Nordisch gesehen

24. Fonsstock – 24 Menschen – 24 Meinungen

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Zum 24. Mal fand am Wochenende das Fonsstock in Nordenham statt. Das Punk-Festival begann als Mini-Event auf dem Garagendach – und lockte jetzt rund 2000 Besucher. Im kommenden Jahr wird das 25-jährige Jubiläum gefeiert, in diesem Jahr hat klarnordisch.de 24 Besucherinnen und Besucher interviewed. Was macht für sie das Fonsstock aus? Kann man auch ohne Paderborner leben? Diese und andere Fragen beantworten die jungen und älteren Gäste. Aber damit nicht genug, natürlich gibt es auch zahlreiche Fotos des Festivals!

Neu auf dem Fonsstock

Drei Nordenhamerinnen (von links: Kim, Davina und Aliya
Drei Nordenhamerinnen (von links: Kim, Davina und Aliya; Foto: Claus Hock)

Punk und Metalcore, darauf freute sich Kim (17) aus Nordenham am meisten. Für sie war es das zweite Fonsstock-Festival. „Das Geilste sind die Leute hier!“, ist sie sich sicher. Was zum Fonsstock auf jeden Fall dazu gehört? „Bier!“
Ihr Cousin spielt Schlagzeug bei „Keep me in your Prayers“, einer jungen Band aus Nordenham, die in diesem Jahr ihr Debüt auf dem Fonsstock gaben. Grund genug für Davina (18) ebenfalls zum ersten Mal zum Punkfestival zu gehen. „Ich wollte schon letztes Jahr, aber da war ich zu dem Zeitpunkt gerade im Ausland.“ Auch sie findet besonders die „coolen Leute“ gut. Nächstes Jahr wieder? „Auf jeden Fall!“
Die dritte im Bunde ist Aliya (17), wie die beiden anderen aus Nordenham. „Meine Freunde haben immer gesagt, dass es hier geil ist. Und sie hatten recht!“

Immer ohne Zelt

King Manu aus Elsfleth
King Manu aus Elsfleth (Foto: Claus Hock)

„Leider ist es nicht mein 24. Fonsstock“, bedauert King Manu (28), „aber das zehnte ist es bestimmt.“ Was der Elsflether zum Fonsstock sagt? „Es sind so viele Leute hier, die man wirklich nur einmal im Jahr auf diesem Festival trifft. Ich weiß nie, welche Bands spielen, aber es sind immer wirklich gute Bands dabei. Der Witz ist, dass ich hier immer ohne Zelt und so weiter ankomme. Aber irgendwie findet sich das immer, das ist auch typisch Fonsstock.“ So erfahren King Manu in Bezug auf das Fonsstock ist, so untypisch ist eine Sache: Paderborner kommt bei ihm nicht auf den Tisch. „Ich trinke nicht“, sagt der Elsflether und muss lachen.

Fonsstock 2018: Drei Meter Feldweg, Damnian

 

Tanzen, tanzen, tanzen

Ehmi aus Stollhammer Wisch
Ehmi aus Stollhammer Wisch (Foto: Claus Hock)

Für Ehmi (17) aus Stollhammer Wisch ist die Sache klar: „Das Fonsstock überlebt man am besten, wenn man die Musik mag, Bier trinkt und vor allem tanzt, tanzt, tanzt.“ Die junge Wesermärschlerin ist zum dritten mal auf dem Festival am Weserstrand. Obwohl sie gerne Punk hört, ist sie nicht wegen einer speziellen Band da. Was ihr besonders gefällt. „Die Leute, die sind immer richtig gut drauf! Und die Musik mag ich natürlich auch.“

Mit 55 das erste Mal auf dem Fonsstock

Klaus (55) aus Bremen (Foto: Claus Hock)

