Nordisch leben

So überlebt die letzte Videothek Oldenburgs

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Netflix, Prime und Co. haben vielen Videotheken den Garaus gemacht. Doch eine ist in Oldenburg übrig, und die verzeichnet jeden Tag Neukunden.

Reihe an Reihe stehen Regale im Geschäft an der Alexanderstraße 115. In diesen Regalen präsentieren sich zahlreiche DVDs und Blu-ray-Discs – Horror, Action, Thriller, Komödie sind dabei. Insgesamt etwa 20 000 Streifen finden Filmfans hier vor. Doch das ist mittlerweile eine Seltenheit. Laut Inhaber Florian Stuinies ist „Media Buster“ die letzte, verbliebene Videothek in Oldenburg.

Die Filialen an der Ofener Straße und der Bremer Heerstraße wurden im Frühjahr geschlossen. Nach Aussage von Stuinies soll es 2007 hier noch zehn Videotheken gegeben haben. So gut wie in den „Goldenen Zeiten“ in den 1980er und 1990er Jahren sieht es schon länger nicht mehr aus. Seit etwa 2006 könne man merken, dass etliche Kunden wegbleiben. „Ab da wurde es definitiv schlechter.“

„Natürlich merken wir Netflix und Amazon“

Vor einigen Jahren wurden Filmabende noch richtig zelebriert. „Dieses DVD gucken hat heute keinen Stellenwert mehr“, sagt Stuinies. In der Zeit legaler und illegaler Videostreams sei das Filme und Serien anschauen fast zur Nebensache geworden. Ton und Qualität seien oft egal – „Hauptsache, der neueste Film wird gesehen“, erklärt der 26-Jährige. „Das ganze Verhalten hat sich verändert.“

Stuinies zeigt sich trotzdem zufrieden: „Wir haben jeden Tag Neukunden.“ Und auch die zahlreichen Stammkunden schätze er sehr. In den Stoßzeiten seien 20 bis 30 Leute im Laden anzutreffen. Allerdings dürfe man es nicht im Verhältnis zu den vergangenen Jahren sehen.

„Natürlich merken wir Netflix und Amazon.“ Doch da müsse man für Neuheiten mehr bezahlen als in der Videothek. Und da man auch bei diesen Diensten die neuesten Streifen oft nicht sofort sehen könne, seien unerlaubte Videostreams deutlich schädlicher. Denn diese zeigen Filme zeitnah nach der Kinopremiere. „Was die Filmauswahl angeht, haben wir mehr zu bieten als Netflix und Amazon.“ Okay, bei der Serienauswahl könne der Filmverleih nicht mithalten.

Jüngere kommen für Videospiele und Konsolen

Doch was hat die Videothek ihren Kunden zu bieten? Zum einen kommen sie wegen der Qualität der Filme, weiß der Inhaber. Diese sei mit dem richtigen Fernseher oder über den Beamer auf DVD oder Bluray-Discs noch deutlich besser als im Stream.

Andere Besucher seien auf der Suche nach extravaganten Filmen, die Online nicht zu finden sind. Selbst Filmfans aus Delmenhorst, Varel oder Friesoythe nehmen den Weg nach Oldenburg auf sich.

Alfred Heinze stöbert am Donnerstagnachmittag in den Regalen der Videothek. Er entscheidet sich schließlich für den Actionfilm „Security“. Obwohl Heinze kein regelmäßiger Kunde der Videothek ist, nutzt er den Dienst seit 15 Jahren immer wieder. Vor allem auf Filme, die nicht im Fernsehen zu sehen sind, habe er es abgesehen. „Netflix habe ich gekündigt, weil es eben keine aktuellen Filme dort gibt“, sagt er.

Ein wichtiger Aspekt für die Kunden sei die individuelle Beratung, die das sechsköpfige Team bietet. „Das ist eine Sache, die das Internet nicht bieten kann“, so Stuinies. Ein anderer Kunde fragt, bevor er sich eine DVD ausleiht, oft erstmal, wie andere Filmfans den Streifen beurteilen. Ohne diese Einschätzung hätte er sich so manchen Film gar nicht ausgeliehen. Mittlerweile zähle er schon zu den Stammkunden von Media Buster, im September habe er fast täglich im Sortiment gestöbert, sagt er.

Darüber hinaus sind auch Spiele, VR-Brillen, Beamer und Konsolen im Verleih. „Gerade jüngere Leute kommen dann deshalb in die Videothek“, sagt Stuinies. Zudem verkaufen sie spezielle DVDs, Eis und Popcorn. Rund 85 Prozent des Erlöses vom reinen Verkauf komme jedoch von Erotikfilmen.

Trotz Streaming: „Es wird in den nächsten Jahren definitiv noch Videotheken geben“, stellt Stuinies abschließend fest. Dennoch sei es schwierig, die Zukunft voraus zu sagen. „Das ist halt der Lauf der Dinge. Man muss das Beste daraus machen.“

Bild: Torsten von Reeken
Anna-Lena Sachs

27-jährige Oldenburgerin, Seriennerd und geborener Lax mit einem Bachelor in American Studies und einem Master in Journalismus.

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