Nordisch unterwegs

Wenn die Crowd mitbestimmt: Journalismus von Crowdspondent

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Alles fing mit der Frage an: Wie hat sich Brasilien vor der Fußball-WM verändert? 2013 war es, als Lisa Altmeier und Steffi Fetz erstmals als „Crowdspondent“ durch die Welt reisten. Seitdem waren sie auch in Griechenland, Japan und auch in Deutschland unterwegs. Auf der Re:publica 2018 hatten wir die Gelegenheit, kurz mit Lisa Altmeier (@weltanschauer) zu sprechen. Das Interview führte Mareike Wübben.

Das, nicht nur für uns, besonders Spannende an Crowdspondent, ist die Finanzierung und die Themengenerierung über die Crowd. Die Videoreportagen, von denen die beiden Journalistinnen pro Jahr eine, aufgeteilt auf mehrere Videos machen, werden über Spenden finanziert. Manches vom Material können beide dann auch an größere Verlage oder Medienhäuser verkaufen, so dass eine zusätzliche Einnahmequelle entsteht.  Für die Umsetzung nehmen sich beide frei, denn Crowdspondent ist ein Projekt neben dem journalistischen Hauptberuf. „Durch das Crowdfunding und die anderen Einnahmequellen können wir dann die zwei Monate pro Projekt leben und alles finanzieren“, sagte Lisa Altmeier auf der Re:publica.

Kontakte aus der Crowd

Diese Art des Journalismus‘ scheint anzukommen. Die Zahl der freiwillig zahlenden Unterstützer nimmt stetig zu. Diese Follower und Fans sind aber nicht nur für die Finanzierung wichtig, auch für Themen und Kontakte greifen Lisa Altmeier und Steffi Fetz auf diese Basis zurück. So ist beispielsweise auf Spiegel Online über Crowdspondent zu lesen:

Altmeier und Fetz bekommen von ihren Lesern und Zuschauern auch Kontakte vermittelt, die überhaupt erst die Geschichte ausmachen. Jüngst etwa zu einer Borderline-Patientin, die über ihr Leben erzählt.

Und mit dieser Vorgehensweise sind beide schon im sechsten Jahr erfolgreich, obgleich im selben Artikel steht: „Es ist kein Konzept, das den Journalismus revolutionieren wird. Ihre Videos schauen ein paar Hundert Leute. Es ist nur das Glück der Nische. Aber es ist Glück.“

Vom Abo zur Crowd

Revolution im Journalismus? Davon war auf der Re:publica ab und an die Rede. Was Crowdspondent macht, ist aber eigentlich das genaue Gegenteil: Es ist eine Rückkehr zu den Wurzeln des Journalismus. Denn, was heute Crowd ist, waren früher die AbonnentInnen, was heute Online-NutzerInnen sind, waren früher die LeserbriefschreiberInnen. Dazu schreiben Lisa Altmeier und Steffi Fetz:

Ihr, also unsere Leser und Zuschauer, schickt uns Rechercheideen, wir setzen das Ganze um. Wir sind die Korrespondenten der Crowd und heißen deshalb Crowdspondent. Wir sind eure persönlichen Reporter.

Dieses einfache Vorgehen, kombiniert mit der guten Umsetzung, brachte den beiden nicht nur ein Stipendium für die erste Staffel ein, sondern unter anderem auch eine Nominierung für den Grimme-Online-Award.

Der letzte Satz

Wir sind außerdem der Meinung, dass junge Journalisten mehr Mut zum Ausprobieren haben müssen – und wo kann man sich besser austoben als im Netz?

Claus Arne Hock

Jahrgang 1982; Journalist mit Migränehintergrund; Die Kanzlerin hat mir nie ihr Vertrauen ausgesprochen; Volontär in der Presseagentur GanterMedia (Ganderkesee); Musikbegeisterter Film- und Comicfan.

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