Nordisch gesehen

Andy ist auf einem Tennisturnier 2018

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Wenn Spinat zwischen den Zähnen der Anlass für eine (kleine) Wall of Death ist, wenn der Sänger von Faakmarwin im leider nicht knallroten Gummiboot von der Menge getragen wird und eine Bärenbande das Flunkyball-Turnier gewinnt, dann kann das nur eines bedeuten: Am Wochenende war in Tossens wieder „Andy ist auf einem Tennisturnier“ angesagt.

Zum sechsten Mal fand das Festival in Butjadingen statt – und es war wieder ein Stückchen größer als im Jahr zuvor. Mehr Bühne, mehr Gäste, mehr Spaß und dazu noch ein Line-Up, welches Bekanntes und Neues miteinander vereint. Nur eine musikalische Schublade gibt es beim „Andys“ nicht, denn jeder aus dem Orgateam hat ein Mitspracherecht – so trifft Hip-Hop auf Punk und Poppiges auf Schrammeliges. Ein Konzept, das funktioniert: Mit knapp unter 1000 Gästen war das diesjährige Andys ausverkauft.

Wechsel im Line-Up

Dabei fing es dieses Mal gar nicht so gut an. Gleich zwei Ausfälle musste das Andys beklagen: Der Headliner des Freitags, die Band Rakede, musste kurz vor dem Festival absagen und schon zuvor musste dies auch die Band „Waves of Joy“ tun. Zum Glück konnte aber Ersatz beschafft werden. Am Freitagabend sprangen die Emsländer von „Razz“ ein – und überzeugten mit ihrer Mischung aus Blues- und Indie-Rock auf ganzer Linie. Voller wurde es danach nur beim DJ-Set von Andys Hausband „Faakmarwin“. Aber auch ohne Band und in ungewohnt elektro-lastiger Form war Faakmarwin wieder Garant für Gute Laune auf und vor der Bühne – und die „Verkleidung“ mit Sturmmasken erinnerte zwar an die Band „Twenty One Pilots“, führte aber natürlich niemanden hinters Licht.

Andy ist auf einem Tennisturnier – Die Meldung, Fullax, Swutscher

Auch am Samstag gab es für die ausgefallenen „Waves of Joy“ einen guten Ersatz. „Hi! Spencer“ kamen spontan wieder, nachdem sie bereits bei der fünften Auflage des Festivals auftraten. Die Band aus Osnabrück schafft den Spagat zwischen Pop und Indie-Punk. Gerade die Stimme von Frontmann Sven Bensmann sorgt dafür, dass die Lieder sich dauerhaft einen Platz in den Gehörgängen suchen und dort einfach nicht wieder weggehen wollen. Das zeigte sich auch auf dem Andys: Obwohl die Osnabrücker den undankbaren ersten Slot des zweiten Festivaltages füllen mussten, verließen doch einige Andy-Gänger ihre Zelte.

Andy ist auf einem Tennisturnier – Kid Dad, Lygo, Razz, Faakmarwin

Party auf dem Zeltplatz

Ein Glück, das leider nicht jeder Band hold war. In diesem Jahr taten sich viele Besucher schwer, die Party vom Zeltplatz auf das eigentliche Festivalgelände zu verlegen. Ein Trend, unter dem viele Festivals leiden und der nichts über die Qualität der Bands aussagt. Denn fast jeder Auftritt lohnte sich an diesem Wochenende. Besonders, aber ganz subjektiv, hervorzuheben sind die Bands „Swutscher“ (Freitag), Blond und der Rapper Weekend (beide Samstag).

Andy ist auf einem Tennisturnier – Hi! Spencer, DiscoCtrl, Lirr

Die richtige Wahl

Die Musiker von Swutscher schrammeln sich rotzig durch ihren ganz eigenen Folk-Punk, nippen zwischen den Versen und Akkorden an der Bierflasche und ziehen genüsslich an der Kippe.  Die Hamburger Band zeigt allen musikalischen Erwartungen genüsslich den Stinkefinger  – und das Andys schunkelt bei „Bierstübchen“ genüsslich im Takt. Da hat jemand aus dem Orga-Team definitiv die richtige Wahl getroffen.

Andy ist auf einem Tennisturnier – Blond, Weekend

Was auch für das Trio „Blond“ gilt. Die Chemnitzer Johann Bonitz, Lotta und Nina Kummer sind kodderschnautzig, frech und kombinieren alle musikalischen Richtungen, auf die sie gerade Lust haben – man kann gar nicht anders, als sich in diesen Sound zu verlieben. Johann Bonitz ist blind, spielt zahlreiche Instrumente – und haut gerne mal einen tiefen Gegenpart zum Gesang der beiden Kummer-Schwestern raus. Bei wem es bei Kummer übrigens klingelt: Ja, das sind die Schwestern der beiden Kraftklub-Brüder. Verglichen wird aber nicht, Blond stehen für sich – und nehmen ein Lied über Spinat zwischen den Zähnen dann halt auch als Anlass, das Publikum zur Wall of Death zu animieren.

Bereit für Weekend

Direkt nach Blond, die auf dem Andys garantiert einige neue Fans gefunden haben, war es Zeit für den Headliner: der Rapper Weekend. Ganz anderer Stil als alles davor – und die Menge ging mit. Wer zu diesem Zeitpunkt immer noch lieber auf dem Zeltplatz blieb, dem war und ist wirklich nicht mehr zu helfen. Weekend zeigte, was schon „Fünf Sterne deluxe“ wussten: „Hip-Hop braucht kein Mensch, aber Mensch braucht Hip-Hop.“ Weekends Punchlines sitzen und die Ironie in den Texten punktet besser als jeder Gangsta-Rap – nur die Aussprache von Butjadingen müssen die Andys ihm noch beibringen.

Andy ist auf einem Tennisturnier – Party mit den Andys

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Claus Arne Hock

Jahrgang 1982; Journalist mit Migränehintergrund; Die Kanzlerin hat mir nie ihr Vertrauen ausgesprochen; Volontär in der Presseagentur GanterMedia (Ganderkesee); Musikbegeisterter Film- und Comicfan.

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