Eine Premiere war das 24. Fonsstock für Klaus (55) aus Bremen. „Ich wollte die letzten Jahre schon immer hier hin, weil ich schon viel über das Fonsstock gehört habe. Aber irgendwie hat sich das nie ergeben“, sagt er.  Dieses Jahr hat es endlich geklappt. Der erste Eindruck? „Hier reden die Leute noch miteinander, man lernt ständig jemanden kennen, es gibt keine großartigen Regeln, alles und alle sind entspannt. Wirklich gut.“

Das Fonsstock-Urgestein

Fonsstock-Urgesteine. „Prost!“ (Foto: Claus Hock)

„Zusammen haben wir mindestens 300 Jahre Fonsstock-Erfahrung“, sagt einer aus der Gruppe. „Wenn nicht noch mehr!“, ruft ein anderer. Namentlich genannt wollen die Urgesteine nicht, aber ihre Erfahrungen tun sie trotzdem kund: „Das Wetter ist immer gut beim Fonsstock. Das ist wichtig!“ – „Ohne Chili-Kalle geht es nicht!“ – „Die Bierpreise sind moderat, schreib das so, moderat!“ – „Was das Fonsstock ausmacht? Hier darf man einfach sein, wie man ist!“ In diesem Sinne: Prost!

Mit dem Fonsstock Geburtstag

Alexandra (23) aus Brake (Foto: Claus Hock)

„Ich hab immer in Höhe des Fonsstocks Geburtstag“, freut sich Alexandra (23) aus Brake. Das macht vielleicht auch die besondere Verbindung zum Nordenhamer Festival aus: „Ich liebe das Fonsstock einfach. Ich gehe auch auf andere Festivals, aber auf das Fons freue ich mich immer am meisten. Hier trifft man immer so viele Freunde, lernt aber auch ständig neue Menschen kennen. Wie Christoph, den kenne ich erst seit gestern.“ Alexandra ist sich sicher, dass die Begeisterung für das Fons noch lange halten wird – vielleicht feiern sie ja auch den 30., 40. oder sogar 50. Geburtstag zusammen.

Der Christoph

Christoph (29) (Foto: Claus Hock)

Und was sagt der Christoph (29), den Alexandra seit dem Fonsstock-Freitag zu ihren neuen Festival-Freunden zählen kann, zum Punkrock-Wochenende? „Das Geilste ist definitiv der Shantychor Nordenham! Aber auch der Campingplatz und die Party, die da steigt gehört unbedingt zum Fonsstock!“ Der Nordenhamer muss es wissen, immerhin ist es sein „achtes oder neuntes Fonsstock“.  Und weiter? „Das Bier schmeckt gut, die Stimmung ist familiär und die Bands sind immer gut. Deswegen versuche ich auch, jedes Jahr zum Festival zu kommen.“

Fonsstock 2018: Festival-Impressionen am Freitag

Vor der Bühne und auf der Bühne

Chrischan (47), Sänger der Band Bitume (Foto: Claus Hock)

2017 stand er mit seiner Band Bitume zum wiederholten Male auf der Fonsstock-Bühne, dieses Jahr genießt er das Festival als Gast: Chrischan (47) aus Oldenburg. „Ich bin das 23. Mal hier, ein Fonsstock habe ich mal verpasst“, sagt der Oldenburger. Mit dem Festival verbindet er viele, viele Erinnerungen. „Ich habe damals noch mit den Hush Puppies hier gespielt, mehrfach mit Bitume. Wir haben sogar auf der ersten Fons-Parade gespielt und auch auf der letzten. Für mich ist das hier wie das eigene Zuhause.“ Ganz wichtig sei auch die Atmosphäre auf dem Festival – und auch hier wieder die Menschen, sowohl auf als auch vor und hinter der Bühne.

