Nordisch leben

Fynn Klün und die kindliche Leichtigkeit der Kunst

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Farbdosen und -töpfe sammeln sich auf der Fensterbank und auf dem Boden. Wo man auch hinsieht bunte Farbkleckse; an den Wänden hängen Zettel voller Notizen und Ideen.  Der 23-jährige Fynn Klün hat sich voll und ganz seiner Kunst verschrieben. Jetzt geht ein großer Wunsch in Erfüllung – er zeigt seine Kunstwerke in seiner eigenen Ausstellung.

Das kleine WG-Zimmer ist spartanisch eingerichtet. Bis auf ein paar persönliche Gegenstände und einer Matratze, die als Bett dient, finden sich hier nur Leinwände – 15, vielleicht 20 Stück  in allen verschiedenen Größen. Fast wirkt es so, als wäre die komplette Wohnung, in der er in Oldenburg mit zwei Mitbewohnern lebt, ein einziges großes Kunstwerk. „Insgesamt sind in den letzten Jahren bestimmt 150 bis 200 Bilder entstanden“, sagt Fynn Klün. Gemalt habe er schon immer: „Na klar, als Kind macht man das doch die ganze Zeit. Die meisten hören nur irgendwann wieder damit auf, ich nicht.“ Vor zehn Jahren fing er dann als „Sprayer“ an und sprühte auf großen, dünnen Holzplatten. Doch diese Phase sei recht schnell wieder zu Ende gewesen. Heute fertigt Fynn Klün seine Kunstwerke mit Acrylfarbe an.

Überall in Fynns Wohnung stehen Farben, Leinwände und andere Malutensilien. (Bild: Christian J. Ahlers)
Überall in Fynn Klüns Wohnung stehen Farben, Leinwände und andere Malutensilien. (Bild: Christian J. Ahlers)

Vor fast vier Jahren zog der gebürtige Wittmunder nach Oldenburg – für die Kunst versteht sich. Übrigens hat sich der 23-Jährige sehr bewusst gegen ein Kunststudium entschieden. „Für mich bedeutet Kunst Freiheit. Und wenn jemand mir sagt, wie ich etwas machen soll oder wie es ,richtig‘ ist, dann ist das für mich genau das Gegenteil von Freiheit“, sagt er. Stattdessen arbeitet Fynn Klün nebenbei in einer Weinhandlung. Der Nebenjob hilft ihm dabei „Wohnung und Essen“ zu finanzieren, wie er selber sagt. „Die restliche Zeit konzentriere ich mich auf die Malerei“, sagt er. In seine Kunst steckt der junge Mann viel Herzblut. Und, dass er dabei auf eigenen Beinen stehen kann – nicht auf finanzielle Unterstützung seiner Eltern angewiesen ist – ist ihm besonders wichtig.

Die erste eigene Ausstellung

Am 18. und 19. Oktober stellt er im Hof Dinklage in Oldenburg 26 Bilder aus, die seinen Werdegang der letzten eineinhalb Jahre zeigen sollen. Besucher können die Ausstellung zwischen 16 und 20 Uhr besuchen. Warum gerade dieser Zeitraum? Im Frühjahr 2016 reiste Fynn Klün drei Monate lang durch Jamaica – auch, um sich inspirieren zu lassen. „Aber dort zu Malen war gar nicht mal so einfach. Es fehlten die richtigen Materialien. Trotzdem habe ich das Gefühl, mich seitdem enorm weiterentwickelt zu haben“, sagt der junge Künstler.

Vor seiner Reise habe er ausschließlich abstrakt gemalt. Danach fing er mit symbolischen Motiven an und benutzte dabei die verschiedensten Techniken. Eines ist aber immer gleich: „Die Symbole auf meinen Bildern finden sich immer wieder.“ So male er beispielsweise Häuser, Kakteen, Pferde, Weingläser – und das auf unterschiedliche Art und Weise, mit verschiedenen Techniken und Utensilien.

