Nordisch gesehen

Lilli Karlsson: „Da hat mir das Herz geblutet“

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Die Oldenburger Autorin Lilli Karlsson spricht über Dumping-Preise bei E-Books und warum viele Leser doch lieber zum gedruckten Buch greifen. Obwohl sie mit Frauenromanen bekannt geworden ist, steht Karlsson privat auf ein ganz anderes Genre.

Frau Karlsson, welches Buch haben Sie denn zuletzt gelesen?
Das war ein Thriller von John Grisham „The Whistler“. Ich lese fast ausschließlich auf Englisch. Generell faszinieren mich Justizthriller und das Milieu in Gerichtssälen.

Wie lesen Sie am liebsten – auf Papier oder digital?
Ich bin tatsächlich ein Fan des Prints! (lacht) Denn ich mag dieses Haptische und auch den Geruch von Papier. E-Books habe ich natürlich auch schon gelesen. Aber ich habe meine Bücher lieber im Regal stehen.

Inwieweit hat sich durch Smartphone, Tablet und Co. Ihr Leseverhalten geändert?
Wenn ich im Zug sitze, finde ich es praktisch, online die Leseproben von verschiedenen Büchern bei Kindl oder Tolino nutzen zu können. Das war in dem Umfang zuvor nicht möglich.

Obwohl E-Book-Reader vermeintlich praktischer sind, bleibt der Absatz von Büchern stabil. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Mit dieser Frage habe ich mich auch viel beschäftigt. E-Books machen von allen verkauften Büchern in Deutschland nur etwa sechs Prozent aus. Ich glaube, dass die Leute einfach gerne in einen Buchladen gehen und schmökern. Dort herrscht eine Atmosphäre, die online nicht geliefert werden kann. Nach meiner Erfahrung hat die Frage „E-Book oder Buch?“ übrigens nichts mit dem Alter zu tun. Denn ich kenne mehrere Senioren, die gerade E-Reader nutzen, weil sie so immer viele Bücher bei sich haben.

Was halten Sie von Self-Publishing Plattformen, auf denen Autoren ihre Bücher für wenige Euro verkaufen können?
Das ist ein sehr wichtiges Thema! Ich habe aus verschiedenen Gründen auch meinen eigenen Verlag gegründet. Es ist zum einen schwierig einen Literaturagenten zu finden, der das Produkt an einen Verlag vermittelt. Zum anderen weiß ich von anderen Autoren, dass die Verlage bei Büchern natürlich reinreden. Es werden Namen geändert, Kapitel gestrichen und Handlungsstränge verändert. Das kann seine Berechtigung haben. Aber mein Ziel war es, dass meine Bücher genauso erscheinen, wie ich es wollte. Gerade bei den E-Books ist der Markt nahezu überschwemmt und die Qualität durchwachsen. Dann kosten manche Bücher nur ein bis zwei Euro. Das finde ich schade! Es gibt – davon habe auch ich profitiert – Newsletter, die von Lesern abonniert werden, die auf günstige E-Books achten. Das kann natürlich toll sein, weil man sehr schnell bekannt werden kann. Meine Bücher werden so zum Beispiel in Belgien und Österreich gelesen. In den Oldenburger Buchläden kann ich eben nur eine begrenzte Anzahl an Lesern erreichen. Anderseits macht man sich so die Preise kaputt. Meinen ersten Roman biete ich als E-Book auch schon lange für 99 Cent an und mir hat wirklich das Herz geblutet, als ich den Preis runtergesetzt habe. Von den 99 Cent bekomme ich 29 Cent und den Rest kriegt Amazon. Es geht mir nicht darum reich zu werden. Aber ich glaube, dass dieser Umstand den Leuten gar nicht bewusst ist. Um bekannt zu werden, ist dies aber ein üblicher Weg, auch weil viele Leute nicht bereit sind für einen unbekannten Autor mehr auszugeben.

Wie glauben Sie werden wir zukünftig Bücher lesen?
Ich persönlich denke, dass der Anteil von E-Books noch steigen wird. Wir werden aber nicht ganz vom Print wegkommen. Die Leute werden weiterhin bereit sein, Geld für Printbücher auszugeben, weil sie deren Qualität zu schätzen wissen.

Welche neuen Projekte stehen bei Ihnen zukünftig an?
Ich bin gerade bei meinem vierten „Carla“-Buch. Das wird von meinen Fans schon sehnsüchtig erwartet! Mein Ziel ist es, dieses vor Ende des Jahres zu veröffentlichen. Parallel dazu habe ich schon weitere Buchprojekte angefangen. Ich entwickle gerade einen Krimi, der in meinem Kopf auch schon ziemlich weit ist. Dann habe ich bereits einen weiteren Roman angefangen, der im selben Genre wie „Carla“ spielt.

 

Mehr zur Oldenburger Autorin Lilli Karlsson findet ihr sowohl auf ihrer Homepage www.lilli-karlsson.de als auch auf ihrer Facebook-Seite.

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