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Frauenfußball lebt immer noch ein Schattendasein

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Egal ob Welt – oder Europameisterschaft:  unsere Frauenfußball-Nationalmannschaft führt trotz medialer Präsenz ein Schattendasein. Die öffentliche Aufmerksamkeit bleibt weiterhin auf der Strecke.  Auch die Trainer werden für ihre Arbeit im Frauenfußball oft von ihren Kollegen belächelt. König Fußball ist (noch) eine Männerdomäne.

„Das, was die Bundesligaspielerinnen als Gehälter und Prämien bekommen, ist ein Witz im Vergleich zu dem, was sie leisten“, sagt Ralf Memmen, Trainer der Bezirksliga-Frauen des SV Eintracht. „Sie nehmen die selben Strapazen auf sich. Das wird aber nicht wahrgenommen.“ Das findet auch die Oldenburgerin Caren Pollak: „Na klar ist das ungerecht. Die kriegen eigentlich nichts und müssen nebenbei noch arbeiten, haben aber im Prinzip keine Freizeit mehr.“ Der Frauenfußball kämpft immer noch um mehr Aufmerksamkeit – nicht nur in Deutschland.

Reich werden sie nicht

Als das deutsche Nationalteam im vergangenen Jahr bei der Europameisterschaft in den Niederlanden auflief, war auch wiedermal das Fernsehen mit dabei.  Und es wurde der Eindruck erweckt, dass es mit dem Frauenfußball aufwärts geht. Doch die Realität sieht anders aus. Während im männlichen Profifußball Topgehälter und aberwitzige Ablösesummen an der Tagesordnung sind, kommen die besten Nationalspielerinnen des VfL Wolfsburg oder des FFC Frankfurt mit ihrem Gehalt über die Runden. Reich werden sie nicht.
Die Frauenfußballerinnen des SV Eintracht beim Training in Etzhorn. Im Hintergrund beobachtet Trainer Ralf Memmen die Szenerie. Außer dem SVE spielen auch der FC Ohmstede und der Post SV in der Frauen-Bezirksliga.
Bereits im zweiten Drittel der ersten Liga gleitet das Niveau hinab auf Amateurstatus. In der zweiten Liga ist von Gehältern keine Rede mehr. Selbst Fahrtkosten können zumeist nicht erstattet werden. Der Großteil der Bundesligaspielerinnen muss nebenbei arbeiten. Zum Vergleich: ein guter Stammspieler eines Regionalligisten kann mit einem Verdienst von 1500 bis 2500 Euro netto rechnen.

Männerfußball ist temporeicher und dynamischer

Die öffentliche Akzeptanz von Frauenfußball ist trotz der Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene in den vergangenen Jahren immer noch sehr gering. Aber warum? „Der Frauenfußball hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Es hat sich vieles getan“, sagt Pollak. Die Mutter von zwei Kindern hat selbst in der Frauenhobby-Mannschaft des SV Eintracht Fußball gespielt. Das bestätigt auch Frank Wronski vom FC Ohmstede. „Sportlich hat sich einiges getan, gerade im Bereich der Jugend- und Frauenmannschaften“, sagt er.
Dennoch: der Frauenfußball lebt immer noch ein Schattendasein. „Die Spiele werden zwar live im Fernsehen übertragen, aber eigentlich gucken es nur die eingefleischten Fans“, weiß Pollak aus eigener Erfahrung. Auch ihre Tochter, die selber Fußball spielt, guckt die Spiele der Nationalmannschaft nur selten. Da sie mit Männerfußball aufgewachsen sei, liebe sie das temporeiche, dynamische Spiel, dass ihr beim Frauenfußball meistens fehlt, erzählt ihre Mutter. „Letztlich ist es ein anderes Spiel als bei den Männern.“
„Frauenfußball kommt mehr über das Spielerische und die Technik, die Männer mehr über das Körperliche“, sagt Wronski. „Es wird nie die gleiche Anerkennung bekommen wie der Männerfußball“, befürchtet der Trainer. Es stecke noch alles etwas in den Kinderschuhen, findet Memmen. Er selbst war mit der Frauenmannschaft vom SVE im vergangenen Jahr beim EM-Spiel der deutschen Mannschaft gegen Schweden in den Niederlanden. „Wenn man um das Stadion herum keine deutschen und schwedischen Trikots gesehen hätte, wäre man nicht davon ausgegangen, dass hier gerade eine EM stattfindet“, berichtet der Trainer überrascht über die Situation vor Ort. „Ich würde mir mehr Aufmerksamkeit wünschen.“ Das erhofft sich auch Pollak: „Ich würde denken, wenn man den gleichen Hype um die WM oder EM wie bei den Männern macht, auch in den Medien, dann sehe es wahrscheinlich anders aus.“

