Nordisch leben

Von Tiefkühlpizza zu Hausmannskost

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NWZ-Praktikantin und „untalentierteste Köchin“ ihres Freundeskreises, Kyra Piontek, hat sich der Herausforderung gestellt und Kochen gelernt. Dabei bekam sie Hilfe von Foodblogger Heinrich Herwig (59) und Landfrau Heike Maas (55). Und wie schmeckt es?

Pochieren, Blanchieren, Legieren – das sind Begriffe, die mir äußerst fremd sind. Ich kann zwar so einiges, aber Kochen gehört definitiv nicht dazu. In meinem Freundeskreis gelte ich als die untalentierteste Köchin. Mehrere Male habe ich Aufbackbrötchen verbrennen lassen, und eine Tiefkühlpizza kommt bei mir entweder halbgefroren oder schwarz aus dem Ofen. Wenn ich das schon nicht hinbekomme, dann kann ich wohl erst recht nicht „richtig kochen“.

Chaos in der Küche

Versucht habe ich es natürlich immer wieder. Doch dann brach das Chaos aus. In meiner kleinen Küche stapelten sich die benutzen Küchengeräte, alle Gerichte wurden gleichzeitig fertig – was mich extrem stresste –, und nicht selten wurde der Rauchmelder durch angebranntes Essen ausgelöst. Mit der Zeit habe ich dann immer weniger gekocht. Ich wollte mich nicht stressen und habe aus Bequemlichkeit lieber in der Unimensa gegessen.
Doch das soll sich nun ändern. Ich möchte mir beweisen, dass ich kochen kann. Ich bin also fest entschlossen, meine Comfort-Zone zu verlassen und mich voll und ganz aufs Kochen zu konzentrieren. Aber dann doch lieber mit ein bisschen Hilfe. Und die bekomme ich von zwei sehr erfahrenen Heim-Köchen.

Kochkurs beim erfahrenen Floodblogger

Klarnordisch Redaktion
Die Gastautorin: Kyra Piontek studiert Kommunikations- und Medienwissenschaften in Bremen. Die 25-jährige Oldenburgerin hat vier Wochen lang ein Praktikum in der Redaktion von NWZonline.de absolviert.
Zuerst treffe ich Heinrich „Gaumenschrei“ Herwig (59) – Foodblogger aus Oldenburg mit über 2.500 Abonnenten bei Instagram. Er will sich der enormen Herausforderung stellen, mir das Kochen beizubringen. Ich besuche ihn in seiner Wohnung in Osternburg, und als allererstes fällt mir seine beeindruckend große Küche auf. Hier kann man bestimmt viel entspannter kochen als in meiner drei Quadratmeter kleinen Küche, denke ich mir. Heinrich ist ein echter Profi: „Ich koche eigentlich schon immer.“ Sogar bei den Fernsehsendungen „Das Perfekte Dinner“ und „Die Küchenschlacht“ konnte er mit seinen Kochkünsten überzeugen. Ich muss zugeben, dass mich das etwas einschüchtert. Doch nun gibt es kein Zurück. Gleich muss ich unter der Anleitung von Heinrich ein kleines Gericht zubereiten.

Zubereitung Avocado-Brot

Wir haben uns auf ein leichtes Avocado-Brot mit pochiertem Ei geeinigt. Normalerweise esse ich zum Frühstück eine einfache Butterstulle mit Käse und etwas Gemüse dazu. Doch nun wird es etwas spezieller. Zuerst schneide ich die Avocado auf, würze sie, gebe Balsamico und Rucola dazu und vermenge alles miteinander, so dass eine weiche Streichmasse entsteht. Ich muss zugeben, dass ich Avocado immer etwas geschmacklos fand, weshalb ich auf das Ergebnis besonders gespannt bin. „Wie pochiert man denn ein Ei?“, frage ich panisch. Aber Heinrich beruhigt mich und sagt, dass es ganz einfach ist. Nach Heinrichs Anleitung lasse ich das Ei langsam in heißes Wasser laufen. „Das war’s schon? Das war ja gar nicht so schwer.“ Die Avocadomasse auf ein frisches Brot, eine Tomatenscheibe dazu, Salz und Pfeffer und dann noch etwas Deko-Kräuter aus dem Garten – und fertig ist die schnelle Mahlzeit.

Rezept Avocado-Brot
Zutaten
1 Avocado, Rucola, 1 Tomate, 1 Ei, Salz und Pfeffer, Balsamico Essig

Zubereitung
Zuerst die Avocado vorsichtig aushöhlen. Dabei beschädigte Stellen vorsichtig entfernen. In einer Schale dann die Avocado zusammen mit etwas Pfeffer und Salz zerdrücken. Einen Schuss Balsamico Essig dazugeben und mit der Avocado vermengen, so dass eine weiche Streichmasse entsteht. Nun Rucola klein schneiden und unter die Avocadomasse heben. Den Aufstrich auf ein frisches Vollkornbrot streichen und eine große Scheibe Tomate drauflegen. Nun wird das Ei pochiert. Hierfür einfach Wasser zum Kochen bringen und dann das flüssige Ei langsam in das heiße Wasser laufen lassen. Etwas warten bis das Ei fest ist und dann kann es vorsichtig aus dem Topf genommen werden. Das Ei auf das Avocado-Tomaten-Brot legen und mit etwas Salz und Pfeffer nachwürzen.


