Nordisch gesehen

Liedermacher und Musik in Moll: Die Playlist der Woche (KW 27)

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Musik ist wichtig für die Autorinnen und Autoren von klarnordisch.de. Dabei hat natürlich jeder so seine ganz eigenen Vorlieben, von 60’s bis Charts . Da jedem von uns ständig irgendein Lied im Kopf rumschwirrt, machen wir aus den Ohrwürmern einfach Artikel – und präsentieren euch unsere Playlist der Woche!

Nathalie Meng (Jahrgang 1988) mag handgemachte Musik mit melancholischem Grundton. Und Sprachen. Beides merkt man ihrer Playlist an. Die Spotify-Playlist findet ihr am Ende des Artikels. Falls es euch zu soft oder zu schwermütig wird, bitte trotzdem auf jeden Fall das letzte Lied anhören – das ist wichtig, für unsere Gesellschaft und so.

Kat Frankie – Bad Behaviour

Kat Frankie (Foto: Harry Horstmann; CC BY-SA 3.0)

Bekannt geworden ist die seit 2004 in Berlin lebende Australierin mit melancholisch-gefühliger Songwritermusik: Anfangs viel Gitarre, später mehr Klavier und vor allem der vervielfachte Einsatz der eigenen grandiosen Stimme per Loopstation. Im Februar kam mit „Bad Behaviour“ nun Kat Frankies erstes Album seit 2012 raus – und das klingt nach einem wunderbar gelungenen Experiment à la Synthie-Trip-Pop mit starken Vocals. Oder so. Mit dem Titelsong hoppelt man jedenfalls gut gelaunt ins ganze Album. Zwischen ihrem letzten Album („Please don’t give me what I want“) und „Bad Behaviour“ hat Kat Frankie übrigens nicht nichts gemacht, sondern sie hat unter anderem in der Band von Olli Schulz gespielt, hat zusammen mit dem Kölner Musiker Chris Klopfer als Band KEØMA ein Album aufgenommen (das Synthie-Pop-Duo nahm 2016 sogar beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest teil) und mit Clueso „Wenn du liebst“ gesungen. Am 5. August tritt Kat Frankie beim Watt en Schlick in Dangast auf.

Auch hören: Please don’t give me what I want; Frauen verlassen; People; Spill

 

Ben Howard – Nica Libres at Dusk

Ben Howard (Foto: Neon Tommy; CC BY-SA 2.0)

Und auch Ben Howard hat sich Zeit gelassen mit seinem neuen Album: Fast dreieinhalb Jahre mussten Fans des jungen (gilt 31 eigentlich noch als jung?) Briten auf „Noonday Dream“ warten – und  beim Hören hat man streckenweise tatsächlich das Gefühl, in einem dunklen, rauschigen Tagtraum zu mäandern. Auf Normaldeutsch: Ben Howards Musik ist noch ein bisschen ernster und melancholischer geworden und lädt zum Tagträumen ein. Ausprobieren kann man das mit „Nica Libres at Dusk„. Wer beim ersten Hören keinen Gefallen daran oder an dem gesamten Album findet, kann es sein lassen oder aber: Nochmal und nochmal hören – dann macht es vielleicht doch noch ganz laut „Klick“ und man möchte das Album nochmal und nochmal und nochmal hören.

Wer die Chance hat, Ben Howard live zu sehen, sollte sie nutzen, denn: Zuzuschauen, wie der Sänger mit seiner Gitarre zu verschmelzen und seine Band sowie eine gefüllte Konzerthalle zu vergessen scheint, ist ein wahrer Genuss.

Auch hören: Time Is Dancing; End of the Affair; Only Love; A Boat to an Island on the Wall

 

Crystal Castles ft. Robert Smith – Not in Love

Crystal Castles (Foto: chriszak (https://www.flickr.com/photos/chriszak/2697162576/); CC BY-SA 2.0

Zu der Band kann ich nichts sagen, ich kenne sie überhaupt nicht. Ich weiß mittlerweile nur, dass Crystal Castles eine kanadische Elektroband ist, die 2011 zusammen mit Robert Smith von The Cure einen Song der ebenfalls kanadischen New-Wave-Band Platinum Blonde gecovert hat – und über diesen Song, „Not in Love„, bin ich vor ein paar Monaten gestolpert, einfach so. Ich war sofort, na ja, in love mit dem Song. Denn selten habe ich ein so unüberzeugendes „Nee, nee, ich liebe dich ja mal überhaupt nicht“ gehört. „I’m not in love“ wird hier so oft wiederholt, dass man fast schon dazwischengrätschen und sagen möchte: „Jetzt gib’s doch endlich zu: You are ganz schön in love“. Aber manch einer kennt ja vielleicht das Gefühl, wenn sich alles dagegen wehrt, sich ausgerechnet jetzt in ausgerechnet diese Person zu verlieben, weil das gerade überhaupt nicht geht. Dabei ist es dann meist längst zu spät für jegliche Gegenwehr.