Belächelt von Kollegen

Für den FCO-Trainer müsse man zunächst an der Basis anfangen. „Der Schulfußball für Mädchen, den der FC Ohmstede auch anbietet, muss weiter verstärkt werden. Außerdem muss der Spielbetrieb anders gestaltet werden“, sagt Wronski. „Der DFB hat schon einiges auf den Weg gebracht.“
Vorurteile gegenüber dem Frauenfußball sind aber immer noch an der Tagesordnung. Das hat auch Memmen am eigenen Leib miterlebt. „Ich war auf einer Trainertagung in Barsinghausen. Da hab ich dann in der Runde erzählt, dass ich Frauentrainer bin. Danach habe ich mich wirklich von den Trainerkollegen ausgegrenzt, belächelt und nicht als vollwertiger Trainer gefühlt“, sagt er.  Aber es gibt auch positive Resonanz. „Nach einem Turnier an dem wir teilgenommen haben, kamen ältere Herren auf mich zu und meinten: wann wir denn wieder hier spielen würden, das sehe ja echt gut aus.“
Um auch Mädchen für den Fußball zu begeistern, wirbt der GVO Oldenburg auf seiner Internetseite außerdem mit dem Spruch:  „Fußball nur ein Männersport? Ganz sicher nicht!.

Und auch in der Bundesliga gibt es bereits prominente Fans. „Ich schaue das gerne, weil es ein viel ehrlicherer Sport ist als Männerfußball. Frauen heulen viel weniger rum, liegen nie am Boden“, sagte Julian Nagelsmann, Trainer der TSG Hoffenheim,  dem Fußballmagazin „Kicker“: „Die Frauen stehen auf und spielen weiter, die Netto-Spielzeit ist gefühlt bei 85 Minuten. Da gibt’s keine Verzögerung, kein Gejammer, da ist nie jemand bei der Schiedsrichterin. Das gefällt mir.“

Auch der Bakumer und ehemalige Bundesliga-Profi Ansgar Brinkmann (u.a. VfL Osnabrück, BV Cloppenburg, Eintracht Frankfurt, Arminia Bielefeld)  verfolgt den Frauenfußball aufmerksam. „Ich bin mit Frauenfußball groß geworden, habe die Spiele schon ab meinem zehnten Lebensjahr intensiv verfolgt. Meine ältere Schwester war ein Vorbild für mich, sie hat Bundesliga in Brauweiler gespielt“, verriet er der „Bild-Zeitung“. Der Kult-Profi könnte sich sogar vorstellen im Frauenfußball zu arbeiten: „Es würde mich reizen, eine Mannschaft in der Frauen-Bundesliga zu trainieren.“

Niklas Benter

Ohne Sport geht's bei mir einfach nicht. Seit mehr als zwei Jahrzehnten schwing ich bereits den Hockeyschläger. Auch das Tennis-Racket ist seit frühster Kindheit mein Weggefährte. Egal ob Fußball-WM und EM, Olympia oder der Super Bowl: Ich verpasse keine Großveranstaltung. Sport ist meine Leidenschaft und wird mich hoffentlich noch lange begleiten.

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