Palettenweise Bier

Regina (46), Helferin auf dem Fonsstock (Foto: Claus Hock)

Apropos Menschen hinter der Bühne: Was wäre das Fonsstock ohne all die vielen Helferinnen und Helfer? Eine davon ist Regina (46) aus Nordenham. „Ich muss schätzen, wie lange ich hier schon helfe. Zehn jahre vielleicht?“, sagt sie während ihrer Schicht im Bierwagen. Warum sie dem Fonsstock treu bleibt? „Die familiäre Atnmosphäre, das ist einfach so. Ich freue mich jedes Jahr darauf, die ganzen Fonsstocker wiederzusehen.“ Wie viele Dosen Paderborner sie pro Schicht ausgibt? „Das ist schwer zu sagen. Eine Palette vielleicht?“ Wenn es nach Regina geht, dann muss das Punkfestival für das Jubiläum im kommenden Jahr nur eine Sache erfüllen: „Dass einfach alles so wie immer ist.“

Fonsstock 2018: Offenders und Teenage Bottlerocket

Auf einer Party vom Fonsstock gehört

Steffy (43) aus Bad Oyenhausen
Steffy (43) aus Bad Oyenhausen

Eigentlich ist Steffy (43) aus Bad Oeynhausen auf anderen Festivals unterwegs. Auf einer Party hörte sie aber vom Fonsstock und entschied sich: „Da fahr ich mal hin.“ Und der erste Besuch hat sie gleich überzeugt: „Ich finde es cool hier. Die Leute sind total locker drauf und es gibt auch erstaunlich viele in meinem Alter. Jetzt am Samstagnachmittag sind auch einige Eltern mit ihren Kindern hier, das kenne ich von anderen Festivals. Das ist toll, dass das hier so möglich ist.“

Einfach man selbst sein

Hannes (von links), Sophia und Pascal aus Nordenham besuchten zusammen da Fonsstock.
Hannes (von links), Sophia und Pascal aus Nordenham besuchten zusammen da Fonsstock.

„Hier kannst du einfach sein wie du willst und bist“, freut sich Hannes (23) aus Nordenham. 2015 hat er das erste Mal das Fonsstock besucht und ist dem Festival seitdem kein einziges Mal fern geblieben. „Man muss sich hier nicht verstellen, die Musik ist toll und auch ganz wichtig: Egal wie es in der Mosh-Pit zugeht, sobald jemand fällt, wird ihm geholfen. Das ist schon sehr sozial und wirklich gut.“
Auch für Sophia (16), die das dritte Mal auf dem Fonsstock ist, ist die Lockerheit ein Hauptgrund, warum sie das Festival mag. „Die Menschen hier sind einfach offen, das gefällt mir sehr.“ Und obwohl sie normalerweise eher Death- und Blackmetal hört, einmal im Jahr eine ordentliche Portion Punk und Ska auf die Ohren muss sein.
Zeitgleich mit Hannes ist auch Pascal (23) mit dem Fonsstock-Virus infiziert worden. Die soziale und ehrliche Ader der Festivalbesucher kann er am Samstag nur bestätigen. „Ich hab am Freitag mein Portemonnaie verloren. Am nächsten Tag war es wieder da, jemand hat es an der Bude abgegeben. Es war alles noch drin!“ Auch sonst fühlt er sich auf dem Festival „richtig heimisch“.

Fonsstock 2018: Impressionen vom Samstag

Traum erfüllt

Stand zum ersten Mal auf der Fonsstock-Bühne: Til (17)
Stand zum ersten Mal auf der Fonsstock-Bühne: Til (17)

Am Freitag stand er mit seiner Band „Keep me in your Prayers“ als Opener auf der Fonsstock-Bühne, am Samstag feiert er mit den anderen 2000 Besuchern mit. Til (17), Sänger besagter Nachwuchsband, ist mit elf Jahren das erste Mal auf dem Fonsstock gewesen. „Ich mochte damals Punk und wollte unbedingt auf’s Fons“, sagt er. Also organisierte er sich einen Erwachsenen, der ihn begleitet. Seitdem ist er jedes Jahr wiedergekommen, bislang aber nur als Besucher. „Seitdem ich Musik mache, war es immer mein Wunsch, auch auf dem Fonsstock zu spielen“, gesteht er. Und wie war es? „Einfach perfekt!“

