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Marek Roscher: Kampf zurück ins Leben

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Am 17. Juni 2016 endete das alte Leben von Marek Roscher. Mit seinem Motorrad knallte der Auricher gegen ein Auto. Die Meinung der Ärzte: Ein Wunder, dass er überlebte. Der Grund: Seine Muskelberge. Denn der Ostfriese stemmte in seinem alten Leben jeden Tag Gewichte. In seinem neuen Leben tut der mittlerweile 30-Jährige dies auch. Allerdings ohne linkes Bein und ohne linke Hüfte.

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Gepostet von Marek Roscher am Sonntag, 1. April 2018

Es ist leichter zu sagen, welche Körperteile nach seinem Unfall unversehrt waren, als die Verletzungen zu nennen. Sein rechter Oberschenkel hat nur eine Muskelverletzung abbekommen, dort hat sich ein Wrackteil des Autos in sein Fleisch gebohrt. Sein rechter Arm, die Hand und der Fuß sind heile geblieben. Das war es dann aber auch.

Marek Roscher hatte schlimme Kopfverletzungen, sein linker Arm war zertrümmert und sein Bein war nicht mehr zu retten. Erst wurde es bis zum Oberschenkel amputiert, nach einer Entzündung kam die Hüfte hinzu.

Monate im Koma verbracht

Von all dem weiß Marek nichts mehr. Er lag drei Monate lang im Koma. Ob er jemals wieder aufwachen würde, wusste damals niemand. Ein eigenständiges Leben lag in weiter Ferne. Doch Marek wachte wieder auf. Der erste Mensch, den er an seinem Krankenhausbett erkannte, war seine Tochter.

🍀Wie Oft Verschwenden wir Zeit für Dinge, die uns nicht weiterbringen 💯Nehmt euch Zeit für die wichtigen Dinge im Leben ❤️#marekroscher

Gepostet von Marek Roscher am Donnerstag, 26. April 2018

Nach und nach kehrten die Erinnerungen zurück. An seine Eltern, an seine damalige Freundin. Nur der Unfall, der bleibt für Marek Roscher unerreichbar. Seine frühere Freundin beschrieb ihm die Situation so: Sie holte Marek von der Arbeit ab, gemeinsam wollten sie zu Freunden fahren. Marek hatte seinen Motorradführerschein noch nicht lange, zwei Wochen zuvor legte  er die Prüfung ab.

Eine Landstraße. Schnurgerade. Ihnen kommt ein Auto entgegen, die Freundin fährt vorbei. Und aus irgendeinem Grund, schleudert es Marek gegen das Auto. Warum, blieb auch  bei der Gerichtsverhandlung unklar. Für Marek ist es nicht so wichtig, das Warum zu kennen. Ändern würde es nichts.

Für mich war von Anfang an klar, dass ich mich nicht unterkriegen lasse. Auch wenn die Wahrheit zu Beginn schwer zu ertragen war.

Marek Roscher über die Folgen seines Unfalls

Der Kampf zurück in sein Leben begann. In ganz kleinen Schritten. Mit dem Bewegen der Finger. Mit dem Lernen zu Sprechen. Irgendwann die ersten krakelig geschriebenen Worte.

Das Ziel war immer klar: „Ich will wieder gehen können“, sagte Marek.

Die Woche geht zu Ende ✨ Viel trainiert und die Erfolge kommen 💪🏼Ich wünsche euch ein schönes Wochenende 👌🏼#marekroscher

Gepostet von Marek Roscher am Freitag, 25. August 2017

Doch der Weg dorthin ist lang. Und Mareks Körper gezeichnet von ihm. Eine lange Narbe zieht sich über seinen Bauch. Weitere erstrecken sich über seinen Rücken, sein linker Arm ist deutlich weniger bemuskelt als der rechte. Dort wo seine Hüfte amputiert wurde, ist die Haut durchsetzt von Narbengewebe.

Sport bleibt wichtig

Wie oft er operiert wurde, kann er gar nicht mehr rekapitulieren. „In meinem linken Arm ist zum Beispiel alles voller Metall“, erzählt er. Anders wären seine zertrümmerten Knochen nicht zusammengewachsen. Sein Bizeps ist am linken Arm abgerissen – da hilft auch das Stemmen der schwersten Gewichte nicht mehr. Und doch: Seine Begeisterung für den Sport im Fitnessstudio ist geblieben.

Im Sitzen sieht Marek aus, wie ein Bodybuilder, der mindestens 100 Kilogramm auf die Waage bringen müsste. Wenn er tatsächlich auf der Waage steht, zeigt sie 60 Kilogramm an. Ein Bein ist schwer.

Not macht erfinderisch 🤣💯🔥Wenn es zu wackelig ist sollte man immer ein Seil dabei haben 😉😬👏💥Bei Indiana Jones Abgeguckt und für gut befunden 🤗💯

Gepostet von Marek Roscher am Freitag, 1. Dezember 2017

Mittlerweile bringt Marek wieder ein paar Kilo mehr auf die Waage, denn er arbeitet daran mit seiner Prothese unabhängiger vom Rollstuhl zu werden. Die wiegt allerdings trotzdem nicht so viel wie ein Bein. Sie ist deutlich leichter.

Das Bewegen mit ihr verlangt Marek viel Kraft ab – nicht nur körperlich, sondern auch mental. Manchmal steht er zwei Minuten an einem Fleck und kommt nicht voran. „Das ist reine Kopfsache“, sagt er. Woher die Blockade kommt, kann er nicht erklären. „Irgendwann bin ich beim Üben auf einmal unsicher geworden und seitdem mache ich nur  kleine Fortschritte.“ Schwierig sind für ihn –  vor allem nur mit Krücken – Treppenstufen. Manchmal steht er bis zu zwei Minuten vor einer und traut sich nicht, sein Bein anzuheben und das Gewicht auf Geländer und Krücke zu verlagern.

Marek Roschers Fortschritte kommen nach und nach

Aber Fortschritte macht er. Sowohl im Laufen mit der Prothese, als auch im Bewegen mit Krücken. Eine Jacke anziehen geht zum Beispiel wieder  im Stehen. Und das obwohl dies eine der schwierigsten Aufgaben für einen Einbeinigen ist, sagen seine Physiotherapeuten.

Autofahren darf er nun auch endlich wieder. Die Ärzte konnten keine bleibenden Schäden seiner Kopfverletzungen erkennen und ein Automatikwagen  ist für Marek kein Problem. Auch zur Arbeit geht er mittlerweile wieder. Angefangen hat er mit vier Stunden am Tag und steigerte sich langsam.

Ein weiterer Schritt zurück ins Leben – im wahrsten Sinne des Wortes, schließlich will Marek Roscher irgendwann wieder auf zwei Beinen durchs Büro gehen. Und mit seiner Tochter spielen.

Sein zweites und neues Leben in vollen Zügen genießen. Mit beiden Beinen fest auf dem Boden.

Story in 3 Minuten 🔥

Meine Story – diesmal mit Ton 🔥💯😎Soviele Fragen, was ist passiert? Jedesmal zu antworten würde ich nicht schaffen, darum hier meine Geschichte in 3 Minuten 🔥💯#marekroscher #fitfam #motivation #limitless #life #nolimit

Gepostet von Marek Roscher am Montag, 16. April 2018

 

 

Lina Brunnée

Lina Brunnée gehört zu den Mitschöpfern von klarnordisch. Ihr Volontariat beendete sie 2018 und hat die Nordwest-Zeitung leider mittlerweile verlassen. Als Gastautorin ist sie aber natürlich weiter gerne gesehen.

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