Nordisch leben

Zwischen Getränkekisten und harten Bässen

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Mit Anfang 20 selbstständig zu sein und seine Träume verwirklichen zu können, das kann nicht jeder von sich behaupten – der 22-jährige Thomas Lokietz aus Wittmund (Ostfriesland) schon. Seit Mitte Dezember leitet er einen „Hol‘ ab“-Getränkemarkt, arbeitet seitdem bis zu 90 Stunden die Woche. Noch beeindruckender: Thomas ist einer der jüngsten Franchisenehmer Deutschlands. „Das ist ganz schön aufregend und auch ein wenig Angst einflößend, gleichzeitig aber auch eine riesige Chance für mich, die ich gerne nutze“, sagt er.
Als wenn das noch nicht alles gewesen wäre: Thomas ist auch Hardstyle-Produzent – und das mit Erfolg.

Thomas Lokietz
Thomas Lokietz leitet einen Getränkemarkt in Wittmund und ist einer der jüngsten Franchisenehmer Deutschlands.

„Damit habe ich angefangen, als ich 13 Jahre alt war. Damals wollte ich unbedingt Hardstyle produzieren“, erklärt er. Zur Info: Hardstyle ist ein Subgenre der elektronischen Musik und würde mit seinen im Schnitt 150 bpm vermutlich bei vielen Menschen Kopfschmerzen auslösen. Nicht so bei Thomas und Tausenden anderen, die auf Festivals oder in Clubs zu dieser Musik springen und sich mitreißen lassen. „Hardstyle ist unglaublich melodisch und emotional, aber gleichzeitig auch aggressiv und hart, wie es der Name schon sagt“, weiß Thomas. Das musikalische Herumprobieren zahlte sich bald aus. 2014 gründete er mit seinem Freund Matthias Breu, auch Maddix genannt, das Produzentenduo „Heavy Youngsters“.

Alles entsteht in eigener Regie

„Über die Musik haben wir uns kennengelernt und hatten dann bis 2017 ein Management“, sagt der 24-jährige Maddix. Gelernt haben sie in dieser Zeit viel und auch ihre eigene Linie gefunden. Mittlerweile sind sie wieder eigenständig unter dem Pseudonym „Resensed“ unterwegs und kümmern sich um alles, was so anfällt. Zu finden ist das Duo übrigens auch bei Facebook, Instagram und bei Soundcloud.

In den letzten Jahren traten sie in zahlreichen Discos im norddeutschen Raum und bei Veranstaltungen wie „Tante Mia Tanzt“ in Vechta auf. Einen Artikel von Klarnordisch zum „Tante Mia Tanzt 2017“ findet Ihr hier, die Vorschau auf „Tante Mia Tanzt 2018“ findet ihr hier. „Wir haben Idole kennengelernt und uns einen Namen gemacht, es ist unglaublich zu sehen, dass sich die Arbeit auszahlt“, weiß Maddix. Auch in diesem Jahr treten die beiden wieder am 10. Mai beim Festival in Vechta auf und stehen mit einigen ihrer Vorbilder auf der Bühne. (Ab 12 Uhr ist das Duo auf der „Tante-Mia’s-Bassküche“-Bühne zu sehen.)

Resensed auf der Bühne
In ihrem Element: An den Turntables fühlen sich Maddix (links) und Thomas wohl.

Übrigens, die Bezeichnung Produzent kommt nicht von ungefähr. „Es gibt DJs, die ihre Musik sozusagen von Ghostwritern machen lassen und die Songs dann unter ihrem Namen spielen. Das wollten wir aber absolut nicht. Wir machen alles selber. Von der Melodie, über den Kick, bis hin zum Gesang. So ein Sound Design kann komplexer sein, als man glaubt“, erklärt Thomas. Während Maddix sich bei Auftritten um nahtlose Übergänge und einen einwandfreien Klang kümmert, ist Thomas meist der Entertainer und heizt dem Publikum ein. „Man muss sich verkaufen können und auch ein bisschen Selbstbewusstsein ausstrahlen. Wenn etwas nicht so klappt wie geplant, dann merken die Leute das schnell“, sagt Maddix. Sie leben für die Musik und wollen am liebsten nichts anderes machen, da sind sich beide einig.