Ich bin wirklich begeistert, wie schnell und einfach das ging. Aber schmeckt das selbst gemachte Werk auch? Und wie! Ich verputze gleich zwei Brote mit dem leckeren Avocado-Aufstrich, der ganz und gar nicht geschmacklos ist. Da kann meine Käsestulle nicht mithalten.

Eine Landfrau und eine Studentin

Der erste Schritt hin zu meiner Kochkarriere ist gemacht. Doch nun will ich mich der Herausforderung stellen, ein komplettes Mittagessen inklusive Nachtisch zuzubereiten. Unterstützung bekomme ich von der Landfrau Heike Maas (55) aus Wüsting. Ich besuche Heike auf ihrem Hof und werde gleich von ihr und ihrem Hund in Empfang genommen. „Na du bist ja mutig. Trägst eine weiße Bluse zum Kochen.“ Ups – das hatte ich nicht bedacht. Aber glücklicherweise hat Heike eine Schürze für mich. Hauptberuflich ist sie NWZ-Zustellerin, doch zwei Mal wöchentlich kocht sie nebenbei in einer Ferieneinrichtung für Menschen mit Behinderungen. „Seitdem ich dort arbeite, lerne ich immer neue Gerichte kennen.“

Deftiges mit Kartoffeln

Wir kochen ein deftiges Mittagessen: Kartoffeln mit Kräuterquark, Grünkern-Gemüsebratlinge, einen frischen Salat und zum Abschluss ein Rhabarber-Erdbeer-Dessert. „Die Vorbereitung ist das A und O. Wenn man alles beisammen hat, dann geht das Kochen gleich viel leichter.“ Vieles, was wir für die Mahlzeit brauchen, hat Heike in ihrem Garten angebaut. Auch der Rhabarber wächst vor ihrem Haus. Besonders beim Gemüse-Wettschneiden wird mir eines ganz klar: Die gelernte Hauswirtschaftlerin hat eine Menge Tricks, wie man sich die Arbeit in der Küche erleichtern kann.
Schritt für Schritt erklärt sie mir, wie die Gemüsebratlinge zubereitet werden. „Achte auf deine Finger!“, ermahnt sie mich beim Gemüsereiben. Beim Kochen schnacken wir beide, und Heike erzählt mir von ihrer Vorstandstätigkeit bei dem Landfrauenverein Wüsting – ein Verein für alle Frauen um Wüsting herum. Die Mitglieder sprechen hier gemeinsam über Themen wie Hauswirtschaft oder Gesundheit.
Etwa zwei Stunden brauchen wir für das ganze Menü. Dabei haben wir aber auch viel Zeit beim Quatschen verplempert. Bei strahlender Sonne genießen wir gemeinsam das fertige Mittagessen auf der Terrasse. Vor allem der leckere Rhabarbernachtisch und die Gemüsebratlinge begeistern mich. So einfach und problemlos habe ich mir die Kochstunde nicht vorgestellt.
Am Ende gibt mir Heike das übrige Essen mit: „Da kannst du heute Abend noch von essen.“ Und nach einer kleinen Runde um ihren Hof und einer Besichtigung des angebauten Gemüses gesteht mir Heike noch etwas für mich sehr Beruhigendes: „Auch ich mache noch hin und wieder Fehler beim Kochen. Manchmal klappt etwas nicht oder schmeckt einfach nicht so wie gedacht. Aber dann macht man es einfach beim nächsten Mal besser.“

Rezept Landgericht
Zutaten für die Gemüsebratlinge
1 Zwiebel, 2 Knoblauchzehen, 200 g Grünkernschrot, 400 ml Wasser, Prise Salz, Pfeffer, 1 große Möhre, 1 Zucchini, 1 Ei, 100 g Paniermehl, 1 EL Curry
Zutaten für das Rhabarber-Dessert
500 g Rhabarber, 500 g Erdbeeren, 150 g Zucker, etwas Wasser
Zubereitung
Zwiebeln würfeln und in der Pfanne andünsten. Den Knoblauch pressen und dazu geben. Danach kommt der Grünkernschrot dazu und wird leicht angedünstet. Mit Wasser angießen und aufkochen lassen. Dann circa 30 Minuten ausquellen lassen. In der Zwischenzeit wird die Möhre und die Zucchini grob gerieben. Anschließend kommt das Gemüse zusammen mit Salz, Pfeffer, dem Ei, Paniermehl und Curry zum Grünkernteig dazu. Alles gut durchkneten, dann kleine Bratlinge formen. Diese werden dann in der Pfanne von beiden Seiten goldbraun angebraten.
Rhabarberstangen waschen, beiden Enden abschneiden und den Rest in kleine Würfel schneiden. Erdbeeren ebenfalls waschen und in kleine Stücke schneiden und zu dem Rhabarber dazugeben. Mit Zucker bestreuen, alles vermengen und in einen Kochtopf geben. Erst wenn sich etwas Saft gebildet hat ohne oder mit etwas Wasser ankochen. Warten bis sich das Obst verkocht hat und zu einer weichen Masse geworden ist. Dann abkühlen lassen.

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