Auch hören: Das Original von Platinum Blonde

 

Phosphorescent – Song for Zula

Phosphorescent (Foto: rawkblog.blogspot.com; CC BY 2.0)

Matthew Houck war schon mehr als zehn Jahre unter dem Namen Phosphorescent unterwegs und hatte mit mäßigem Erfolg bereits fünf Alben veröffentlicht, als sein sechstes Album, „Muchacho“, den amerikanischen Indie Folk/Pop-/Alternative Country-Sänger plötzlich doch etwas bekannter machte. Ich wurde durch den Trailer für „Captain Fantastic“ (ein wahrlich fantastischer Film mit Viggo Mortensen)  auf Phosphorescent aufmerksam und war sofort verzaubert vom „Song for Zula„.

Auch hören: Wolves; Ride on / Right on; Hey that’s no way to say goodbye (bezauberndes Leonard Cohen-Cover)

Spinvis – Aan de oevers van de tijd

Spinvis (Foto: Victor van Werkhooven; CC BY 3.0)

Ein wichtiges Element meiner Berliner WG, in der ich von 2012 bis 2014 wohnte, waren Couchsurfer. Meist eine Bereicherung, manchmal skurril, hin und wieder auch ein Reinfall, beherbergten wir im Laufe der Zeit junge Leute aus den verschiedensten Ländern, am häufigsten kamen unsere unbekannten Gäste jedoch aus Kanada oder den Niederlanden. Im Oktober 2013 war Liesa aus Eindhoven zu Besuch, wir verstanden uns bestens und plauderten bei Wein und Stampot über Gott und die Welt – und eben über Musik. Ich erzählte Liesa, dass ich ein großes Herz für melancholische Liedermacher habe und sie spielte mir „Aan de oevers van de tijd“ von Spinvis vor.  Ich verstand zwar wenig, hörte den Song aber für ein paar Wochen in Dauerschleife, weil er so träumerisch traurig-schön ist. Dann vergaß ich ihn wieder, bis ich vor zwei Jahren einen Niederländischkurs belegte. Wieder hörte ich „Aan de oevers van de tijd“ in Dauerschleife, dieses mal auch andere Lieder von Spinvis, außerdem verstand ich schon mehr. Nach ein paar Wochen vergaß ich sie wieder. Anfang dieses Jahres machte ich einen weiteren Niederländischkurs,  hörte wieder Spinvis und verstand mittlerweile schon ganz schön viel. Erik de Jong, wie der Sänger in Wirklichkeit heißt, hat übrigens erst mit Anfang 40 sein erstes Album herausgebracht, also: Never give up on your dreams! Aktuell tourt er durch Belgien und die Niederlande. Mehr dazu gibt’s hier: https://showcase.fm/spinvis

Darf ich jemanden grüßen? Dann grüße ich Liesa aus Eindhoven!

Auch hören: Kom terug; Bagagedrager; Ik wil alleen maar zwemmen

 

The Black Keys – Things Ain’t Like They Used to Be

Black Keys (Foto: Music54; CC BY-SA 4.0)

Die Black Keys machen fabelhafte Auto-Musik, vor allem für warme Sommerabende. Zur Verdeutlichung: Letztes Jahr fuhr ich mit einer Freundin in einem alten türkisfarbenen Seat Marbella (der sieht aus wie der Fiat Panda, nur ist er eben spanisch statt italienisch) in der brütenden Vorsommerhitze durch Schwarzwaldtäler und -berge. Wir wechselten uns ab mit Fahren – während eine fuhr, war die andere für Musik und sonstige Unterhaltung zuständig. Ich mochte letzteren Part lieber. Als wir am Abend gen Westen Richtung Frankreich und dem Sonnenuntergang entgegen fuhren, ließ ich „Things ain’t like they used to be“ spielen. Meine Freundin kommentierte den Moment wie folgt: „Jetzt hätte ich gern ne Kippe und nen Whiskey.“ Meine Antwort: „Du fährst aber gerade.“

Darf ich noch jemanden grüßen? Dann grüße ich Agnes!