Bloß keine Perfektion

Oft bekommt Fynn Klün gesagt, seine Kunst sei „einfach, primitiv und naiv“ – aber das ist dem jungen Künstler durchaus bewusst. „Genau das möchte ich rüberbringen“, sagt der 23-Jährige. „Für mich geht es nicht darum alles richtig zu machen, sondern irgendwas zu machen und meiner Kreativität freien Lauf zu lassen“, erklärt Fynn Klün. Mit seinen Bildern möchte er eine gewisse Leichtigkeit, eine direkte Art rüberbringen. Er habe unendlich viele Ideen „und früher oder später wollen die raus. Ich muss dann ausprobieren, ob das, was ich mir vorgestellt habe, auch umzusetzen ist.“ .

Fynn steht vor seinem "Vision Board" für die bevorstehende Ausstellung. (Bild: Christian J. Ahlers)
Fynn Klün steht vor seinem „Vision Board“ für die bevorstehende Ausstellung. (Bild: Christian J. Ahlers)

Schon seit gut drei Jahren plant Fynn Klün diese, seine allererste eigene Ausstellung. Vor zwei Jahren zeigte er bereits einige seiner Bilder im Nordseebad Cliner Quelle in Carolinensiel. Doch dieses Mal hat er einen kompletten Ausstellungsraum nur für sich. Vier Monate habe er alles akribisch geplant. „Eigentlich drehen sich gerade all meine Gedanken nur darum“, sagt er. Eine Wand seines Wohnzimmers nutzt der 23-Jährige derzeit als „Vision Board“. Hier sammelt er Notizen, Ideen und alles, was ihm im Laufe der Planung im Kopf umher geschwirrt ist. Sein Ziel ist es, die Neugierde der Besucher zu wecken und natürlich auch, sie auf ihn aufmerksam zu machen. „Wenn man als Künstler nicht ausstellt, dann kann man auch kein Interesse wecken“, weiß er.

Eigene Technik, eigener Stil

Das Bild "Zebra" soll Mittelpunkt der Ausstellung sein. Deshalb ziert es auch die Einladungskarten. (Bild: Christian J. Ahlers)
Das Bild „Zebra“ soll Mittelpunkt der Ausstellung sein. Deshalb ziert es auch die Einladungskarten. (Bild: Christian J. Ahlers)

Das „Zebra“ soll das Herzstück der zweitägigen Ausstellung sein und ist derzeit auch das Lieblingsbild des 23-Jährigen. Entstanden ist es durch seine ganz eigene Technik, die seinen Stil zumindest zur Zeit stark prägt. Dafür benutzt er dicke Farbe, mit denen er Formen, Symbole und Figuren freihändig direkt aus der Farbflasche auf die Leinwand „gießt“. Wenn die Linien getrocknet sind, dienen sie als Abgrenzung zwischen den einzelnen Flächen. In einem nächsten Schritt nutzt Fynn Klün stark verdünnte Farbe, um die so entstandenen Flächen bunt zu gestalten. Auch hier wird nur gegossen. Pinsel kommen bei dieser Technik so gut wie gar nicht zum Einsatz. „Das ist gar nicht so einfach, vor allem, wenn man etwas ganz bestimmtes wie zum Beispiel ein Zebra auf die Leinwand bekommen möchte“, erklärt er.

Und was bringt die Zukunft für den jungen Künstler?

„Na was schon, Kunst! Und auf jeden Fall ganz viel Neues“, sagt er. Er habe so lange auf seine erste eigene Ausstellung hingefiebert, dass er sich nun auf einen neuen Abschnitt freue. „Ich habe so viele Ideen und Überlegungen gleichzeitig. Nachdem ich meine Bilder im Hof Dinklage gezeigt habe, konzentriere ich mich wieder ganz auf das Malen“, freut er sich.

Chelsy Haß

Chelsy, nicht Chelsea oder Chelsey. 24 Jahre alte Volontärin der Nordwest-Zeitung mit ostfriesischem und (süd)amerikanischem Migrationshintergrund. Studiert habe ich im schönen Münster, und zwar Germanistik und Italienisch. Ansonsten bin ich ein Opfer meiner Generation - Stichwort Popculture und Smartphonesucht. Ich versuche aber der schleichenden Verdummung zu entkommen.

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