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Von Holzhausen bis nach Rio

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Zahlreiche Dressurpferde hat Kira Wulferding bereits ausgebildet. Eines ging sogar bei Olympia an den Start.

Wenn Kira Wulferding auf „Soiree d’Amour OLD“ aufsitzt, merkt sie sofort, dass die Verbindung zwischen ihr und dem Pferd stimmt. Seit sechs Jahren bildet die Pferdewirtschaftsmeisterin die inzwischen neunjährige Rappstute aus. Der Name Soiree d’Amour ist französisch und kann in etwa mit „Liebesnacht“ übersetzt werden. Das „OLD“ im Namen steht für „Verein zur Förderung des Oldenburger Pferdesports“, dem Wulferding als Mitglied des Reit- und Fahrvereins (RFV) Holzhausen angehört.

Pferde waren schon immer Wulferdings Leidenschaft, mit vier Jahren saß sie das erste Mal auf einem Pony: „Auf dem Hof meiner Eltern war ich bereits damals oft im Pferdestall“, erinnert sich Wulferding. Bei Jugendreiter-Wettbewerben sammelte sie zudem sehr früh Turnier-Erfahrung.

Während der Schulzeit stand für sie sehr früh fest, dass sie später beruflich mit Pferden arbeiten und sie ausbilden möchte: „Mir gefällt vor allem die Abwechslung in der täglichen Arbeit. Jedes Pferd hat einen anderen Charakter und reagiert anders auf verschiedene Situationen“, erklärt die Wildeshauserin.

Seit 16 Jahren ist sie Pferdewirtschaftsmeisterin. Wulferding ließ sich nach der Schule von Brigitte und Wolfram Wittig in Rahden ausbilden, zu denen sie auch heute noch regelmäßig Kontakt hat. Ihre Aufgabe besteht darin, Pferde von Kunden für Dressur-Turniere und -Prüfungen auszubilden: „Ich bekomme die Tiere meist mit drei Jahren und bilde sie aus, bis sie circa acht Jahre alt sind“, erklärt Wulferding.

Der Abschied nach einigen Jahren gemeinsamer Arbeit mit einem Pferd kann mitunter schon mal schwerfallen; die 37-Jährige sieht dies jedoch professionell: „Ein gut ausgebildetes Pferd, welches vom Kunden in Empfang genommen wird, ist auch immer ein Erfolg für den Ausbilder und seine Mitarbeiter“, betont Wulferding. Gemeinsam mit zwei Mitarbeiterinnen betreut sie derzeit 15 Pferde in ihrem Stall in Holzhausen. Darunter befinden sich sowohl Ausbildungspferde von Kunden als auch Nachwuchspferde des elterlichen Betriebes mit zwei Zuchtstuten.

18 Pferde hat Wulferding in ihrer Laufbahn bisher ausgebildet, den Weg mancher Tiere verfolgt sie auch heute noch: „Zu einigen habe ich während der Ausbildungszeit eine besondere Bindung aufgebaut“, erklärt sie. Eines ihrer Pferde schaffte es auf die große Bühne und ging bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio an den Start: „Della Cavalleria OLD wurde dort von der Österreicherin Victoria Max-Theurer geritten“, erzählt Wulferding. Eine Medaille konnte das Duo aber nicht erringen.

Mit Soiree d’Amour hat Wulferding ihre bisher größten Erfolge erzielt: „Beim Bundes-Championat im September 2012, als die Stute dreijährig war, habe ich mit ihr gewonnen“, erinnert sie sich. Die Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf. 2014 belegte Wulferding mit der fünfjährigen Soiree d’Amour den fünften Platz bei der WM der Jungpferde.

Es folgten eineinhalb Jahre Pause, um die Stute auf die schweren Dressur-Prüfungen vorzubereiten: „Ziel im vergangenen Jahr war es, sich für den Nürnberger Burgpokal zu qualifizieren“, sagt Wulferding. Die Hürden dafür sind hoch: Nur die Sieger ihrer Altersklasse der zwölf größten Turniere Deutschlands nehmen teil und machen dort den Meister unter sich aus.

Die heute neunjährige Soiree d’Amour schaffte die Qualifikation und gehört somit zu den besten zwölf Dressurpferden Deutschlands in der Altersklasse der sieben- bis neunjährigen Pferde. „Insgesamt habe ich über die Jahre verteilt sechs Pferde zum Burgpokal gebracht“, berichtet Wulferding. Mit Soiree d’Amour peilt sie nun die nächsten, noch hochrangigeren Turniere an.

Doch nicht nur die Pferde lernen von ihr, auch sie lernt einiges von den Tieren: „Geduldig und ausdauernd auf ein Ziel hinzuarbeiten ist beim Zusammenspiel mit Pferden sehr wichtig“, sagt Wulferding.

Nils Coordes

Nils Coordes ist in Wilhelmshaven aufgewachsen und hat dort 2012 sein Abi gemacht. Anschließend zog es ihn nach Hamburg, wo er Sportjournalistik studiert hat. Nach dreieinhalb Jahren zog es ihn wieder in den Nordwesten und er lebt seit April 2016 in Oldenburg.

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