Auch hören: The only one; All you ever wanted; Howlin‘ for you

 

DeVotchka – The Man from San Sebastian

DeVotchka (Foto: Sarah Stierch; CC-BY 4.0)

Warum dieser Song? Keine Ahnung. Wahrscheinlich, weil er schön ist und trotz der für diese Playlist obligatorischen melancholischen Grundstimmung irgendwie gute Laune macht. Lust auf draußen sein, am Meer in San Sebastian oder sonst wo, auf Tanzen auf saftigen Wiesen. Gekommen bin ich auf DeVotchka über den aus diversen Filmen (etwa „Little Miss Sunshine“) bekannten Song „How it ends„. Wer den undefinierbaren Stil irgendwo zwischen Gypsy, Polka, Mariachi, Folk, Rock und gar ein bisschen Punk mag, sollte sich mehr anhören, zum Beispiel:

La llorona; All the sand in all the sea

 

Sophie Hunger – Le vent nous portera

Sophie Hunger (Foto: Vincent Eisfeld; CC BY-SA 4.0)

Eigentlich ist es nicht fair, an dieser Stelle ausgerechnet ein Cover in die Playlist aufzunehmen, schließlich schreibt die grandiose Schweizer Sängerin seit Jahren ihre eigenen Songs. Sie singt nicht nur auf Französisch, sondern vor allem auf Englisch, aber auch auf Deutsch und sogar auf Schwiizerdütsch. „Le vent nous portera“ von der französischen Rockband Noir Désir interpretiert Sophie Hunger aber so wunderschön, dass man es sich einfach anhören muss – und  dabei möglicherweise Sophies Zauber verfällt. Trotzdem nicht entgehen lassen sollte man sich Sophie Hungers eigene Songs, zum Beispiel: Walzer für Niemand, D’Red, LikeLikeLike (sehr sehenswertes Video: Sophie Hunger kickt auf Highheels einen Volleyball durch Paris), Das Neue und brandneu vom für Ende August angekündigten neuen Album: She Makes President (das Lied soll sie während des Präsidentschaftswahlkampfes in den USA geschrieben haben).

Im Herbst  geht Sophie Hunger übrigens auf Tour und macht unter anderem in Hamburg (29. und 30. September und 2. Oktober), Osnabrück (1. November) und Bremen (8. November) Halt.

 

Kid Kopphausen – Das Leichteste der Welt

Gisbert zu Knyphausen (Franz Deelmann; CC BY-SA 3.0 de)
Nils Koppruch (Foto:Roger Koslowski; CC BY-SA 3.0)

Das Bandprojekt von Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch, Kid Kopphausen, war ein strahlender Stern am deutschen Liedermacherhimmel – und erlosch viel zu früh nach nur einem Jahr und einer ausverkauften Premierentournee für das gemeinsame Album „I“: Im Oktober 2012 ist der Hamburger Musiker und Künstler Nils Koppruch im Alter von nur 46 Jahren überraschend verstorben. „Das Leichteste der Welt“ ist eine poetisch-rockige Liebeserklärung an das Leben mit all seinen Widrigkeiten:

Denn jeder Tag ist ein Geschenk, er ist nur scheiße verpackt, und man fummelt am Geschenkpapier rum und kriegt es nur mühsam wieder ab.

Aber, nicht so schlimm, denn:

Never mind the darkness, baby, you will be saved by Rock ’n‘ Roll!

Auch hören: (von Kid Kopphausen) Wenn ich dich gefunden hab, Hier bin ich; (von Gisbert zu Knyphausen) Sommertag, Kräne, Das Licht dieser Welt; (von Nils Koppruch) Kirschen (Wenn der Sommer kommt), In die Stille 

 

Beirut – Sunday Smile

Frontman Zach Condon (Oxfordwhites ; CC BY-SA 4.0

Schon wieder undefinierbare Folk-/Gypsy-/Balkanmusik mit vielen Instrumenten und einem schwermütigen Grundton: Die US-amerikanische Band Beirut besteht seit 2006 in wechselnder Besetzung, immer dabei war Gründer, Frontman und Multiinstrumentalist Zach Condon. „Sunday Smile“ stammt vom zweiten Album „The Flying Club Cup“ (2007) und eignet sich auch mehr als zehn Jahre später noch optimal als Ausgangspunkt für Tagträumereien an einem Sommersonntag.

