Nordisch gesehen

Ed Sheeran in Hamburg: Buntes Lichtermeer bei 30 Grad

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Der Schweiß tropft mir in den Nacken. Die Klimaanlage im Zug hat mich im Stich gelassen und nicht mal das Wedeln mit meiner Zeitung hilft. Ich denke an den bevorstehenden Abend: Gut, dass Ed Sheeran in Hamburg ein Open Air auf der Trabrennbahn gibt – in geschlossenen Räumen ist es nämlich an diesem hochsommerlichen Mittwoch nicht auszuhalten: 34 Grad, gefühlte 40 – der diesjährige Sommer in Deutschland meint es gut mit uns. Zu gut.

Während der Zugfahrt von Oldenburg nach Hamburg höre ich im ganzen Abteil schon Stichworte wie „Ed Sheeran“ oder „Konzert“ – ich bin also nicht alleine mit meiner Vorfreude. Seit einem Jahr hängen die Tickets für das Ausnahmetalent aus England an meinem Memoboard – und jetzt soll es endlich soweit sein. Das erste Mal in Kontakt mit Ed Sheerans Musik kam ich im Jahr 2012. Im Jahr zuvor brachte er (noch relativ unbekannt im Vergleich zu jetzt) sein Album „+“ auf den Markt, welches ich von diesem Zeitpunkt an rauf und runter hörte.

Auf dem Weg zu Ed Sheeran

In Hamburg angekommen: Regen, zu den subtropischen Temperaturen steigert sich nun auch noch die Luftfeuchtigkeit. Haare on fleek? Fehlanzeige. Meine Konzertbegleitung aus Hamburg holt mich Gott sei Dank mit dem Auto ab und schon geht es in Richtung Bahrenfeld – bei prasselndem Wolkenguss und Scheibenwischern in Höchststufe.

Wie aus dem Nichts verziehen sich die Wolken. Ein Parkplatz circa zwei Kilometer von der Location ist schnell gefunden und wir nutzen die Öffis, um das Gelände zu erreichen. Extra Pendelbusse für die rund 80.000 Besucher werden bereitgestellt. Und wir haben Glück: Wir erwischen einen komplett leeren und klimatisierten Bus, der die freudige Meute zur Trabrennbahn bringt. Im Bus hört man schon Gruppengesänge, die „Shape of you“ zum Besten geben – die Vorfreude wird immer größer.

Sonne knallt schon bei den Vorbands

Wer bei Ed Sheeran in Hamburg seinen Sonnenschutz vergisst, muss sich zu helfen wissen. (Bild: Emily Zimmermann)
Wer bei Ed Sheeran in Hamburg seinen Sonnenschutz vergisst, muss sich zu helfen wissen. (Bild: Emily Zimmermann)

Angekommen. 18:30 Uhr. Jetzt aber los, ich höre von draußen schon den ersten Voract: Jamie Lawson – ein englischer Singer-Songwriter, der von Ed selbst entdeckt wurde.
Unsere Sitzplätze befinden sich auf der Tribüne 1, Block B, seitlich der imposanten Bühne. Als wir uns hinsetzen, merken wir: Toll, Sonnenbrille und Sonnenschutz vergessen. Die Sonne knallt nun wieder ordentlich und scheint uns direkt ins Gesicht. Da musste ich mir kurzerhand Abhilfe schaffen, also Papier unters Bandana.

Die Veranstalter haben übrigens für die Hitze vorgesorgt: Günstiges Wasser wird an allen Eingängen bereit gestellt, die Front Row wird sogar von vorne mit Wasser versorgt. Alle halten zusammen, die Konzertbesucher reichen sich das Wasser gegenseitig durch die Reihen im vorderen Bereich der Bühne.

Anne-Marie ist der zweite Voract von Ed Sheeran: eine junge britische Sängerin, die mit Songs wie „Rockabye“ oder „Ciao Adios“ nicht mehr aus den Radiosendern der ganzen Welt wegzudenken ist. Mit Ed Sheeran ist sie gut befreundet, hat sogar einen Song mit ihm zusammen geschrieben, der momentan im Radio rauf und runter läuft: der Titel „2002“.