Geile Laune, coole Mucke

Nadine (40) aus Beverstedt

Besonders auf Teenage Bottlerocket freut sich Nadine (40) aus Beverstedt. „Weil die einfach geil sind.“ Zum zweiten Mal ist sie auf dem Fonsstock und genießt einfach die familiäre Atmosphäre, die gute Laune, die überall herrscht und die „coole Mucke“. Auch im kommenden Jahr will sie auf jeden Fall wiederkommen. Wenn sie einen Wunsch für den Headliner frei hätte: „Dritte Wahl, die Punkband aus Rostock!“

Fonsstock 2018: Bands am Samstagnachmittag

Am Samstag traten auf: Fuser (Oldenburg), De Schkandalmokers (Oldenburg), Shantychor Nordenham, The Friday Prophets (Stockholm), Sewer Rats (Köln) und Skin of Tears (Wermelskirchen)

 

Noch nie ein Griff ins Klo

Nils und Anja
Nils und Anja

„Wir sind zum fünften Mal hier“, sagen Nils (35) und Anja (38). Der Rodenkirchener und die Brakerin sind auch der Meinung, dass das Fonsstock „wie ein Familientreffen ist“. Aber noch viel wichtiger, die Musik: „Wir haben bei den Bands noch nie so richtig ins Klo gegriffen“, sagt Anja. Im Gegenteil: „Wir haben wirklich viele sehr gute Bands hier kennengelernt.“ Und auch das mit der Verpflegung klappt: „Das Paderborner schmeckt nirgends so gut wie auf dem Fonsstock“, ist sich Nils sicher.  Ein weiterer Vorteil: „Das Festival ist ja gleich um die Ecke. Das macht vieles einfacher.“

Vater und Sohn

Dennis (39) mit seinem Sohn Mattis (4)
Dennis (39) mit seinem Sohn Mattis (4)

Dass das Fonsstock am Samstagnachmittag auch von vielen Familien besucht wird, das wissen alle, die schon mal da waren. Der Grund ist häufig, dass die Eltern früher zum Fonsstock gegangen sind, darauf nicht verzichten wollen und nun ihre Kinder mitbringen. Wenn die Bands spielen, bekommen die Jüngsten ordentlichen Ohrenschutz verpasst.
Einer dieser Väter, der sein Kind mitnimmt, ist Dennis (39) aus Nordenham. „Seit 1999 habe ich kein Fonsstock verpasst“, erzählt er. „Wie man sieht, ist es hier so familiär und friedlich, dass ich meinen Sohn Mattis mitnehmen kann“, sagt Dennis, während der Vierjährige um ihn herum tollt. „Aber ich muss gestehen, dass ich die Fons-Parade etwas vermisse. Das war immer nett. Aber die ganzen Chaoten von früher sieht man trotzdem jedes Jahr wieder, das ist das Besondere hier.“ Und wie gefällt Mattis sein immerhin schon zweites Fonsstock? „Gut.“

Fonsstock 2018: Bands am Samstagabend

Nur am Samstag da

Andreas (54) aus Großenkneten
Andreas (54) aus Großenkneten

Zwar ist Andreas (54) gebürtig aus Nordenham, aber trotzdem hat er es erst in diesem Jahr zum Fonsstock geschafft. „Hat sich vorher irgendwie nie ergeben“, sagt der Großenknetener. „Ich höre viel Punk und Ska, aber auch Klassik“, erzählt er. Das Fonsstock genießt er, nicht nur wegen der Musik. „Es ist nett und familiär hier. Und vor allem: unkompliziert.“ Ein besonderes Highlight bei den Bands hat er nicht, „die werden schon gut sein“. Für das Jubiläum 2019 wünscht er den Fonsstockern einen besonderen Kracher als Headliner. „Rage Against the Machine“ wären doch großartig, Aber ich glaube, das wird schwierig“, gesteht er ein und muss lachen.

Claus Arne Hock

Jahrgang 1982; Journalist mit Migränehintergrund; Die Kanzlerin hat mir nie ihr Vertrauen ausgesprochen; Volontär in der Presseagentur GanterMedia (Ganderkesee); Musikbegeisterter Film- und Comicfan.

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