Auch hören: Nantes, Santa Fe, The Ripe Tide, Prenzlauerberg

 

PJ Harvey & Thom Yorke – This Mess We’re In

Wenn sich die britische Songwriterin Polly Jean „PJ“ Harvey und Radiohead-Frontman Thom Yorke zusammentun, kann eigentlich nur etwas Schönes dabei rauskommen – und etwas Trauriges. Der Beweis dafür ist das bittersüße Duett „This mess we’re in„:

PJ Harvey (Foto: Ella Mullins; CC BY 2.0)

Don’t ever change now baby
And thank you
I don’t think we will meet again
And you must leave now
Before the sun rises over the skyscrapers
And the city landscape comes into being.

Auch hören: (PJ Harvey) Down by the water, The wind; (Thom Yorke) Hearing Damage; (Radiohead) Weird Fishes/Arpeggi

 

Alela Diane – The Pirate’s Gospel

Alela Diane (Foto: Martijn vdS; CC BY 2.0)

Zu diesem Song gibt’s nicht so viel zu sagen. Ich kannte bis vor kurzem weder Lied noch Sängerin – Spotify schlug mir den Song vor, weil er mir „basierend auf den Songs dieser Playlist“ wohl gefallen könnte. Recht gehabt! Ich hab mich allerdings noch nicht weiter in die Musik der amerikanischen Folksängerin Alela Diane eingearbeitet, empfehle für Neugierige aber diesen Konzertmitschnitt auf Arte.

Für noch Neugierigere: Alela Diane tourt im Herbst durch Europa. Konzerte in Deutschland gibt es leider nicht,  sehr wohl aber in Groningen (1. November).

Auch hören: Tired Feet, Ether & Wood, The Rifle

 

Calexico – Beneath the City of Dreams

Calexico (Foto: Ice Boy Tell; CC BY-SA 4.0)

Folk? Americana? Mariachi? Tex-Mex?  Indie Rock? Ein Freund von mir erklärte einem Bekannten, der die US-amerikanische Band Calexico nicht kannte, deren Stilrichtung knapp, aber treffend: „Das ist Musik, die einem Tarantino-Film entsprungen sein könnte.“ „Beneath the city of dreams“ ist beispielhaft dafür – es würde mich nicht wundern,  den Song im Abspann von Quentin Tarantinos nächstem Film zu hören.

Wenn ich an dieser Stelle noch ein letztes Mal jemanden grüßen darf, dann ist das Alan.

Calexico sind übrigens gerade auf Europa-Tournee. Am 10. August gastieren sie in Hannover.

Auch hören: Gypsy’s Curse, Goin‘ to Acapulco, Flores y Tamales

 

The Gloaming – The Pilgrim’s Song

The Gloaming (Foto: MrMattO1970; CC BY-SA 4.0)

Ich mag traditionelle irische Musik, zumindest sofern sie nicht kitschig und viel zu laut aus den Lautsprechern von Souvenirläden in Dublin, Kerry oder überall sonst, wo sich in Irland Touristen tummeln, dröhnt. Ich hab mehrfach ein paar Monate in Irland verbracht, wohl deshalb löst irisches Gefiddel bei mir eine merkwürdige Mischung aus Fern- und Heimweh aus. In den letzten Jahren scheint es ein Revival des Irish Traditional gegeben zu haben: Zahlreiche auch junge Musiker fiddeln, flöten, trommeln und singen – teilweise in irischer Sprache – wieder im Sinne der traditionellen Musik der grünen Insel und begeistern damit auch über Landesgrenzen hinaus. Zum Beispiel die irisch-amerikanische Band The Gloaming. „The Pilgrim’s Song“ verzaubert allein schon durch den mystischen Klang des gälischen Gesangs. Was die da singen? Keine Ahnung, ich versteh ja kein Irisch. Aber was Böses kann es gar nicht sein, so schön wie das klingt!

