Nordisch leben

Ugly Farmer: Der Coolness-Faktor von Landwirten

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Auf der einen Seite haben die Treckerfreunde Wöschenland ihre Fahrzeuge präsentiert, auf der anderen Seite haben die Schafscherer ihr Können demonstriert. Das war die Szenerie, die sich auf den Landtagen Nord in Wüsting in der Gemeinde Hude (Landkreis Oldenburg) am Wochenende bestaunen lassen konnte. Und mittendrin stand Florian Gruschwitz. Bei der Agrar- und Freizeitmesse hat er sein Modelabel „Ugly Farmer Clothing“ vorgestellt und damit möchte er bewusst ein junges Publikum ansprechen.  

„Waidmannsheil“ oder „Bauernbua“ steht auf den  Shirts, Kapuzenpullovern und Mützen. Das Unternehmen Ugly Farmer Clothing  des 27-jährigen Hannoveraners Florian Gruschwitz ging im Juni 2017 an den Markt. Und dabei hat sich der junge Unternehmer auch etwas gedacht. Ugly Farmer bedeutet so viel wie hässlicher Landwirt. Florian  wollte, wie er sagt, ein Statement für die Landwirtschaft setzen.

Stolz darauf, Landwirt zu sein

„Es geht darum, dass Landwirte oft sehr negativ dargestellt werden. Der Beruf ist mit vielen Vorurteilen behaftet, die ich mit meiner Bekleidung abschaffen möchte“, sagt der 27-Jährige gegenüber klarnordisch. Es gehe darum, als Landwirt stolz auf seine Arbeit zu sein und das auch nach Außen kommunizieren zu wollen. „Landwirte sind Geschäftsmänner und müssen Experten in vielen verschiedenen Bereichen sein, damit sie ihre Betriebe erfolgreich führen können“, sagt er.

„Mit der Bezeichnung hässlicher Landwirt nimmt sich der Träger der Kleidung auch ein wenig selbst auf die Schippe“, so der Hannoveraner. Der Gedanke dahinter scheint anzukommen. Fast 11.000 Follower kann das Label auf Instagram mittlerweile verbuchen.

Wie steht der Mais eigentlich bei euch? 😛 #teamuglyfarmer #uglyfarmer #uglyfarmerclothing

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Videos für Landmaschinenhersteller gedreht

Doch woher weiß ein studierter BWLer wie es Landwirten geht und wie kommt er darauf, Kleidung für sie produzieren zu wollen? Angefangen hat bei Florian alles auf Youtube. Dort betreibt er seit 2011 gemeinsam mit Wolfgang Kröll den Kanal AgrartechnikHD – Agriculture in Action. „Wir haben Fotos und Videos von Landmaschinen gemacht. Dann kam die Idee, das alles auf Youtube zu veröffentlichen“, sagt Florian. Irgendwann folgten auch Imagevideos für Landmaschinenhersteller – die so entstandenen Videos werden zum Teil auch auf Messen gezeigt. „Mir ist dabei dann immer aufgefallen, dass die Landwirte Hosen von Engelbert Strauss tragen und dazu irgendwelche alten Shirts oder Pullis“, erklärt der 27-Jährige.

In sieben verschiedenen Designs gibt es die Kleidung von Ugly Farmer mittlerweile. (Bild: Chelsy Haß)
In sieben verschiedenen Designs gibt es die Kleidung von Ugly Farmer mittlerweile. (Bild: Chelsy Haß)

Und so entstand letztendlich Ugly Farmer. „Für das Modelabel, das ich gegründet habe, konnte ich die Reichweite nutzen, die durch den Youtube-Kanal zur Verfügung stand“, sagt Florian. Sein Kollege Wolfgang Kröll kümmert sich nach wie vor um Youtube – der Kanal hat mittlerweile mehr als 180.000 Abonnenten, die Videos werden millionenfach geklickt.

Alles Online

Ein Jahr nach der Gründung von Ugly Farmer Clothing bekommt Florian Gruschwitz jeden Tag Bestellungen.  Übrigens betreibt er das Unternehmen neben seiner Haupttätigkeit als Accountmanager. Insgesamt sieben Designs sind momentan in verschiedenen Farben und Modellen im Onlineshop erhältlich. „Wir haben keinen Laden. Bei Ugly Farmer funktioniert alles online“, erklärt Florian. Die Landtage Nord in Wüsting ist die erste Messe, auf der sich das jugne Unternehmen präsentiert hat. „Das wurde zum Glück gut angenommen. Viele sind erst wegen des Namens irritiert, aber reagieren dann sehr positiv auf unsere Kleidung“, sagt er. Der Probelauf ist überstanden. In Zukunft möchte Florian Gruschwitz sein Modelabel öfter bei Messen präsentieren und Landwirte für seine Designs begeistern.

Chelsy Haß

Chelsy, nicht Chelsea oder Chelsey. 24 Jahre alte Volontärin der Nordwest-Zeitung mit ostfriesischem und (süd)amerikanischem Migrationshintergrund. Studiert habe ich im schönen Münster, und zwar Germanistik und Italienisch. Ansonsten bin ich ein Opfer meiner Generation - Stichwort Popculture und Smartphonesucht. Ich versuche aber der schleichenden Verdummung zu entkommen.

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