Nordisch leben

Das hat ein E-Auto unter der Haube

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Ein E-Auto läuft mit Strom, stößt kein CO2 aus und ja, was eigentlich noch? Klarnordisch hat bei einem überzeugten E-Autofahrer nachgefragt. Am praktischen Anschauungsobjekt erklärt Roland Klose aus Dötlingen (Landkreis Oldenburg) die Unterschiede zum konventionellem Auto und nimmt Klarnordisch von Ganderkesee aus mit auf eine Spritztour in seinem Tesla. Der 55-Jährige hat zwei E-Autos, einen Tesla und einen Renault, in der Garage stehen.

Tesla S (Bild: Klose)
Renault Zoe (Bild: Klose)

Schon der Einstieg in den elektrischen Sportwagen ist beeindruckend, so muss sich Captain Kirk gefühlt haben, als er das erste Mal in ein Raumschiff gestiegen ist. Es surrt, als sich die Türen des Teslas schließen. Ein großes Tablet in der Mittelkonsole leuchtet auf und zeigt eine Landkarte mit der aktuellen Position. Roland Klose drückt aufs Pedal und der Tesla schießt mit einem Satz nach vorne. Wer das nicht gewohnt ist, fühlt sich ungewohnt stark in den Sitz gedrückt. Von 0 auf 120 in sieben Sekunden.

So viel zum ersten Eindruck. Zeit, für einen genaueren Blick aufs und in das Auto. Von außen sehen die E-Autos aus wie normale „Verbrenner“ (wie Klose konventionelle Autos nennt).  Doch wo gibt es weitere Unterschiede, außer beim Antriebsstoff? Roland Klose, Vorsitzender des Elektromobilität Nord Vereins aus Dötlingen (Landkreis Oldenburg), öffnet dafür die Motorhaube seines Renault Zoe. Ein Blick unter die „Motorhaube“ des Teslas lohnt sich nicht, doch dazu später mehr.

Mehr als nur Strom und Batterie

Ein Blick unter die Haube (Bild: Langer)

„Auf den ersten Blick fällt auf, dass es kein Öl gibt“, erklärt Klose und wischt über den Innenraum seines Renault.  Kein Verbennungsmotor, kein Bedarf an Schmiermitteln, kein Ölwechsel. Neben dem Batteriemanagementsystem (silbern), einem Hochvoltakku (orange) mit bis zu 400 Volt, und einer 12-Volt-Batterie (rot) für beispielsweise die Beleuchtung, gibt es aber auch wie bei herkömmlichen Autos Geräte für Kühl- und Wischwasser.

Tesla: Stauraum statt Motor

Zurück zum Tesla, der vom Aussehen her vergleichbar mit einem größeren BMW ist. Aber durch den fehlenden Tank und den nicht vorhandenen Verbrennungsmotor ist das amerikanische E-Auto garantiert leichter.  Nein, weit gefehlt: „Zwar ist der E-Motor wesentlich kleiner und leichter, aber das Gesamtgewicht ist durch die Batterie ähnlich“, erklärt Klose. Auch eine Kupplung sucht man bei einem elektrischen Auto vergeblich. Genauso wie ein Getriebe oder eine Abgasanlage. „Das Herzstück, die 22 Kilowattstunden Autobatterie, liegt beim Renault Zoe unter der Rückbank“, erklärt Klose. Dabei handelt es sich um eine Lithium-Ionen-Batterie. Beim Tesla ist die Batterie – 85 Kilowattstunden (kWh) – im Unterboden verbaut. Deshalb „lohnt“ sich der Blick unter die „Motorhaube“ nicht – wo bei normalen Autos der Motor ist, findet sich beim Tesla nur Stauraum.

Die kWh lassen sich wohl am besten mit dem Volumen eines Tanks vergleichen. Also kann der Tesla mehr Strom laden, als der Renault. Und wie funktioniert das jetzt?

 

Gleich- und Wechselstrom?

Selbstgebaut: Eine Wallbox (Bild: Langer)

Alle Batterien in E-Autos werden mit Gleichstrom geladen. Das Problem: In der Regel liegt Wechselspannung (AC) in den heimischen vier Wänden an. Kennzeichnend für Wechselstrom (AC) ist die Änderung der Spannungsquelle, wodurch sich auch in zeitlichen Abständen die Richtung ändert. Vereinfacht gesagt: Um einen Laptop zu laden, muss ein Netzteil zwischengeschaltet werden, damit die Spannung in Gleichstrom umgewandelt wird. Nichts anderes passiert beim E-Auto.

Gleichstrom bedeutet, dass sich die Richtung nicht ändert. Alle E-Autos haben eine Batterie, die mit Gleichstrom (DC) aufgeladen werden muss. Die Stärke (also die Durchflussmenge) ändert sich auch bei Gleichstrom.
So liegt die Stärke beim Tesla am Supercharger in den ersten 5-10
Minuten bei 135kW und geht danach kontinuierlich runter. Um zuhause optimal laden zu können, bräuchte man eine DC-Wallbox – Kosten ab 10  000 Euro. Eine AC-Wallbox liegt bei 1000 Euro, um einiges billiger, benötigt aber auch mehr Ladezeit. Roland Klose, gelernter IT-Manager, hat sowas selbstgebaut. „Aus einer Platine, Sicherung, Zähler und einem Schalter.“

Wie weit kann man mit dem Strom fahren?

Das Auto ist voll geladen, nicht getankt – ganz wichtig, wie mir Roland Klose erklärt. Wer das verwechselt, muss einen Euro in ein Schweinchen zahlen. Aber wie weit kommt man denn jetzt mit 22 kWh oder 85 kWh?

