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Interview: „Ich hatte gehofft, dass Angela Merkel ihn schlägt.“

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Im Harrier Hof in Brake hat sich Chelsy Haß für klarnordisch.de mit Bobbo Byrnes, einem Singer-Songwriter getroffen. Der US-Amerikaner tourt seit einigen Jahren regelmäßig durch Deutschland – und ist bekannt für seine explizite Meinung über den amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump. Chelsy hat mit dem Musiker über sein neues Album „Two Sides to This Town„, deutschen Schlager und auch über Trump und Angela Merkel gesprochen. Das Interview führte Chelsy Haß auf englisch, eine Zusammenfassung in Deutsch findet ihr nachfolgend.

Bobbo, du tourst gerade durch Deutschland. Wie gefällt es dir bisher?

Ich liebe es. Ich bin jetzt das sechste oder siebte Mal in Deutschland und jedes Mal ist es besser, als davor. Im Harrier Hof bin ich jetzt das vierte Mal. Irgendwie ist es hier immer größer und anders, wenn ich wiederkomme.

In welchen Städten bist du denn noch unterwegs?

Viel in Bremen, Bamberg, Mainthal – was ziemlich weit weg ist –, Hannover, Oldenburg, eigentlich überall.

Du hast gerade dein zweites Soloalbum „Two Sides to This Town“ veröffentlicht. Was ist anderes als beim ersten?

Mir gefällt das neue besser. Es ist etwas rockiger, als das erste. Das war mehr Akustik und entspannter, das neue Album ist etwas mehr geradeaus.

Welchen Song spielst du am liebsten vor Publikum?

Momentan ist das „Angelia“. Das Lied habe ich geschrieben, als ich meine Heimatstadt besucht und festgestellt habe, dass es sich gar nicht mehr wie Heimat anfühlt. Das hat zum Teil auch mit der politischen Trennung der Leute in den Staaten zu tun.

Woher genau in den USA kommst du denn?

Ich gehöre zur „Küstenelite“. Ich bin in Massachusetts geboren und aufgewachsen, das liegt an der Ostküste. Jetzt lebe ich in Kalifornien an der Westküste.

Gibt es große Unterschiede zwischen den Menschen an den unterschiedlichen Küsten?

Ja. Wenn man viel reist, merkt man, dass es überall tolle Menschen gibt, egal, wo man ist. Es gibt aber auch Leute, die nicht so nett sind. Es fällt mir fast schwer, das auszusprechen.
Aber es gibt zwei gute Dinge, die passiert sind, seit Trump Präsident der Vereinigten Staaten ist. Das erste: Mehr Menschen sind politisch aktiv geworden. Zweitens ist uns klar geworden, dass wir noch gar nicht so fortschrittlich sind, wie wir immer dachten. Wenn man reist, kommt man damit immer wieder in Kontakt.

Zu diesem Thema kommen wir später nochmal zurück…

Okay! (lacht)

Zurück zur Musik: Was würdest du sagen, ist der größte Unterschied zwischen deiner Musik und Musik aus Deutschland?

Um das genau sagen zu können, müsste ich mehr deutsche Musik kennen. Ich weiß, dass ich nicht klinge, wie deutscher Schlager. Aber ich glaube, niemand sonst klingt so. Das ist eine ganz eigene Musikrichtung.
Ich weiß nicht, woran es liegt, aber wenn ich eine Gitarre habe und der erste Ton aus meinem Mund kommt, merke ich, wie amerikanisch ich klinge. Zu Hause fällt mir das natürlich weniger auf, weil da die meisten klingen, wie ich.

Kannst du deutsche Lieder spielen? Kennst du welche?

Ich habe versucht, 99 Luftballons zu lernen. Aber das hat ganz schön viele Worte, deutsche Worte. Ich kann mich noch dran erinnern, als ich das Lied das erste Mal gehört habe. Aber wir haben es auf Englisch gehört.

Stimmt, davon gibt es auch eine englische Variante…

Ich bin bis „99 Luftballons“ gekommen, weiter leider noch nicht. Aber ich kann die Akkorde, wenn du singst, kann ich dich begleiten.

Das lassen wir lieber! Aber ich habe gehört, dass du auch noch Klaviere stimmst?

Ich stimme ziemlich viele Klaviere. Es ist eine Art aussterbende Kunst. Angefangen habe ich, weil das Klavier meiner Familie extrem verstimmt war, so dass es mich wahnsinnig gemacht hat. Also bin ich zur Schule für Klavierstimmer gegangen.

Spielst du denn selbst auch Klavier?

Etwas, ja. Ich kann keine Noten lesen, aber ich finde mich zurecht.

Welche Instrumente spielst du denn noch, außer Gitarre und Klavier?

Ein bisschen Akkordeon, Lap-Steel, Pedal Steel, Mandoline, Dobro, ziemlich viele Saiteninstrumente.

Und nun zur letzten Frage: Donald Trump. Folgst du ihm auf Twitter oder wartest du einfach nur auf seinen Rücktritt?

Ich weigere mich, ihm auf Twitter zu folgen. Es ist auch so einfach genug, mitzubekommen, was für Blödsinn er jeden Tag so gesagt oder geschrieben hat. Ich wünsche ihm, dass er noch ein langes Leben führt. Ich hoffe allerdings, dass er die meiste Zeit davon im Gefängnis verbringt. Ich hoffe wirklich, er geht bald ins Gefängnis.

Glaubst du, das ist möglich?

Es sollte möglich sein, wenn man so viele Verbrechen begangen hat. Ich verstehe auch nicht, warum noch immer so viele Leute ihn verteidigen. Das ist Wahnsinn.

Wird Trump nochmal für vier Jahre gewählt werden?

Nein. Ihm ist jetzt schon langweilig im Amt. Er wollte ja eigentlich gar nicht gewinnen. Seine Präsidentschaft hat sehr viele seiner „Freizeitbeschäftigungen“ ans Tageslicht gebracht. Und das sollte genug dafür sein, dass er maximal eine Amtszeit schafft, wenn überhaupt.

Es waren noch keine zwei Jahre mit ihm, oder?

Nein, aber es fühlt sich an, als wäre die Wahl schon viel länger her.

…und er hat schon so viele Leute entlassen…

Er hat vor allem jeden Sinn für Moral und Anstand entlassen. Ich möchte den Deutschen versichern, dass die Mehrheit der Menschen in den USA ihn nicht gewählt haben und wir sind dabei, die Situation wieder zu verbessern.

Das heißt, wir dürfen Hoffnung haben?

Ja. Ich habe übrigens wirklich gehofft, dass Angela Merkel ihn schlägt. Das wäre wundervoll gewesen.

Es hätte ihm wahrscheinlich nicht gefallen, von einer Frau geschlagen zu werden…

Aber wir dürfen ja noch träumen.

Jetzt freuen wir uns auf deinen Auftritt. Vielen Dank, dass du mit uns gesprochen hast.

Chelsy Haß

Chelsy, nicht Chelsea oder Chelsey. 24 Jahre alte Volontärin der Nordwest-Zeitung mit ostfriesischem und (süd)amerikanischem Migrationshintergrund. Studiert habe ich im schönen Münster, und zwar Germanistik und Italienisch. Ansonsten bin ich ein Opfer meiner Generation - Stichwort Popculture und Smartphonesucht. Ich versuche aber der schleichenden Verdummung zu entkommen.

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