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Zwei Frauen, zwei Meinungen: Weibliche Nacktheit im Netz

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Viele berühmte Models, Sängerinnen sowie Schauspielerinnen wollen als Künstlerinnen ernst genommen werden.  Auf Instagram und Facebook präsentieren sie sich oft halbnackt. Passt das überhaupt zusammen? Chelsy und Tatiana sind sich da nicht einig.

Tatiana: „Haben sie das wirklich nötig?“

Tatiana Gropius: Findet die Nackpostings manchmal peinlich.

Vor einigen Wochen kassierte Schlagerstar Vanessa Mai einen Shitstorm, weil sie auf ihrem Instagram-Account ein Bild von sich postete, auf dem sie nur mit einem Badehöschen und Taucherbrille bekleidet auf einer Jacht lag.  Als Bildunterschrift diente ihr die Flagge von Kroatien, wo sie gerade urlaubte. Das Bild fand ich schön anzusehen, aber was war jetzt die Message dahinter? Als Medienprofi dürfte Mai gewusst haben, dass so ein Bild vor allem Aufmerksamkeit generiert. Dieser Post ist mit bislang über 66 000 Likes einer ihrer erfolgreichsten. Die Meinungen in den Kommentaren gehen auseinander. Einige fanden das Foto billig.  Andere wunderten sich, wann denn alle so prüde geworden seien. Auf YouTube erklärte die Sängerin, deren aktuelles Album auch Platz eins der deutschen Charts erreichte: „Warum habe ich es gemacht? Weil ich Bock drauf hatte!“

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Sex sells

Nun kann frau natürlich tun und lassen, was sie will. Wenn mir eine Künstlerin  als Begründung für die Nacktpostings ein „Ich mache das alles nur für mich“,  „Ich hatte einfach Bock drauf“ oder „Es ist einfach befreiend“ verkaufen will, kann ich das aber nur schwer glauben. Denn wir alle wissen: Sex sells. Perfektioniert hat diese Darstellung die Mutter aller Influencer: Kim Kardashian. Der US-Amerikanerin folgen allein auf Instagram über 120 Millionen Menschen. Kardashian inszeniert sich oft auch als clevere Unternehmerin. Etwa als sie das Cover des Forbes-Magazin schmückte, weil sie mit ihrem Handyspiel in kürzester Zeit 64 Millionen Dollar verdiente. Gleichzeitig veröffentlicht sie auch regelmäßig Bilder von sich, die nichts mit tougher Businessfrau zu tun haben. Manche Bilder sind einfach nur billig. Kardashian macht sich damit zum Sexobjekt. Und Millionen Leute, auch viele junge Frauen und Mädchen schauen zu.

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Chanel vintage, lets please be specific

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Keine Ernsthaftigkeit

Alle Promifrauen – ob sie es nun wollen oder nicht – sind, aufgrund ihrer Reichweite auch automatisch Vorbilder.  Entweder unterschätzen viele von ihnen diese Wirkung oder es ist ihnen  egal. So scheint es, dass Nacktheit einfach dazugehört und normal ist, wenn frau erfolgreich und bekannt sein will.  Aber werden die Frauen und ihr Produkt (sei es Musik, Film oder Postings) so wirklich ernst genommen? Ich denke nicht.

 

Chelsy: „Sollen sie doch!“

Chelsy Haß: Findet Nacktheit im Netz vollkommen legitim.

Ja, frau darf tun und lassen was sie möchte. Wenn auf diese Aussage ein „aber“ folgt, dann ist das schon ziemlich heuchlerisch. Viele Frauen im Rampenlicht wollen auf sich aufmerksam machen, ihre Marke prägen und ja, auch provozieren.

Ich halte es aber für falsch, Frauen – berühmt oder nicht – dafür zu verurteilen. Sollen sie doch! Vorausgesetzt, es war ihre eigene Entscheidung, gibt es daran nichts auszusetzen. Die Debatte über Nacktfotos in den Sozialen Medien hat gezeigt, dass es für Frauen verschiedene Beweggründe dafür gibt, sich nackt zu zeigen.

Auf der einen Seite gibt es das Argument „Mein Körper, meine Entscheidung“. Frauen ziehen sich aus, weil sie es wollen.  Models, SchauspielerInnen, SängerInnen oder InfluencerInnen zeigen sich nackt auf Instagram und Co. weil sie damit zeigen möchten, dass es ihre eigene Entscheidung ist ihren Körper so zu präsentieren, wie sie es für richtig halten und nicht so, wie es andere Leute für richtig halten. Ein offener Umgang mit ihrer Sexualität gehört dabei für nicht wenige Frauen dazu.

 

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let us always meet eachother with smile ☀🌸💖

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Und dann gab es vor einiger Zeit besonders auf Instagram die Debatte um zur Schau gestellte Nippel (#freethenipple). Denn nach wie vor ist es verboten, weibliche Brustwarzen auf der Plattform zu zeigen – männliche hingegen nicht. Im Zuge dessen zeigten dutzende Frauen ihren nackten Oberkörper, um auf das Problem der fehlgeleiteten Sexualisierung aufmerksam zu machen. Warum vermuten wir hinter dem Zeigen des weiblichen Körpers immer noch ständig niedere Beweggründe, haben aber kein Problem damit, wenn Männer halbnackt und schwitzend Pepsi saufen?

Natürlich kann man (oder frau) argumentieren, dass das nichts mit Feminismus zu tun hat, weil „Sex sells“ eher Rollenbilder und bestimmte Erwartungen („So muss eine Frau aussehen“) festigen. Aber im Ernst: Geht’s noch? Nur, weil eine Frau stolz auf ihren Körper ist – dick, dünn, groß, klein – bedeutet das noch lange nicht, dass sie sich zum Sexobjekt macht. Genau dieses Denken führt zur Übernahme der stereotypen, sexistischen Sichtweise. Und damit muss endlich Schluss sein!

Nackte Frauen werden durchaus ernst genommen

Auch die Aussage Frauen, die sich so zeigen, würden nicht ernst genommen werden, ist schlichtweg falsch. Bei vielen von ihnen handelt es um Businessfrauen, die ihre eigene Vermarktung in die Hand genommen haben.  Als Beispiele lassen sich Beyonce, Miley Cyrus, Rihanna, Madonna, Lady Gaga oder auch die komplette Kardashian-Jenner-Familie nennen. Das amerikanische Wirtschaftsmagazine Forbes listet direkt mehrere Kardashian-Jenner-Schwestern auf, die zu den reichsten Self-Made Frauen der Vereinigten Staaten von Amerika gehören. Die 21-jährige Kylie Jenner hat beispielsweise einen Vermögenswert von geschätzten 900 Millionen US-Dollar, den sie sich durch ihre Kosmetik-Linie erarbeitet hat. Ihre Halbschwester Kim hat laut Forbes einen geschätzten Vermögenswert von 350 Millionen US-Dollar.

 

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Wenn Frauen, die sich so zeigen, wie sie sich eben nunmal zeigen möchten, „nicht ernst genommen werden“, dann ist das nicht das Problem der Frauen, sondern ein Problem unserer Gesellschaft. Sexualisierung ist nicht automatisch Sexismus und nicht automatisch diskriminierend. Wir sollten uns um einem unverkrampften Umgang mit der Nacktheit aller Geschlechter bemühen, statt konservative und veraltete Rollenbilder hinter schlechten Argumenten zu verstecken. Eine Frau für ihre Nacktheit abzuurteilen, ist genau das, was wir lassen sollten.

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