Die Reichweite bei dem vollgeladenem Tesla beträgt mindestens 400 Kilometer, beim Renault bis zu 160 Kilometer. Der Verbrauch auf 100 Kilometer beträgt etwa 12 kWh beim Renault und mindestens 14 bis 17 beim Tesla. Eine wichtige Frage für E-Autofahrer ist immer, wo man das Fahrzeug aufladen kann – und das möglichst schnell. „Die Ladedauer hängt in erster Linie vom Fahrzeug und dann von der Ladesäule ab“, sagt Klose. „Ein Fahrzeug, das maximal 4,4 kW Wechselstrom laden kann, lädt auch an einer 22 kW Wechselstrom-Ladesäule nur mit 4,4 kW, weil das Fahrzeug hier der begrenzende Faktor ist.“

An Gleichstrom-Ladesäulen ist das anders. Da sind Werte über 35 kW möglich, die man aber nicht zu Hause abrufen kann, weil es dort nur Wechselstrom gibt. Der Tesla und der Renault können selbst Wechselstrom in Gleichstrom umwandeln. Das ist allerdings nicht die Regel. Da es keine Verbrennungsmotoren gibt, sind E-Autos geradezu geräuschlos.

Aufgeklärt: Die Top 3 Vorurteile gegen E-Autos

Als überzeugter E-Autofahrer muss sich Klose häufig mit Vorurteilen gegen die Elektromobilität auseinandersetzen. An dieser Stelle räumt er mit den Top 3 der am weit verbreiteten Vorurteile gegen E-Autos auf:

1. Elektroautos sind teuer

Wer sich ein E-Auto anschaffen will, muss (momentan) noch tiefer in die Taschen greifen. Allerdings muss man auch fortlaufende Kosten miteinander vergleichen. Der Einstieg in die Elektromobilität ist aktuell bereits unter 20 000€ möglich.

Tesla S (Bild: Langer)

Was jedoch alle Elektroautos gemeinsam haben, sind extrem niedrige Wartungskosten: Elektroautos brauchen keinen Ölwechsel, haben einen geringeren Bremsenverschleiß (wegen der Rekuperation), brauchen keinen Keilriemen, keinen Turbolader, keinen Zahnriemen und weder die Auspuffanlage noch die Kupplung müssen vom Benutzer ersetzt werden. Ein Auto mit Verbrennungsmotor hat 90-fach mehr bewegliche Teile als ein Elektroauto. Ein Verbrennungsantrieb besteht aus 1400 Teilen, ein Elektroantrieb nur aus 210. Alleine daraus lässt sich schon erahnen, dass die Wartungskosten bei einem Elektrofahrzeug viel geringer ausfallen. Laut einer Studie des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) liegen die Werkstattkosten um bis zu 35% unter denen von Autos mit Verbrennungsmotor. Hinzu kommt noch, dass Elektroautos von der KFZ-Steuer für zehn Jahre befreit und die Akkus wartungsfrei sind, da sie nur vom Hersteller verliehen werden. Die Batterie beim Tesla ist eine Kaufbatterie. Es gibt bei E-Fahrzeugen
sowohl Miet-, wie auch Kaufbatterien. Allerdings geben die Hersteller eine sehr lange Garantie auf die
Antriebsbatterie.

2. Elektroautos haben eine zu geringe Reichweite

Blick in den Tesla (Bild: Langer)

Die Reichweite moderner Serien-Elektroautos liegt momentan tatsächlich bei nur 150 Kilometer (Zoe, Leaf mit 26kWh-Akku) bis hin zu 550 Kilometer (Tesla mit 100kWh-Akku). Der Verkehrsclub Österreich hat in einer Studie aus dem Jahr 2014 ermittelt, dass die durchschnittliche Fahrtstrecke pro Tag aber bei nur knapp 36 Kilometer liegt. Daraus folgt für Roland Klose, dass  Elektroautos bereits alltagstauglich sind. Sie decken für 80 Prozent  der Bevölkerung mehr als 80 Prozent des Alltagsbedarfs ab. Damit kann ich aber nicht nach Italien in den Urlaub fahren, werden sich jetzt bestimmt einige denken. Man kann schon, zugegeben, man muss momentan noch etwas planen, um Lademöglichkeiten auf der Strecke einzuplanen und man sollte die Anreise bereits als “Urlaub” sehen und nicht als hektisches Übel. Aber anders gefragt: Wie oft fährt man pro Jahr nach Italien? Die Elektromobilität erfordert auch im Kopf ein gewissen Umdenken.

3. Es gibt zu wenige Ladestationen

Griffbereit im Kofferraum: Aufladekabel für unterwegs (Bild: Langer)

Prinzipiell  kann man Strom „an jeder Ecke“ laden (z.B. mit der normalen Schukosteckdose). Da diese aber mit 2kW eine relativ geringe Ladeleistung hat und solche Steckdosen konstruktiv nicht in der Lage sind, dauerhaft über mehrere Stunden mit diesen und höheren Strömen belastet zu werden, gibt es Ladesäulen bzw. Wallboxen für zu Hause. Aktuell gibt es in Deutschland über 30 000  öffentliche Ladepunkten (Quelle: Going Electric). Es gibt über verschiedene Anbieter die Möglichkeit teilweise Europaweit mit einer Ladekarte zu laden (z.B. Ladenetz, NewMotion).

Nathalie Langer

Dorfkind mit Leib und Seele. Aufgewachsen im wunderschönen Ammerland und nach dem Archäologiestudium wieder zurückgekehrt. Nein, ich habe keine Dinosaurier ausgegraben! Neben Geschichtsromanen, liebe ich Basketball und lange Spaziergänge mit meiner Golden-Retriever-Hündin Paula.

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