Nordisch leben

Katzen verbringen die letzten Tage im Hospiz

Google+ Pinterest LinkedIn Tumblr

Einige der Katzen sind behindert und wurden sogar misshandelt. Im Katzenhospiz „Muffin and Friends“ kümmert sich Annemarie Gerken liebevoll um sie und begleitet die kranken Stubentiger auf dem letzten Weg.

„Kinder“, ruft Annemarie Gerken im Außengehege auf ihrem Grundstück und schon kommen mehrere Katzen aus vielen verschiedenen Ecken angerannt und wuseln um die Beine der 48-Jährigen. Insgesamt sind 55 Stubentiger bei Annemarie Gerken und ihrem Mann in Kayhauserfeld zuhause. Je nachdem, ob die Katzen akute Pflege benötigen oder nicht, leben sie in zwei Außengehegen oder im Haus.

Zum Teil wurden gleichzeitig schon über 100 Katzen im Hospiz beherbergt, doch Annemarie Gerken versucht, die Truppe kleiner zu halten und nimmt weniger Neuzugänge auf.

„Das ist auch eine Kostenfrage, wegen der Tierarztkosten.“ Über 40.000 Euro wurden vergangenes Jahr für Medikamente, Untersuchungen und Behandlungen ausgegeben. Die Futterkosten fallen dabei weniger ins Gewicht. Das Hospiz finanziert sich über Spenden, Patenschaften und Vereinsmitgliedschaften. „Wir haben Monate, da reicht das Geld“, in anderen Monaten muss das Ehepaar Kosten selbst aufbringen. Dennoch macht Gerken die Arbeit gerne – und das auch, obwohl es ein Vollzeitjob ist. Urlaub kommt zu kurz, da viele Katzen rund um die Uhr betreut werden müssen.

Katzenhospiz in Kayhauserfeld: Annemarie Gerken

Doch wie entstand das ungewöhnliche Hospiz? Zunächst betrieb Gerken eine private Pflegestelle für Katzen in Zusammenarbeit mit dem Tierschutzverein Ammerland. 2012 gründete sie dann den Verein „Muffin and Friends“. Dabei betont sie, dass das Katzenhospiz kein Gnadenhof sei. „Die Tiere, die hier sind, werden nicht vermittelt“, so Gerken. „Zum Hospiz geht man, wenn man krank ist und nicht mehr lange hat.“ Ihre Schützlinge leiden an verschiedenen Krankheiten oder Handicaps.

Schlaganfälle, Herzprobleme oder Leukose: Jedes Tier im Hospiz braucht eine besondere Pflege. Darunter sind auch Katzen, denen ein Bein fehlt oder die querschnittsgelähmt sind. Doch das schränkt sie noch lange nicht ein: Mit ein paar Sprüngen geht es auch mit nur drei Beinen die Treppe hoch. Und der querschnittsgelähmte Murr ist voller Lebensfreude, obwohl er als Kätzchen misshandelt wurde, sagt Gerken. Da solche Tiere oft nicht mehr vermittelt werden können, wendete sich Tierheime oder Tierschutzvereine an das Hospiz.

Allerdings muss sich die Tierfreundin immer wieder von liebgewonnenen Katzen verabschieden. „Wir hängen an allen Tieren, aber man muss schon gucken, wenn es wirklich nicht mehr geht.“

Der Verein finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, Patenschaften und Spenden. Weitere Informationen über das Katzenhospiz zu Spendenmöglichkeiten gibt es auf der Website des „Vereins Muffin and Friends“

Bilder: Anna-Lena Sachs
Anna-Lena Sachs

27-jährige Oldenburgerin, Seriennerd und geborener Lax mit einem Bachelor in American Studies und einem Master in Journalismus.

Schreibe einen Kommentar