Im Studio
In ihrem eigenen kleinen Studio bauen die Produzenten an ihrer Musik.

Vom Auszubildenden zum Franchisenehmer

Realistisch bleibt das Duo trotzdem. „Wir sind ja nicht blöd. Rechnungen müssen bezahlt werden, man muss über die Runden kommen. Mit der Musik ist das zurzeit noch nicht möglich“, sagt Maddix, der gelernter Fleischereifachverkäufer ist. Beruflich muss Thomas sich noch größeren Verantwortungen stellen. „Seit Dezember 2017 habe ich einen ,Sieben-Tage-Job‘ und komme nur noch selten zur Ruhe. Vor allem weil Maddix und ich jede freie Minute im Studio verbringen“, sagt der 22-Jährige. Er ist gelernter Kaufmann im Einzelhandel und seit der Übernahme des Getränkefachmarktes selbstständig. „Vier Monate vor Ende meiner Ausbildung erklärte mein Chef mir, dass er den Laden abgeben wollte. Als Nachfolger hat er sich mich gewünscht“, sagt Thomas.

Die alten Ladenräume seien in einem schlechten Zustand gewesen. „Es ist irgendwie an allen Ecken undicht und es war alles extrem schmuddelig.“ Einige Tage und Nächte brauchten er und eine Handvoll Helfer, um alles auf Vordermann zu bringen. Gemeinsam wurde geschrubbt und umgestellt, um das Beste aus dem Markt rauszuholen. Doch am nervenaufreibendsten waren wohl die Investitionen, die getätigt werden mussten. „Als Franchisenehmer musste ich das komplette Inventar von ,Hol‘ ab‘ abkaufen. Alles, was du hier siehst, gehört mir. Ich habe aber das große Glück, dass ich von allen Seiten und ganz besonders von meiner Familie unterstützt wurde“, sagt der junge Wittmunder. 10.000 Getränkesorten nennt er jetzt sein Eigen.

Und wie läuft es? „Ehrlich gesagt echt gut. Bisher bin ich immer Plus gefahren und versuche natürlich auch das jüngere Klientel anzusprechen“, sagtThomas. Seine Freundin Tanja greift ihm dabei tatkräftig unter die Arme. Sie schulte sogar um, damit sie helfen konnte. „Es ist eine extreme Buckelei, aber ich bin total glücklich so viel erreicht zu haben und auch positive Resonanz zu bekommen“, sagt Thomas.

Traum vom doppelten Erfolg

Auf seiner „Erfolgsschiene“ möchte Thomas natürlich bleiben. Erfolgreicher Franchisenehmer und bekannter Musikproduzent, das wäre der ultimative Traum.  „Bisher ist die Musik ein Ausgleich zur Arbeit und ein Hobby, mit dem wir ein bisschen Geld verdienen können. Aber wir wollen mehr“, sagt Thomas. Ziel der beiden ist es, den Namen „Resensed“ bekannter zu machen und mit größeren Persönlichkeiten der Branche zu arbeiten. „Für uns ist klar, dass wir bei der Musik bleiben werden und ich glaube ganz fest daran, dass sich dieser Ehrgeiz irgendwann auszahlt“, ist sich Maddix sicher.

Chelsy Haß

Chelsy, nicht Chelsea oder Chelsey. 24 Jahre alte Volontärin der Nordwest-Zeitung mit ostfriesischem und (süd)amerikanischem Migrationshintergrund. Studiert habe ich im schönen Münster, und zwar Germanistik und Italienisch. Ansonsten bin ich ein Opfer meiner Generation - Stichwort Popculture und Smartphonesucht. Ich versuche aber der schleichenden Verdummung zu entkommen.

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