Endlich: Ed Sheeran in Hamburg

20:30 Uhr – jetzt geht es gleich los, lange kann der rothaarige Singer-Songwriter nicht mehr auf sich warten lassen. Das Publikum jubelt, immer mehr Energie schwappt auf jeden Einzelnen über. Und dann ist es soweit: Mit „Castle on the Hill“ eröffnet der Star des Abends sein zweistündiges Konzert, genau in dem Moment, in dem die Sonne hinter der Bühne untergeht – Punktlandung, der perfekte Blick auf die Bühne und die feiernde Masse. 80.000 Menschen singen mit, die Gänsehaut macht sich bemerkbar. Zum Vergleich: Auf dem diesjährigen Deichbrand waren 50.000 Besucher – ein einzelner Künstler schafft es einfach mal 30.000 Leute mehr auf einen Fleck zu bekommen.

Ed begrüßt seine Zuhörer mit einem „Good Evening, Hamburg!“ Mehr muss er nicht sagen und schon jubeln die Mengen einige Dezibel lauter. Sein erstes Konzert in Deutschland habe er vor 100 Leuten in Hamburg gespielt. Deshalb verbinde ihn mit dieser Stadt ziemlich viel. Noch mehr Jubel. Der Mann weiß, wie man seine Fans um den Finger wickelt.

Eine One Man Show – das ist Ed Sheeran durch und durch. Mit zwei wechselnden Gitarren und einer Loopstation bildet er die komplette Band. Er alleine, mit ein paar Hilfsmitteln und seiner gefühlvollen Stimme: mehr braucht es nicht um die Menschen zu begeistern. Mit „The A Team“ schafft Ed Sheeran einen Throwback. Dieser Song machte ihn bekannt und noch heute zählt er zu meinen Favoriten. Der Abend geht weiter mit Songs wie „Happier“ und „Sing“ – ein unglaublicher Anblick, wie Ed mit nur einem Instrument und einer Loopstation einen kompletten Song aufbaut.

Ein Lichtermeer für Ed Sheeran

Ein ganz besonderer Moment folgte bei der Ballade „Perfect“. Im Vorfeld gingen nämlich Kuverts mit blauen Papierschnipseln durch die Menschenmenge: eine Fanaktion. Bei „Perfect“ sollen wir die blauen Schnipsel in unsere Handyhüllen vor die Lampe stecken. Dadurch entsteht ein blaues Licht. Gesagt, getan. Viele gelbe, aber auch vereinzelt blaue Lichter (unter anderem das aus meinem Handy) verwandeln die Masse in ein einziges Lichtermeer. Für gefühlvolle Menschen war nun wohl der Zeitpunkt gekommen, um sich ein bis fünf Tränen zu verdrücken.

Ed Sheeran in Hamburg (Bild: Keno Rademacher)
Ed Sheeran in Hamburg (Bild: Keno Rademaker)

Songs wie „Galway Girl“ und „Don’t“ animierten zum Tanzen, Balladen wie „I See Fire“ und „Tenerife Sea“ versetzten die Menschenmenge in eine überwältigende Stille – hier wurde einfach genossen. Die Mischung macht’s: Ed hatte musikalisch für jeden etwas im Gepäck.

Zwei Stunden gehen viel zu schnell vorbei

22:15 Uhr: Ed verlässt die Bühne. Nein, nein, nein! Warum? Noch nicht! Nicht ganz zwei Stunden reichen mir nicht aus. Definitiv nicht. Den anderen Besuchern anscheinend auch nicht. Die Melodie des vorherigen Liedes hält sich hartnäckig in den Reihen. Alle singen und klatschen, jubeln und hoffen. Und dann lässt uns Ed natürlich nicht im Stich. Betritt – gekleidet mit einem St. Pauli-Trikot – die Stage und lässt alle mit „Shape of you“ nochmal richtig abzappeln. „You need me“ schiebt er dann auch noch hinterher, damit auch er seine letzte Energie auf der Bühne lässt. Es wird getanzt, es wird gesungen, es wird geweint, es wird gelacht. Genau das, was Ed zu Beginn des Konzertes wollte: „Singt so laut mit, wie ihr könnt – egal ob ihr es könnt. Ich möchte, dass ihr nach diesem Konzert keine Stimme mehr habt!“

Das hat der 27-jährige Singer-Songwriter aus Halifax geschafft: die Stimme ist heiser und ich einfach nur glücklich.

Emily Zimmermann

Oberfränggisches Madl mit einem Herzen für den Norden (ganz besonders für das kulinarische Angebot wie Grünkohl und Pinkel). Wenn Sie nicht vor der Kamera für Ihren YouTube-Channel „SACH AN!“ rumhüpft, singt sie auf den verschiedensten Bühnen Norddeutschlands – von Straßenfesten bis Hochzeiten. Man erkennt Emily an ihrem – von vielen Kollegen liebevoll genannten – Sprachfehler: das rollende R!

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