Nordisch gesehen

Watt en Schlick 2018: Das sagen Besucher, Helfer und Organsiatoren zum „Prozess-Festival der Herzen am Strand“

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„Das ist kein Event-Festival, sondern ein Prozess-Festival: Es entwickelt sich ständig weiter. Alle Generationen und möglichst viele soziale Schichten sollen hier zusammenkommen und sich austauschen. Es geht hier darum, in einer Utopie zu leben. Und dieser Ort ist ein utopischer Ort. Dazu kommt noch die Musik. Die soll provozieren und Dissonanzen schaffen. Man braucht positive Dissonanzen. Dadurch kommen Menschen zusammen und diskutieren. Hier steckt so viel Leidenschaft drin. Die Leute sollen hier rauskommen und etwas mitnehmen. Das würde ich mir wünschen, und ich habe das Gefühl, das kommt auch an.“ Diese Worte stammen von Till Krägeloh, Leiter des Watt en Schlick Fests, das am vergangenen Wochenende zum fünften Mal in Dangast stattgefunden hat. Fast ein Jahr, nachdem das Watt en Schlick zum besten Festival Deutschlands gekürt wurde, haben wir bei Besuchern, Helfern, und Mitorganisatoren nachgefragt, was das kleine, aber feine Festival für sie besonders macht.

Die Helfer Samyar und Neele

Samyar und Neele (Bild: Nathalie Meng)

Samyar Homayouni und Neele Baltruschat, beide aus Varel, haben gerade Abi gemacht und unterstützten die Watt-en-Schlick-Crew als Parkplatzeinweiser.

Das sagt Neele:

Wir arbeiten den Sommer über beim Kurhaus Dangast. Dort hat man uns gefragt, ob wir Bock hätten, beim Watt en Schlick zu helfen. Und ich hab gesagt: „Klar, auf jeden Fall!“ Es ist spannend, auf dem Festival zu arbeiten, auch wenn man nicht die ganze Zeit direkt am Geschehen ist. Das Besondere am Watt en Schlick ist die Lage, weil es am Strand stattfindet und der  Ort selbst, weil man so etwas hier in Dangast nicht erwartet. Viele Leute kommen hierher und wissen gar nicht, was im Dorf los ist. Und dann sind sie neugierig und schauen sich das mal an.

Das sagt Samyar:

Auf keinen Fall sollte das Watt en Schlick größer werden, sondern genauso groß bleiben. Das Familiäre macht das Festival ja auch aus. Ich war schon auf größeren Festivals, und da merkt man schon den Unterschied. Als Teil der Crew spürt man den familiären Ursprung des Organisationsteams. Das Fest ist ja entstanden aus der Initiative von Leuten, die sich gut kannten, fast wie in einer Familie. Hier kennen sich alle und man fühlt sich wohl. Wenn man mit den Mitarbeitern redet, sind sie alle sehr nett. Das ist schön. Ich kenne Till, den Leiter sehr gut, und obwohl er auf dem Fest viel zu tun hat, ist er immer super freundlich. Falls ich nächstes Jahr noch in Varel wohne, möchte ich auf jeden Fall wieder dabei sein – dann allerdings nur auf dem Fest, ohne zu arbeiten.

Im Info-Bus: Hannah und Imke

Hannah und Imke (Bild: Nathalie Meng)

Hannah Walter aus Bremen und Imke de Vries aus Oldenburg gehörten beim Watt en Schlick 2018 auch zur Helfer-Crew. Beim Info-Bus auf dem Weg zum Festivalgelände konnten sich Besucher unter anderem mit Wasser, Deo, Tampons und Kondomen eindecken.

Das sagt Hannah:

Auf keinen Fall zu unterschätzen ist die Location. Außerdem merkt man, dass die Festivalleitung ihre Mitarbeiter gut rekrutiert hat. Ich bin zum ersten Mal auf dem Watt en Schlick. Als ich mich als Helferin beworben habe, dachte ich mir, es kann eigentlich  nur schön werden und im schlimmsten Fall wird es halt ein Strandurlaub. Aber es hat sich bestätigt: Es ist ein sehr schönes Festival und das Helfer-Team ist toll. Wir kannten uns zuvor gar nicht, aber es hat sich sofort angefühlt wie eine Familie. Auch das Crew-Camp ist super. So schön habe ich noch nie auf einem Festival gecampt. Was ich sehr cool finde, ist, dass man als Helferin super mit den Leuten ins  Gespräch kommt. Ich möchte auf jeden Fall wiederkommen.

