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Prototypenparty in Oldenburg

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Zahllose Ideen, die die Welt im Großen oder im Kleinen verändern könnten, landen in der Schublade. Sie bringen es nie zur Marktreife, weil das Geld fehlt, kein Feedback eingeholt werden kann oder den Entwicklern der entscheidende Gedankenblitz fehlt. Um diese Sackgassen zu verhindern, gibt es viele Möglichkeiten – eine davon ist die Prototypenparty. Diese fand jetzt zum vierten Mal in Oldenburg statt.

Erfunden haben das Format die beiden Hannoveraner Dörte Roloff und Mario Leupold, die seit einiger Zeit mit ihren Prototypenpartys durch Deutschland touren. Die Erfinder beschreiben die Veranstaltung auf ihrer Homepage als „Matching-Event für Produktentwickler und Kreative, Plattform für Produktideen, Feedback, Impulse & Kooperationen“. In Oldenburg wurde die Prototypenparty in Zusammenarbeit mit dem Gründungs- und Innovationszentrum (GIZ) der Uni Oldenburg organisiert. Gastgeber war dieses Mal die Treuhand Oldenburg.

Auf der Prototypenparty treffen Ideen auf Multiplikatoren

Acht Prototyper-Teams trafen auf der Prototypenparty auf zahlreiche Feedbacker, also Firmenchefs, andere Start-Ups, Unternehmer, Investoren und Multiplikatoren. Im lockeren Rahmen konnten die Entwickler ihre Ideen vorstellen, Kontakte knüpfen und Rückmeldungen einsammeln. „Die Prototypenparty liegt so zwischen der Marktforschung und dem Family-and-Friends-Feddback“, erklärte Dörte Roloff.

Die Zukunft der Touchscreens?

Unter den Prototypern war beispielsweise die Oldenburger Firma HS42. Als Prototyp stellten Vertriebsingenieur Sebastian Damm (33) und seine Kolleginnen und Kollegen die mögliche Zukunft des Touchscreens vor. Während es bislang nur möglich ist, Touchscreenfunktionalitäten auf nicht-leitenden Materialien wie Glas oder Plastik anzubieten, tüfteln die HS42-Entwickler gerade an einem System, welches Touchscreens „auf allen Materialen ermöglicht“, so Damm.

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Statt über Strom läuft das in Oldenburg entwickelte System über Druck. Was auf den ersten Blick vielleicht nach einem ganz normalen Schalter klingt, bietet aber schon im Prototypenstatus Bewegungssteuerung und vor allem: „Das System registriert, wo genau gedrückt wird“, erklärt Damm.

Sebastian Damm von der Firma HS42 aus Oldenburg. Als Prototyp hatten sie die mögliche Zukunft des Touchscreens im Gepäck. (Bild: Claus Hock)
Sebastian Damm von der Firma HS42 aus Oldenburg. Als Prototyp hatten sie die mögliche Zukunft des Touchscreens im Gepäck. (Bild: Claus Hock)

Die Anwendungsmöglichkeiten überwältigen schon nach kurzem Überlegen: Kaffeemaschinen, die völlig ohne Schalter auskommen und alle Funktionen direkt im Material verstecken; Autos, bei denen man im Cockpit Touchscreen-Bereiche zum Beispiel fürs Radio hat; Haussteuerung für Licht und andere Elektronik, die ohne sichtbare Schalter auskommt. Auf der Prototypenparty wurde die 4. Generation der Technik vorgestellt. „Das Ergebnis von sechs Monaten Arbeit“, so Damm.

Mobilität und Cocktails

Einige Ideen auf der Prototypenparty sind schon länger in der Entwicklung, andere stehen gerade am Anfang. So waren auch Studierende der Hochschule Emden/Leer und der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg mit ihrem Hyperpod-Projekt im Gebäude der Treuhand und stellten den aktuellen Entwicklungsstand ihres Hyperloop Pods vor. Um Mobilität ging es auch bei Electric Pirate Cycle – und indirekt auch bei den Auszubildenden der EWE. Die Azubis aus verschiedenen Ausbildungsbereichen überzeugten die Feedbacker mit ihrer „Cruise Use“-Idee – und gewannen den ersten Preis des Abends. Emily vom Sach an Channel hat im Video festgehalten, was „Cruise Use“ ist. Und auch eine Art ThermoMix für Cocktails hat Emily sich auf der Prototypenparty in Oldenburg angesehen.

Virtual Reality und 3D

Neueste Virtual Reality-Technik macht sich derweil das Team von Schwarzseher zunutze. Geschäftsführer und Filmemacher Amon Thein und sein Mitarbeiter Rolf Schapals stellten als Prototyp 360°-Videos mit 3D-Effekt vor. „Das Produkt richtet sich vor allem an Immobilienmakler“, so Thein. Im Gegensatz zu „normalen“ 360-Grad-Videos sei es Dank der neuen Technik möglich „einen wirklichen Mittendrin-Effekt zu erzielen“, ist sich der Filmemacher sicher. Aber auch in anderen Bereichen wird die Technik sicher Anwendung finden. „Die Videos haben natürlich auch Ton“, erklärt Thein. So sei ein ehrlicher Eindruck eines Gebäudes möglich. Die Besichtigung des Objektes werde dadurch zwar nicht hinfällig, aber „für den ersten Eindruck ist die Technik wirklich gut geeignet“.

Die Oldenburger Filmemacher von Schwarzseher stellten auf der Prototypenparty neue Möglichkeiten von 360-Grad.Videos vor. (Bild: Claus Hock)
Die Oldenburger Filmemacher von Schwarzseher stellten auf der Prototypenparty neue Möglichkeiten von 360-Grad.Videos vor. (Bild: Claus Hock)
Claus Arne Hock

Jahrgang 1982; Journalist mit Migränehintergrund; Die Kanzlerin hat mir nie ihr Vertrauen ausgesprochen; Volontär in der Presseagentur GanterMedia (Ganderkesee); Musikbegeisterter Film- und Comicfan.

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