Nordisch unterwegs

Tag 2 auf der Republica – und die Erkenntnis, dass niemand den Schlüssel zur Zukunft hat

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Ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren! So lautet das Fazit von Tag 2 auf der Republica in Berlin. Wir haben uns für euch wieder ins Getümmel gestürzt: Voller als am Mittwoch war es definitiv. Schwerpunkt war heute die Zukunft des Journalismus. Denn – Überraschung – der Journalismus steht in Zeiten von Digitalisierung, mobilen Endgeräten und sozialen Medien vor einigen Herausforderungen. Vorweg: Niemand weiß bisher so richtig, was wie und für wen funktioniert. Niemand hat bisher die Top-Lösung gefunden. Aber wir haben für uns einige gute Ideen mitgenommen.

Der Tag startete mit der Vorstellung des Mobile Reporting bei der RTL Group, genauer bei Ntv. Fabricia Josten hat uns mit in ihren Alltag genommen. Bei Ntv wird seit Anfang des Jahres mit dem Iphone 8 gedreht – mindestens ein Team aus Reporter und Kamera-Mann soll pro Tag so einen mobil gedrehten Beitrag reinholen. Vorteil? Die Journalisten sind schneller und flexibler. Wo sonst ein Übertragungswagen, ein Funk-Signal gebraucht wird, braucht es jetzt nur noch ein Stativ, eine App und ein Handy. Nachteil? Es wird eine LTE-Verbindung für Live-Schalten gebraucht und der Akku sollte voll sein.

Hören statt Lesen?

Die nächste Idee für den Journalismus lieferte der Vortrag „Von Digital Momenten und dem Respekt vor der Zeit der Mediennutzung“. Dabei ging Jens Gützkow darauf ein, dass Medien vom Analogen ins Digitale gesetzt werden, ohne zu beachten, was die Leser eigentlich wollen. Inhalte sollten mehr vom Konsumenten aus gedacht werden. Eine Idee ist, Inhalte aus Zeitungen hörbar zu machen. Dadurch ist laut Gützkow die Mediennutzung um 50 Prozent intensiver. Auch dies, eine spannende Idee.

Wie sieht der Nachrichten-Journalismus von morgen aus? Mit dieser Frage beschäftigten sich Eva Schulz, Patrick Weinhold, Jochen Wegner, Lina Timm und Teja Adams. Hier war interessant, dass vor allem abends erklärende und tiefgründigere Inhalte sehr gut laufen können. Social Media sind bei den Medienhäusern mittlerweile gute Instrumente, um den Erfolg ihrer Inhalte zu messen und zu schauen, was bei ihren Experimenten gut läuft.  Aber: Journalismus hat sich von seinem Nutzen nicht verändert: Menschen suchen darin nach der Wahrheit und Einordnung. Aber Medienhäuser sollten trotz allem innovativ sein und um sich eine Marke bilden. 

Flagge hoch für den Lokaljournalismus

Um Lokaljournalismus ging es bei Hannah Suppa, Jörg Quoos, Lorenz Maroldt und Nadine Kreutzer unter der Überschrift „Journalismus in Zeiten von Urbanisierung und Zentralisierung“. Es wurde deutlich, dass der Lokaljournalismus noch immer wichtig ist und das viele Zeitung wie die MAZ oder die Funke Gruppe verstärkt im Lokalen investieren. So werden bei der MAZ alle Reporter mit Smartphones und Laptops ausgestattet. Verstärkte Interaktion mit den Lesern kann dabei helfen, näher dran zu sein. Und wie kann der Lokaljournalismus im Digitalen Geld bringen? Indem Paywalls konsequent eingesetzt werden. 

Stellten ihr Projekt Field Trip vor: Eva Stotz und Frederic Dubois

Neue Ideen für Journalismus gab es bei der MIZ Tool Time. Dort wurden Frag den Staat Plus, Field Trip, Svift und Constructive VR vorgestellt. Diese Tools in ihren frühen Entwicklungsphase sollen die Arbeit der Journalismus künftig einfacher machen, ihnen neue Darstellungsformen bieten und neue Wege zeigen. Mareike, die sich den Vortrag anhörte, glaubt dass am ehesten Field Trip und Svift eine Bereicherung wären. Ersteres verknüpft Film-Fragmente interaktiv aus einer Geschichte miteinander – vielleicht wäre das auch mit Text, Video und/oder Audio kombinierbar. Und Svift bietet einfache Darstellungsmöglichkeiten von Grafiken an. Das letzte Tool drehte sich um die VR-Brillen. Auch dies ist ein interessantes Thema, muss aber mit mehr Man-Power und Expertise angepackt werden! Mareike wird auf jeden Fall alle vier Projekte weiter verfolgen.

Abseits des Medientrubels

Neben vielen Eindrücken ist vom heutigen Tag aber auch hängen geblieben: Glas-Flaschen fällen während der Vorträge überproportional häufig um, die Station Berlin wird häufig vom Getöse der Straßenbahn erfüllt und FOMO ist die Angst davor, etwas zu verpassen. Doch alles ein bisschen random hier in Berlin.

 

Mareike Wübben

Einmal quer durch den Nordwesten - geboren wurde ich in der Friedensstadt Osnabrück, studiert habe ich am Meer in Wilhelmshaven - und zwar Medienwirtschaft und Journalismus - also "irgendwas mit Medien". Aufgewachsen bin ich jedoch im Oldenburger Münsterland - wo ich an den Ahlhorner Fischteichen, an der Talsperre oder im Wald am besten entspanne. Aber auch in Lissabon, an der Ostsee oder auf Mallorca genieße ich Land, Leute, Kultur und das Essen - ich koche aber auch gern :)

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