Nordisch gesehen

Lotte auf dem Kultursommer Oldenburg

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Sie lächelt, beißt sich auf die Unterlippe, tanzt und wirbelt über die Bühne, während die Sonne über dem Schlossplatz in Oldenburg untergeht. Im Publikum gehen die Arme nach oben, es wird geklatscht, ein paar Menschen tanzen, ein Lächeln im Gesicht. Und die Herzen schlagen die Pauken, um das Lied der jungen Musikerin Lotte zu zitieren, die am Freitagabend auf dem Kultursommer in Oldenburg spielte.

Sängerin Lotte auf dem Kultursommer in Oldenburg. (Bild: Claus Hock)
Sängerin Lotte auf dem Kultursommer in Oldenburg. (Bild: Claus Hock)

Vor ihrem Auftritt traf klarnordisch Charlotte Rezbach, wie Lotte mit bürgerlichem Namen heißt, zum Interview – auf einem Fensterbrett im Oldenburger Schloss. Die 23-jährige Musikerin ist gerade auf eigener Festival-Tour, an Bühnenerfahrung mangelt es ihr aber nicht. Sie stand schon als „Vorband“ für Künstler wie Max Giesinger oder Johannes Oerding vor tausenden von Menschen. Wobei „Band“ gar nicht passt, denn die hat sie erst seit kurzer Zeit. Zuvor gab es nur Lotte und ihre Gitarre.

Aber auch als Solokünstlerin konnte die gebürtige Ravensburgerin schon überzeugen. So sehr, dass es „Auf beiden Beinen“, die erste Single-Auskopplung ihres Debütalbums  Querfeldein (2017), sofort in die Top 30 der iTunes-Charts schaffte – und bei YouTube aktuell 1,7 Millionen Views zählt. Ihr deutschsprachiger Singer-Songwriter-Pop steht – im besten Sinne – in der Tradition neuer deutscher Musik und besticht vor allem durch Alltagspoesie.

Lieder wie Tagebucheinträge

Lotte auf dem Kultursommer (Bild: Claus Hock)
Lotte auf dem Kultursommer (Bild: Claus Hock)

Es sind nämlich alltägliche Situationen, Entscheidungen und auch das immer mal vorkommende Gefühlschaos, die Lotte zu ihren Liedern inspirieren. Auch die weiteren Single-Auskopplungen „Pauken“ und „Farben“ brachten ihr neue Fans – und begeisterten die schon gewonnenen.

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Ihre Lieder sind wie Tagebucheinträge: persönlich und emotional. Die mal melancholischen, aber oft genug auch euphorischen Texte von Liedern wie „Fluchtreflex“, „Farben“ oder „Wer wir geworden sind“ schaffen es, sich direkt im Kopf festzusetzen. Lotte profitiert dabei aber auch von ihrer Band, die die Melodien noch ein Stück voller machen als zu Beginn der Karriere der Musikerin.

„Heute morgen hatte ich noch schlechte Laune“, gesteht sie dem Oldenburger Publikum. Aber die hat sich angesichts des Auftritts schon gelegt. Auch beim Interview macht Lotte einen fröhlichen, lockeren Eindruck und lächelt viel. Ihre Augen strahlen – und das tun sie auch noch, als sie ein paar Stunden später die Bühne auf dem Schlossplatz wieder verlässt.

Lotte auf dem Kultursommer: Die Bilder

Was bleibt: viel Herz

Was bleibt nach diesem Freitagabend auf dem Schlossplatz, ist aber vor allem ein gutes Gefühl. Ja, das klingt abgedroschen, aber: Wenn Lotte eines kann, dann ist es Lebensfreude ausdrücken ohne dabei aufgesetzt oder gekünstelt zu wirken. Eine Lebensfreude, die sich wie ein feines Netz über den Schlossplatz legte, die Tanzenden, Zuhörenden, Biertrinkenden, Liebenden, Traurigen und Genießenden gleichermaßen einschloss – und sie gleichermaßen mitnahm.

Als Lotte bei den Zugaben „Pauken“ anstimmte, war dieses Gefühl mancherorts fast greifbar. „Für den Moment steht alles still, nur mein Herz schlägt die Pauken. Weil ich in deiner Nähe nichts mehr will, nur noch Fühlen und Laut drehen“ – wer konnte, verlor sich jetzt im Blick des oder der Liebsten, um dann beim Herz, dass die Pauken schlägt, zu tanzen. Klingt klischeehaft nach lauem Sommerabend mit einem Schuss zu viel Herz? Ja. Und?

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Claus Arne Hock

Jahrgang 1982; Journalist mit Migränehintergrund; Die Kanzlerin hat mir nie ihr Vertrauen ausgesprochen; Volontär in der Presseagentur GanterMedia (Ganderkesee); Musikbegeisterter Film- und Comicfan.

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