Nordisch leben

In Hude wird für den Ernstfall trainiert

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Ein Bild der Zerstörung bietet sich den ankommenden Notfallsanitätern: Vor einem Auto liegt eine junge Frau, über ihr ein Fahrrad. Davor steht ein Auto, zwei Personen sitzen vorne. Und auch hinter dem silbergrauen Ford liegt eine junge Frau. „Du schaust nach der Frau hier vorne und gehst dann nach hinten. Ich sehe nach den zwei Personen im Auto. In zwei Minuten treffen wir uns wieder hier.“ Gesagt, getan.

An die Unfallstelle kommen nun immer mehr Retter. Sie werden von den beiden jungen Notfallsänitätern auf Stand gebracht, teilen sich auf und beginnen mit der Behandlung der insgesamt vier Patienten. Alles läuft ruhig und doch blitzschnell, jeder Handgriff sitzt.

Ausbildung beim DRK

Dass diese jungen Menschen so routiniert mit dem Verkehrsunfall, der zu Übungszwecken gestellt wurde, umgehen, ist ihrer Ausbildung zu verdanken. Denn diese Frauen und Männer aus dem Oldenburger Land werden unter anderem in der Rettungsschule des Deutschen Roten Kreuz (DRK) an der Huder Parkstraße zu Notfallsanitätern ausgebildet. Das ist die höchste nichtärztliche Qualifikation auf dem Rettungswagen.

Erster Gang: Die Patienten ansprechen

Seit 1. Januar heißt die Rettungsschule „Zentrum für Integration und Bildung Oldenburg-Land“ und ist keine Außenstelle der DRK Landesrettungsschule Niedersachsen, sondern selbstständig. „Wir wollen als attraktiver Standort für eine gute Ausbildung weiter wachsen“, erläutert Felix Bernau, Leiter des Bildungszentrums die Beweggründe.

Denn an der Huder Parkstraße pauken nicht nur Notfallsanitäter in ihrer dreijährigen Ausbildung. Auch Rettungsassistenten, Hygienebeauftragte oder Medizinprodukt-Beauftrage werden hier ausgebildet. Erste-Hilfe-Kurse sollen hier zukünftig verstärkt angeboten werden. „Mediziner, Arzthelfer, Fachkräfte im medizinischen und sozialen Bereich müssen sich fortbilden. Integrationskurse sind geplant. Das wichtigste Feld bleibt aber der Rettungsdienst“, erläutert Roar Abel, der beim DRK Hude für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Die Auszubildenden behandeln die Patienten vor Ort – dabei kommen auch Beatmungsgeräte zum Einsatz.

Planung begonnen

Die Planung für weitere Kurse laufe gerade an, erzählt Schulleiter Bernau. „Die Auslastung wird stimmen“, ist er sich sicher. Seit 1998 werden in Hude bereits kleinere Gruppen unterrichtet, seit 2014 wird hier auch die Ausbildung zum Notfallsanitäter angeboten, der die vorherige Bezeichnung Rettungsassistent ablöst. Drei weitere Lehrkräfte sind hier tätig, die seit vielen Jahren im Rettungsdienst arbeiten.

Patienten beruhigen

Im hinteren Teil der Rettungsschule geht es beim Unfallszenario nach der Einschätzung der Lage darum, die vier Patienten bestmöglich zu versorgen. Andreas aus Bremervörde ist als Beifahrer nicht verletzt, Anne-Maike ist mit ihm an die Seite gegangen und redet beruhigend auf ihn ein. „Er hat nur einen Schock und muss betreut werden. In der Ausbildung geht es auch viel um Kommunikation. Darum, das – wie hier auch – manchmal schon Worte reichen“, sagt die 22-Jährige, die beim DRK-Kreisverband Cloppenburg ihre Ausbildung absolviert. Neben dem Unterricht, der oft in Blöcken statt findet, gehören auch die Tätigkeit in einer Rettungswache und die klinische Ausbildung dazu.

„Die Fahrerin des Autos ist schwer verletzt, weil sie nicht angeschnallt war. Die Person vorne ist auf dem Gepäckträger mitgefahren und die Frau hinten saß auf dem Fahrrad, ist beim Unfall aber über das Auto geschleudert worden. Sieht nach einer Beckenfraktur und einem Schädelhirntrauma aus“, erklärt Anne-Maike die Szene. „Fraglich ist ein Schaden an der Wirbelsäule. Das kann erst im Krankenhaus richtig geprüft werden, deswegen muss man die Patienten immer so behandeln, als ob sie was mit der Wirbelsäule haben“, ergänzt Andreas (31).

Erfahrung im Ehrenamt

Die beiden Auszubildenden haben bereits Erfahrungen als Rettungssanitäter gesammelt. „Ein Großteil der Auszubildenden hier hat gewisse Vorerfahrungen“, beobachtet auch Bernau. Die sei aber keine Voraussetzung. Und auch vor den Notfallsanitätern, die Chef über den Rettungswagen sind und dem Notarzt zuarbeiten, macht der Fachkräftemangel nicht Halt. „Die Kreisverbände bilden nach und nach immer häufiger aus, es gibt viele Bewerbung“, sagt Bernau. So leisten die Huder, die nicht ausschließlich für das DRK den schulischen Teil der Ausbildung organisieren, einen wichtigen Beitrag gegen den Fachkräftemangel.

Auch wichtig: Das Gespräch mit den Verletzten oder Unfallbeteiligten suchen

Und so soll hier auch zukünftig für den medizinischen Nachwuchs gesorgt werden. Der Schulungsraum, der mit einem Rettungswagen-Nachbau, Übungspuppen und Verbänden ausgestattet ist, soll wachsen. Und auch das Angebot rund um das neue Zentrum für Integration und Bildung Oldenburg-Land soll dank der neuen Selbstständigkeit größer werden.

 

Mareike Wübben

Einmal quer durch den Nordwesten - geboren wurde ich in der Friedensstadt Osnabrück, studiert habe ich am Meer in Wilhelmshaven - und zwar Medienwirtschaft und Journalismus - also "irgendwas mit Medien". Aufgewachsen bin ich jedoch im Oldenburger Münsterland - wo ich an den Ahlhorner Fischteichen, an der Talsperre oder im Wald am besten entspanne. Aber auch in Lissabon, an der Ostsee oder auf Mallorca genieße ich Land, Leute, Kultur und das Essen - ich koche aber auch gern :)

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