Das sagt Imke:

Das Festival ist für mich besonders, weil es total bunt gemischt ist. Hier erlebt man, wie unterschiedlich Menschen sein können und dass sie trotzdem miteinander klarkommen. Das ist gelebte Vielfalt, gelebte Inklusion! Den Preis als bestes Festival hat das Watt en Schlick auf jeden Fall verdient. Die Festivalleitung ist sehr wertschätzend ihren Mitarbeitern gegenüber.  Wiederzukommen ist mein fester Plan, auf jeden Fall auch wieder als Helferin, weil ich da hinter die Kulissen gucken kann. So bin ich näher dran.

Extra wieder in die Heimat gekommen: Merle und Antje

Merle und Antje (Bild: Nathalie Meng)

Merle Neumann und Antje Wilke kommen ursprünglich aus Varel. Antje wohnt derzeit im norwegischen Bergen, Merle pendelt derzeit zwischen Wismar und Hamburg. Fürs Watt en Schlick kommen sie regelmäßig zurück in die Heimat.

Das sagt Merle:

Der Strand und der Heimatbezug mach das Watt en Schlick für uns natürlich zu etwas Besonderem. Auch, dass viele Familien mit Kindern hierher kommen, finde ich schön. Man kommt nicht nur wegen der Musik auf dieses Festival. Oft kennt man die Künstler im Programm vorab gar nicht. Ich guck schon, wer kommt, aber wenn ich keine Band kenne, buche ich trotzdem ein Ticket. Für nächstes Jahr werde ich auf jeden Fall gleich in den kommenden Tagen wieder eines kaufen.

Das sagt Antje:

Nach Hause zu kommen und so was Cooles hier zu bekommen, ist schon außergewöhnlich. Etwas Vergleichbares gibt’s nicht in der Region. Ich glaube, was für das Festival spricht, ist, dass viele Künstler auch immer wieder kommen. Ich entdecke hier auch jedes Mal viele neue Bands, die ich dann in mein Repertoire aufnehmen kann.

Kunst für den täglichen Missbrauch: Muck und Kalle

Muck und Kalle (Bild: Nathalie Meng)

Die beiden Künstler Kalle und Muck waren mit ihrem Künstlerwaggon, der sonst vor dem Kurhaus Dangast steht, beim Watt en Schlick. Sie verkauften „Kunst für den täglichen Missbrauch“ und wollten dabei nur versuchen, „den Menschen die Kunst nahezubringen und gleichzeitig ad absurdum zu führen“.

Das sagt Muck:

Das Festival hier ist Dangast. Das ist das Kurhaus. Das hat die Leute vom Kurhaus immer ausgezeichnet: Mach, was du willst, solange du keinen damit verletzt. Dieser liberale Geist ist es auch, was das Festival ausmacht. Und diese Vielfalt der Musik und der vielen zusätzlichen Veranstaltungen – das finde ich spannend.

Das sagt Kalle:

Für mich es es das Zwischenmenschliche. Ich war schon ein paar Mal dabei und habe beim Aufbau geholfen. Man freut sich jedes Mal, wenn man sich ein Jahr später wieder trifft. Ohne die freiwilligen Helfer würde das nicht mehr gehen. Da wirst du aber auch gut behandelt. Es ist ein Geben und Nehmen.

Vater und Tochter: Christian und Mieke

Christian und Mieke (Bild: Nathalie Meng)

Christian Schmitz und die dreijährige Mieke aus Oldenburg waren zum zweiten Mal beim Watt en Schlick. Letztes Jahr mussten die schon gebuchten Tickets wieder verkauft werden, weil Mieke ein Brüderchen bekommen hat.

