Nordisch leben

Essenswelt: Instagram als Abnehmtagebuch

Google+ Pinterest LinkedIn Tumblr

Lydia Gerdes aus Gehlenberg, Landkreis Cloppenburg, teilt auf ihrem Instagramaccount Essenswelt Fotos, Stories und kleine Geschichten aus ihrem Abnehmalltag. Mittlerweile folgen ihr mehr als 15.000 Leute.

Account übers Essen, nicht übers Kochen

Ob sie gerne koche? Lydia Gerdes zögert kurz. „Mittlerweile koche ich ganz gern.“ Aber häufig greift sie doch auf Fertigmischungen zurück – das gibt die Gehlenbergerin ganz offen zu. Und das antwortet sie auch denjenigen, die nach den Rezepten fragen. „Da sind die Leute immer ein bisschen enttäuscht“, sagt sie und lacht. Aber ihr Account heißt ja Essenswelt. Und essen, das macht sie sehr gerne.

Bei Instagram stellt Lydia Fotos hoch, meistens von ihren Mahlzeiten oder Snacks, aber auch von sich. Dabei geht es aber nicht nur ums Essen, sondern vor allem auch ums Abnehmen. Mit dem Account motiviert sie sich und andere, an ihren Zielen dranzubleiben.

15 Kilo in drei Monaten

Angefangen hat alles im Januar 2016. Zwei Monate zuvor war ihr Vater verstorben. Lydia hatte den Punkt erreicht, an dem sie etwas ändern wollte und mithilfe eines Diätprogramms hat sie das auch geschafft: Innerhalb von drei Monaten hat sie 15 Kilo abgenommen. Von Beginn an hat sie dies auf Instagram geteilt, anfangs noch privat, aber irgendwann auch öffentlich. Und immer mehr Leute folgten ihrem Profil – mittlerweile sind das rund 15.100.

Schnelles, einfaches Essen, darum geht es auf dem Profil. Deshalb versucht sie auch nicht, das Essen auf ihrem Teller perfekt zu drapieren, um das perfekte Foto machen zu können: „Ich klatsche das so auf den Teller, mach ein oder zwei Fotos und das war’s.“ Selbst wenn sie es wollte – solche Fotos, wie viele andere Accounts das immer wieder machen, würde sie wohl nicht hinbekommen. „Die machen dann auch immer 100 Fotos, bis es wirklich perfekt ist – aber dann wird das Essen ja kalt!“

Abgesehen davon sei sie lange genug damit beschäftigt, ihr Essen abzuwiegen, denn ihr Wunschgewicht hat sie noch nicht erreicht. Von dem Diätprogramm ist sie irgendwann abgerückt zum Kalorienzählen. Von kurzfristigen Diäten hält die Gehlenbergerin nicht so viel, zumindest nicht, wenn man sein Gewicht langfristig verringern will. „Man möchte ja irgendwann angekommen sein und da muss man die Ernährung umstellen.“ Viel Bewegung und Sport gehöre auch dazu.

Was ihre Umgebung und etwa ihr Freund davon halten, dass sie immer erst ihr Essen fotografiert? Also die Umgebung hat sich mittlerweile dran gewöhnt – und ihr Freund ist hellauf begeistert. „Wenn ich mal keine Lust zum fotografieren habe, macht er manchmal die Fotos“, erzählt sie. Er sei sehr stolz auf Lydia und unterstütze sie.

Lydia Gerdes im Wohnzimmer: Den Instagramaccount kann man ja überall pflegen – wenn es gerade nichts zu essen gibt. (Foto: Manuela Wolbers)

Wenn man Lydia danach fragt, ist sie ganz in ihrem Element. Dass sie sich eingehend mit Übergewicht und vor allem mit dem Abnehmen beschäftigt hat, merkt man schnell. Sie erzählt gerne davon und gibt ihren Followern Tipps, wann immer sie darum gebeten wird. Jeden Tag kommen ähnliche Fragen: „Warum nehme ich nicht ab?“ oder „Wie nehme ich richtig ab?“ Die Gehlenbergerin nimmt sich Zeit, antwortet ausführlich, stellt selber Fragen: „Was isst du jeden Tag? Wie viel bewegst du dich? Was bist du von Beruf?“ Häufig entdeckt sie schnell, warum es mit dem Abnehmen nicht so gut klappt und gibt weiter, was ihr geholfen hat.

Nicht immer motiviert – aber immer öfter

Viele wollen auch wissen, wie sie es schafft, motiviert zu bleiben. „Ich bin nicht immer motiviert.“ Manchmal erlebt sie auch Rückschläge. Zwischendurch hatte sie bereits 25 Kilo abgenommen, nach Hochzeiten, Feiern und Urlaub sind wieder rund fünf Kilo dazugekommen. Auch das teilt Lydia auf Instagram. Und oft bekommt sie motivierende Nachrichten, von Menschen, die sie einfach ermutigen, oder von Menschen, die auch dran bleiben, an ihren Zielen. „Was zählt ist, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.“

Dabei hilft Lydia ihr Instagramaccount. „Das ist ja nur ein kleines Hobby – na gut, eher ein großes Hobby. Es nimmt sehr viel Zeit in Anspruch.“ Geld verdient sie mit ihrem Account (noch) nicht, zumindest nicht regelmäßig. Nur einmal ist sie für eine Kooperation bezahlt worden, aber manchmal bekommt sie Produkte kostenlos zugeschickt

Auch wenn sie viele Follower hat, macht Lydia den Account vor allem für sich. „Das ist wie ein Tagebuch.“ Über die vielen Nachrichtenschreiber freue sie sich aber immer wieder. „Die motivieren mich.“ Denn an ihrem persönlichen Abnehmziel ist sie ja noch nicht. Auf ihrer Reise zum Traumgewicht hat sie sich gemeinsam mit ihrer besten Freundin ein Tattoo stechen lassen, um sich immer wieder daran zu erinnern, nicht aufzugeben: „don’t stop until you’re proud“.

Manuela Wolbers

Geboren und aufgewachsen im Emsland. Zum Studium zog's mich hinaus in die weite Welt: Zuerst nach Göttingen, zum Kulturanthropologie- und Politikstudium und dann weiter nach Marburg zum Geschichtsstudium. Unterwegs kamen zur quasi angeborenen Liebe zum Lesen (besonders Harry Potter), Schreiben und Inlinern noch die Liebe zum Hula Hoop, Häkeln, Stricken, Nähen und für Doctor Who dazu. Ein paar Jahre in immer bergigerem Land haben mich das Flachland vermissen lassen. Seit Oktober 2017 kann ich endlich meiner Leidenschaft frönen und das im schönen Nordwesten.

Schreibe einen Kommentar