, Pokémon für Pokémon und sich Level für Level weiter durch das Trendspiel kämpfen.

Chelsy Haß

Chelsy, nicht Chelsea oder Chelsey. 24 Jahre alte Volontärin der Nordwest-Zeitung mit ostfriesischem und (süd)amerikanischem Migrationshintergrund. Studiert habe ich im schönen Münster, und zwar Germanistik und Italienisch. Ansonsten bin ich ein Opfer meiner Generation - Stichwort Popculture und Smartphonesucht. Ich versuche aber der schleichenden Verdummung zu entkommen.

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