Das sagt Christian:

Das Beste am Watt en Schlick ist natürlich die Kulisse am Strand. Das ist ganz klasse. Schön ist, dass hier so viel unterschiedliche Musik geboten wird und dass das Publikum so bunt gemischt ist. Vom Baby bis zum Rentner ist hier alles dabei. Für uns ist auch toll, dass so viel für die Kleinen geboten wird. Das Festival sollte definitiv so klein und familiär bleiben.

Der enge Freund: Phil

Phil (Bild: Nathalie Meng)

Phil Küpperbusch gehört als enger Freund von Festival-Leiter Till Krägeloh zum Organisationsteam des Watt en Schlick. Er betreut die Social-Media-Kanäle des Festivals.

Das sagt Phil:

Die Idee des Festivals ist, dass alle Menschen, die hier herkommen, aktiv Dinge entdecken, die sie in ihrem Alltag nicht entdeckt hätten. Anfangs waren das vor allem Leute aus der Region, mittlerweile aber auch Menschen, die von weiter weg anreisen. Das Schöne dabei ist, dass Leute aus der Nähe, die mit dem Festival und den Künstlern hier nie in Berührung gekommen wären, auf alternative Leute aus anderen Regionen treffen und hier auch Diskussionen angestoßen werden. Das ist die Motivation für mich hier mitzumachen. Das Watt en Schlick soll etwas bewegen. Ich glaube, die Künstler kommen gerne hierher. Man merkt das zum Beispiel an Projekten und Kollaborationen zwischen Künstlern auf dem Festival, die sonst nicht zustande kommen würden. Ein nicht unwesentlicher Fakt ist natürlich die Lage: Wenn du hier am Strand stehst, ist das einfach wunderschön. Die blaue Stunde am Meer hat seit Generationen Künstler angezogen.

Die Schwetsern Anna Lisa und Henrike

Henrike und Anna Lisa (Bild: Nathalie Meng)

Anna Lisa und Henrike Voß sind Schwestern. Sie stammen ursprünglich aus der Nähe von Kiel.  Anna Lisa wohnt jetzt in Berlin, Henrike in Heidelberg.

Das sagt Henrike:

Ich bin zum zweiten Mal hier. Das Meer und die Atmosphäre machen das Festival für mich zu etwas ganz Besonderem. Und die Menschen: Hier sind Junge und Alt vertreten. Gleich nächste Woche müssen wir uns unbedingt wieder ein Ticket für nächstes Jahr besorgen.

Das sagt Anna Lisa:

Ich mag das Watt en Schlick, weil es hier nicht so voll ist. Und dass es in Norddeutschland stattfindet. Wir vermissen den Norden manchmal. Außerdem konnten wir uns hier mit unseren Eltern treffen. Die sind nämlich auch auf dem Festival.

Die Grafikerinnen: Luisa und Yoni

Luisa und Yoni (Bild: Nathalie Meng)

Luisa Redenbacher und Yoni Bakker sind Grafikerinnen aus Groningen. Sie sind öfters auf Festivals und fertigen dort zusammen mit Kindern Riesen-Collagen an. Die Wattenmeer-Collage vom Watt en Schlick 2018 soll nach dem Festival im Kurhaus Dangast ausgestellt werden.

Das sagt Luisa:

Wir sind zum ersten Mal hier und es gefällt uns richtig gut. Wir hoffen, dass wir wiederkommen dürfen. Es ist echt total toll! Was das Festival Besonders macht, ist nicht unbedingt, dass es so klein ist, sondern dass viele Menschen immer wieder hierher zurückkommen. Man fühlt sich direkt verbunden mit der Umgebung und man merkt den anderen Leuten auch an, dass sie hiermit verbunden sind. Wir haben uns sofort wohlgefühlt und das liegt vor allem an der Mentalität der Menschen hier. Die sind alle total entspannt und sehr nett. Ja, ich denke, es ist diese Freundlichkeit und Gelassenheit, mit der man hier empfangen wird, was das Festival so besonders macht.

Das sagt Yoni:

Für mich ist es der Ort: ein Festival am Meer! Ich finde auch, dass alle Leute sehr relaxt sind.