Auch hören: (von The Gloaming) Fáinleog, (von Lynched/Lankum) Cold old Fire, (von Ye Vagabonds) Willie O’Winsbury

 

Manel – Al mar

Manel (Foto: Alterna2 http://www.alterna2.com; CC BY 2.0)

Und wenn wir gerade schon bei europäischen Minderheitensprachen sind, präsentiere ich euch noch eine wundervolle Band aus Barcelona: Bei  Manel singt man auf Katalanisch, und das schon  seit 2008 (Oh oh: Wenn das ein Katalane  liest – „Katalanisch“ in Verbindung mit „Minderheitensprache“, dann gibt’s Haue). Und auch bei „Al mar“ wird das Fern-Heimweh in mir geweckt – in Barcelona habe ich ein Erasmus-Semester verbracht, vor mittlerweile auch schon wieder acht Jahren, und mich ein wenig in die katalanische Sprache verliebt. Die klingt für mich nämlich ein klitzekleines bisschen schöner als Spanisch. Das wiederum darf jetzt kein Spanier lesen. Sonst gibt’s vielleicht nochmal Haue.

Auch hören: Ai, Dolors, Els guapos son els raros

 

Konstantin Wecker – Sage Nein

Dieses letzte Lied meiner Playlist fällt jetzt ein wenig aus dem Rahmen – aber es ist soooo wichtig! Als ich „Sage Nein“ zum ersten Mal hörte, war ich sechs Jahre alt. Zwar habe ich fröhlich mitgegrölt, wie bei so vielen anderen Liedern von Konstantin Wecker, Hannes Wader und Co  – mit Liedermacher-Musik bin ich groß geworden. Verstanden habe ich die Bedeutung vieler dieser Lieder allerdings erst etwa zehn Jahre später, als ich den Liedermacher-Plattenfundus meiner Eltern penibel durchforstete.  Plötzlich hörte ich „Sage Nein“ mit anderen Ohren, hätte aber nie, nie, nie gedacht, dass das Lied heute, rund 15 Jahre, später nochmal deutlich an erschreckender Aktualität gewonnen haben werden wird:

Konstantin Wecker (Foto: Jörgens.mi ; CC BY-SA 4.0)

Wenn sie jetzt ganz unverhohlen
wieder Nazi-Lieder johlen,
über Juden Witze machen,
über Menschenrechte lachen,
wenn sie dann in lauten Tönen
saufend ihrer Dummheit frönen,
denn am Deutschen hinterm Tresen
muss nun mal die Welt genesen,
dann steh auf und misch dich ein:
Sage nein!

Vor zwei Jahren war ich in Leipzig bei einem Konzert von Konstantin Wecker. In Zeiten von Pegida, Legida, AfD und fast täglichen Angriffen auf Menschen, die scheinbar „fremd“ sind, lief es mir damals bei den ersten Takten von „Sage Nein“ eiskalt über den Rücken. Und die Lage ist ja jetzt nicht besser geworden, nein, vielmehr möchte ich immer häufiger gerne unsere gesamte Republik mit diesem Lied beschallen. Damit es endlich mal alle verstehen: NEIN!  Nein zu Rassismus! Nein zu Faschismus! Nein zu Sexismus! Nein zu Antisemitismus! Nein zu Homophobie! Und nein zu allem, was ich jetzt vergessen habe.  Stattdessen: Ja zu Menschlichkeit. Ganz einfach.

Konstantin Wecker ist zwar schon über 70, aber trotzdem immer noch ständig auf Tour. Ist ja auch kein Wunder -schließlich hat er viel zu sagen. Sein nächstes Konzert in Oldenburg ist am 16. Dezember in der Kulturetage.

Auch hören: Willy, Empört euch, Wenn der Sommer nicht mehr weit ist

Nathalie Meng

Als Schwarzwaldmädchen geboren, in den vergangenen zehn Jahren jedoch häufig umgezogen, unter anderem nach Berlin, Leipzig, Barcelona. Und nun eben nach Oldenburg. Sagt nach wenigen Monaten im Nordwesten meist schon ganz automatisch "Moin". Mag Schafe, Schiffe und Seefahrerromantik - da kommt ihr die Nähe zum Meer in der neuen Heimat ganz gelegen. Aus ihrer alten Heimat vermisst sie allerdings hin und wieder eine richtige Butterbrezel und hügelige Laufstrecken. Hatte lange Angst vor ihrem dreißigsten Geburtstag. War dann gar nicht so schlimm.

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