Aus Berlin: Annette und Uwe

Annette und Uwe

Annette Rogalla und Uwe Asseln reisten für das Watt en Schlick aus Berlin an. Uwe Asseln ist in Dangast aufgewachsen.

Das sagt Annette:

Wir sind Wiederholungstäter: Zum dritten Mal sind wird jetzt beim Watt en Schlick – und wir kommen auch ganz sicher wieder. Ich habe damals vor einem knappen Jahr im Radio gehört, dass „ein kleines Festival in Dangast“ zum besten Festival gewählt wurde. Das fand ich total toll. Den Preis hat es  nach absolut verdient. Für mich ist es das Festival der Herzen. Das Meer, der Strand, dieser Sonnenuntergang hier – das ist perfekt! Oder, wie  meine Mutter sagen würde: „Es ist reell.“

Das sagt Uwe:

Als wir das erste Mal herkamen wussten wir gar nicht, was uns erwarten würde. Wir hatten nur von dem Festival gehört. Aber die Atmosphäre hier ist einzigartig. Und tolle Bands sieht man hier.  Dazu kommt, dass es perfekt  organisiert ist. Die Preise sind übersichtlich, tolle Qualität ist geboten, hier bekommt keinen Schrott – das macht das Watt en Schlick aus!

Beim DRK: Patrick

Patrick (Bild: Nathalie Meng)

Patrick Hinrichs ist Bereitschaftsleiter beim DRK Varel. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des DRK hatten beim Watt en Schlick wieder wenig zu tun.

Das sagt Patrick:

Das ist ein ganz, ganz ruhiges Festival. Für uns ist das total entspannt. Da passiert in der Regel nichts Größeres. Meist müssen wir höchstens Wespenstiche oder Schnittwunden, die durch die Muscheln am Strand und im Schlick entstanden sind, behandeln. Aber es macht auf jeden Fall Spaß hier, sonst würden wir’s nicht machen. Zwar sind wir hier am Rande des Geschehens etwas abgeschottet, aber wir kriegen schon mit, dass das Festival einen eher familiären Charakter hat. Wahrscheinlich ist es auch ebendiese friedliche Atmosphäre, die diese Ruhe mitbringt.

Statt Hannover: Nico und Johanna

Nico und Johanna (Bild: Nathalie Meng)

Nico und Johanna Kallusky sind Geschwister. Sie kommen ursprünglich aus Wilhelmshaven und leben jetzt beide in Hannover.

Das sagt Nico:

Für mich ist das Watt en Schlick etwas Besonderes, weil wir hier unsere Freunde aus der Heimat treffen, die wir oft nur einmal im Jahr sehen.

Das sagt Johanna:

Dem kann ich mich genauso anschließen und  noch hinzufügen, dass die Atmosphäre hier außergewöhnlich schön ist. Ein Festival quasi am heimischen Strand – wann hat man schon mal so was?

Der Vision wieder ein Stück näher gekommen

Nur zwei Tage nach dem Watt en Schlick 2018 sind übrigens bereits 4000 Tickets für das Festival im kommenden Jahr verkauft worden – innerhalb von wenigen Stunden. Es scheint so, als sei Festivalleiter Till Krägeloh der Realisierung seiner „Vision von einem friedlichen Fest für alle Generationen an einem einzigartigen Ort“ wieder ein Stückchen näher gekommen.

Nathalie Meng

Als Schwarzwaldmädchen geboren, in den vergangenen zehn Jahren jedoch häufig umgezogen, unter anderem nach Berlin, Leipzig, Barcelona. Und nun eben nach Oldenburg. Sagt nach wenigen Monaten im Nordwesten meist schon ganz automatisch "Moin". Mag Schafe, Schiffe und Seefahrerromantik - da kommt ihr die Nähe zum Meer in der neuen Heimat ganz gelegen. Aus ihrer alten Heimat vermisst sie allerdings hin und wieder eine richtige Butterbrezel und hügelige Laufstrecken. Hatte lange Angst vor ihrem dreißigsten Geburtstag. War dann gar nicht so schlimm.

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